Wie ein Hamburger Unternehmer die HSV-Fans motiviert

»Die Spieler auspfeifen? Niemals!«

Frederik Braun ist Gründer des Miniatur-Wunderlands, einer der größten Hamburger Touristenattraktion, und seit vielen Jahren HSV-Fan. Nun wurden ihm die Beschimpfungen aus der Kurve aber zu viel. Er mahnte die wütenden Anhänger zur Geschlossenheit – und fand ein enormes Echo.

Frederik Braun, wir haben gehört, Sie seien momentan sehr im Stress. Was ist passiert?
Ich bin im positiven Stress. Es begann damit, dass wir am Montag auf Facebook fünf Gebote für HSV-Fans gepostet haben. Die Resonanz war riesig, wir haben auf unserer Facebook-Seite momentan über 23.000 »Gefällt-mir«-Angaben, alle paar Minuten bekommen wir E-Mails von Fans, ständig rufen Journalisten an. Eben musste ich ein Fernsehinterview geben. Diese Aktion ist eine Art Zweitjob geworden. (lacht)
 
Worum geht es in den fünf Geboten?
Wir wünschen uns, dass niemand während des Spiels die Mannschaft auspfeift, dass keiner das Stadion vor Spielende verlässt, dass man für den HSV aufsteht, dass jeder den HSV auch nach einem Gegentor weiter anfeuert, dass man alles für unseren HSV gibt, in jedem Spiel, als wenn es unser letztes wäre. Kurzum: Die Spieler brauchen mehr positive Signale, um den Abstieg zu verhindern, und die Fans sollen wieder der vielzitierte zwölfte Mann werden.
 
Klingt simpel.
Aber so ist es hier nicht. Sie müssen mal sehen, was bei den Spielen gegen Schalke oder Hoffenheim los war. Die Anhänger pfiffen die Profis aus und sprechen von einem Fanboykott beim kommenden Heimspiel gegen Hertha BSC. Schon am Sonntagabend haben meine Frau und ich überlegt, ob wir einen Aufruf zur Geschlossenheit starten sollten, doch als wir dann einen Blick in ein paar HSV-Internetforen wagten, verwarfen wir die Idee. Da herrschte ein Hass, den ich so noch nicht erlebt habe.
 
Was hat Sie dann doch dazu bewogen, die Gebote zu veröffentlichen?
Die Berichterstattung in der Presse.
 
Inwiefern unterscheidet die sich von der in anderen Großstädten?
Ich kann das nicht vergleichen, doch ich weiß, dass die Presse hier eine Stimmung verbreitet, bei der man kaum noch zum Durchatmen kommt.
 
Die »Sportbild« hat Bert van Marwijk mit dem Satz »Ihr steigt ab – ich nicht!« zitiert.
Glaube nichts, was du nicht selber gehört oder gesehen hast. Aber ich kann Ihnen ein gutes Beispiel geben: Am Montag, also einen Tag nach der Niederlage gegen Hoffenheim, veröffentlichte die »Bild«-Zeitung das Foto eines Mannes, der seinen HSV-Mitgliedsausweis zerreißt.
 
Den Hass schürt der Fan.
Der müsste Stadionverbot bekommen. Nichtsdestotrotz verfolgen solche Artikel ein klares Kalkül: Die Presse schreibt die Mannschaft nieder, dabei liegt sie eh schon am Boden.

Am Wochenende gegen Hertha wird also alles besser?
Sie haben ja gesehen, dass unsere Aktion ankommt, und ich denke, dass viele Fans am Samstag diesen Positivismus zeigen werden. Ich habe auch die Hoffnung, dass die Presse ab Donnerstag ein bisschen moderater berichten wird – und weniger draufhaut.
 
Typen wie Stefan Effenberg oder Mario Basler fanden so eine Atmosphäre motivierend.
Natürlich gibt es solche Spieler, aber momentan stehen beim HSV viele junge Profis unter Vertrag, Typen wie Jonathan Tah, von dem die »Hamburger Morgenpost« in dieser Woche, wo eh schon alles scheiße läuft, Vertragsdetails veröffentlicht hat. Überschrift: »Dreckiges Spiel«. Der Junge ist 17 Jahre alt! Wie soll der in dieser Atmosphäre noch gut Fußball spielen?
Schimpfen Sie denn nie?
Natürlich schimpfe ich auch mal, und ich ärgere mich tierisch, wenn mein spezieller Freund Heiko Westermann mal wieder einen Fehlpass spielt. Das gehört dazu. Doch die Spieler auspfeifen? Niemals. Das Stadion vorzeitig verlassen? Niemals.
 
Sie sind also gegen Schalke, als sich zehntausende Fans schon in der 50. Minuten auf den Heimweg machten, bis zum Ende geblieben?
Natürlich. Trotz bitterkaltem Ostwind und Minusgraden im zweistelligen Bereich.
 
Herr Braun, Sie sind Gründer des Hamburger Miniatur-Wunderlandes, in dem man die Welt in einem Maßstab 1:87 sehen kann. Steht dort auch das Volksparkstadion?
Natürlich. Es ist immer ausverkauft.
 
Und was passiert, wenn der HSV absteigt? Lassen Sie dann ein paar Plätze frei?
Erstens wird es nicht dazu kommen, zweitens ist das Wunderland – wie der Name schon sagt – das Land der Wunder. Hier gewinnt der HSV immer und hier ist das Stadion immer ausverkauft.

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In einer vorigen Version des Interviews stand, dass die »Hamburger Morgenpost« die Quelle für das o.g. Zitat von Bert van Marwijk war. Tatsächlich stammt das Zitat aus der aktuellen Ausgabe der »Sportbild«, die »Mopo« übernahm es lediglich.

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