17.02.2011

Wie ein Deutscher in Peru Fußballstar werden wollte

Mark Hinze: »Man fühlte sich von mir bedroht«

Viele Südamerikaner versuchen ihr Glück in der Bundesliga. Mark Hinze ging den umgekehrten Weg und wechselte nach Peru. Ein halbes Jahr später spielt er wieder in Deutschland – beim Oberligisten Altona 93. Was ging schief?

Interview: 11Freunde Bild: Privat
Mark Hinze, Sie haben in der Jugend beim FC St. Pauli und zuletzt in der A-Jugend vom HSV gespielt. Im Sommer 2010 entschieden Sie sich für einen Wechsel nach Peru. Warum?

Mark Hinze: Meine Eltern sind Peruaner und ich wollte mehr über meine Herkunft erfahren. Und natürlich gab es die sportlichen Ziele: Ich wollte in Peru fußballerisch durchstarten.



Vor Ihrem Wechsel waren Sie Spieler des HSV.

Mark Hinze: Das stimmt. Ich spielte in der A-Jugend. Weder der HSV noch ich wollten aber meinen auslaufenden Vertrag verlängern.

Wie kam Ihr Wechsel zustande?

Mark Hinze: Bereits 2008 wurde ich in die U20-Nationalmannschaft eingeladen. Ich durfte mittrainieren und sogar ein Freundschaftsspiel machen. Es gab also schon Kontakte. Trotzdem war ich vor diesem Schritt aufgeregt.

Die Angst vor dem Ungewissen?

Mark Hinze: Klar. Auf dem Hinflug hatte ich gemischte Gefühle. Die Menschen in Südamerika sind sehr locker und ich war mir nicht sicher, ob ich dort hinpassen würde. Ich hatte bis dahin nur in Deutschland gelebt und wurde von dieser Kultur geprägt. Trotz aller Bedenken war die Vorfreude riesig.

Bei welchem Verein haben Sie dann gespielt?

Mark Hinze: Meinen Vertrag unterschrieb ich bei Sporting Cristal Lima. Gespielt und trainiert habe ich allerdings für San Martin de Porres, den peruanischen Meister.

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Warum?

Mark Hinze: In Südamerika ist vieles leider nicht so geordnet, wie man das in Deutschland kennt. Genauer gesagt: Es ist völlig chaotisch. Mir wurde immer gesagt, dass etwas mit den Papieren nicht stimmt. Genau verstanden habe ich das aber nicht. Das Ergebnis war, dass ich keine Spielberechtigung bekam. Mir fehlte deshalb ein halbes Jahr Wettkampfpraxis. Außer Freundschaftsspielen und Trainingseinheiten konnte ich nichts machen.

Also war die Zeit ein Flop?

Mark Hinze: Meine Erwartungen waren zu hoch. Peru ist für einen Mitteleuropaer kein einfaches Land. Alles lief nach dem Motto: Wenn ich es heute nicht mache, dann halt morgen. Das kannte ich nicht. Mein Versuch in Peru Fußball zu spielen ist gescheitert. Deshalb bin ich jetzt wieder in Hamburg und spiele für den Oberligisten Altona 93 – ein Neuanfang. Ich würde dennoch nicht von einem Flop sprechen. Es war keine verschenkte Zeit, denn ich habe viel Neues erlebt und gelernt.

Nämlich?

Mark Hinze: Eine neue Kultur und einen andere Art Fußball zu leben. Ein Beispiel: Beim Aufwärmen wurde getanzt und gelacht – das war die pure Lebensfreude. Wir standen im Kreis und haben uns warm gekickt. Wenn man einen Tunnel kassierte, bekam man einen Tritt in den Po. Allerdings alles im Scherz. In Hamburg war das anders.

Wie sah ein normaler Tag in Peru für Sie aus?

Mark Hinze: Wir haben morgens mit der ganzen Mannschaft gefrühstückt. Das war sehr nett und für mich völlig neu. Danach war Entspannung angesagt. Manche haben den Fernseher angeschaltet, andere haben noch ein paar Kraftübungen gemacht. Von 12 Uhr bis circa 15 Uhr war das eigentliche Training: Passtraining, Austraben, Lockern, Spielsituationen oder Zweikampfübungen. Das war ähnlich wie in Deutschland. Aber alles wie immer etwas lockerer.

Das klingt nach dem süßen Profileben.

Mark Hinze: Innerhalb der Mannschaft war es sehr lustig. Aggressivität habe ich aber an anderer Stelle erfahren.

Nämlich?

Mark Hinze: In den Spielen wird sehr viel mit versteckten Fouls gearbeitet. Das war mir neu. Ich muss sagen: Dort ist es noch versauter als bei uns. Ich wurde angespuckt und habe auch mal einen Ellenbogen abbekommen. Das habe ich zwar auch schon in Hamburg erlebt, allerdings nicht in dieser Häufigkeit.

In unserer Bilderstrecke:
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