06.03.2014

Wie ein Schüler via Twitter Sportjournalisten auf der ganzen Welt narrte

»Ich habe niemandem weh getan«

Samuel Gardiner narrte als falscher Journalist die weltweite Twittergemeinde. Er diskutierte mit Premier-League-Spielern über krude Transfergerüchte und wurde bei Al Jazeera zitiert. Dabei wollte der 17-jährige Schüler einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Chris Gloag

Samuel Gardiner, Sie verkündeten Anfang Januar via Twitter den Wechsel des Ägypters Mohamed Salah zum FC Liverpool und versetzten damit die Fußballwelt in Aufruhr. Wie konnte das passieren?
Ich habe keine Ahnung. Aber als Al Jazeera den Transfer von Salah vermeldete und mich als Quelle anführte, ahnte ich, dass ich einen Volltreffer gelandet hatte.

Ihre Nachricht war ein Fake. Salah wechselte stattdessen drei Wochen später zum FC Chelsea. Wer war Ihre Quelle?
Ich hatte keine. Ich habe mir das ausgedacht.

Warum?
Ich hatte damals 150 Follower auf Twitter. Und wusste, dass sich niemand für die Tweets eines 17-jährigen Arsenal-Fans interessiert. Ich wollte aber, dass mich die Leute wahrnehmen. Also habe ich mir ein falsches Twitter-Profil als Journalist angelegt und angefangen, Gerüchte zu verbreiten. Das war der schnellste Weg, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Als Sie Anfang 2012 begannen, nannten Sie sich »Dominic Jones« und gaben sich als Autor von goal.com aus. Wenig später wurde ihr Profil gesperrt.
Ich verstand, dass ich mich der Sache anders nähern musste. Also entwickelte ich mit meinen Freunden eine neue Strategie. Wir formulierten ein Ziel: 50 000 Follower.

Sie machten das nicht allein?
Nein, meine Kumpels wussten Bescheid. Wir saßen oft in der Schule beim Mittagessen zusammen und überlegten, wie wir die Sache cleverer anstellen könnten. Das hat Spaß gemacht.

Sie nannten sich nun bei Twitter »Sam Rhodes« und gaben sich als freier Journalist für die »Financial Times« und den »Daily Telegraph« aus. Sie haben also das Vorgehen des ersten Versuchs wiederholt. Warum flogen Sie diesmal nicht auf?
Ich war vorsichtiger und twitterte nicht mehr jede absurde Idee. Zudem konzentrierte ich mich vor allem auf Vereine, die sportliche Probleme hatten. In solchen Situationen sind Fans einfach empfänglicher für Gerüchte. Ich habe meine Arbeit sozusagen professionalisiert. Am Ende habe ich es aber dem ehemaligen Chelsea-Trainer Roberto Di Matteo zu verdanken, dass die Leute mich ernstnahmen.

Dessen Entlassung im November 2012 vermeldeten Sie weltweit als Erster.
Binnen Stunden hatte ich plötzlich über 10 000 Follower. Einfach Wahnsinn!

Woher hatten Sie Ihre Infos?
Ich hatte keine. Für Chelsea lief es in dieser Phase sehr schlecht. Ich ahnte, dass es für Di Matteo eng werden würde. Also vermeldete ich seine Entlassung. Einen Tag später war er wirklich seinen Job los. Das war ein absoluter Glückstreffer. Danach änderte sich alles.

Sie wurden als seriöse Quelle wahrgenommen.
Ich orientierte mich am Stil von renommierten Sportjournalisten, mixte bestätigte Meldungen, meine eigene Meinung und bestehende Gerüchte. Dann streute ich meine ausgedachten Meldungen ein. Und einige davon wurden tatsächlich wahr. Ich hatte eine Glückssträhne und verfeinerte mein System immer weiter.

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