Wie die Bundesliga gegen den Schwarzmarkt kämpft

»Die Fans müssen boykottieren«

In unserem neuen Bundesliga-Sonderheft berichten wir, wie die Liga gegen den Schwarzmarkt kämpft – vor den Stadien, vor allem aber im Internet. Schalkes Sicherheitschef Volker Fürderer und Rechtsanwalt Sören Siebert im Interview über Mondpreise und dubiose Anbieter. Wie die Bundesliga gegen den Schwarzmarkt kämpft
Heft#117 08/2011
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Volker Fürderer, Sie sind Sicherheitschef auf Schalke. Wie dramatisch ist die Schwarzmarktsituation in Gelsenkirchen?

Volker Fürderer: Wir sind in der Regel bei fast jedem Spiel ausverkauft, ergo werden viele Tickets zu weit überhöhten Preisen auf dem Schwarzmarkt angeboten. Wir haben festgestellt, dass man immer wieder versucht, neue Märkte für den Schwarzmarkt zu erschließen, vor allem im Internet. Und diese Online-Plattformen sind natürlich an einer Zusammenarbeit mit uns nicht interessiert.

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Weil eine Zusammenarbeit nicht möglich ist, begeht auch Schalke 04 den Rechtsweg gegen diese Anbieter. Die Urteile der Verfahren begünstigen allerdings nicht immer den Verein. 2009 wurde ihnen vom Landgericht Essen verboten, Karten mit der Begründung zu sperren, diese seien über ein Internetportal gekauft worden.

Volker Fürderer: Die Gesetzgebung ist leider im Schwarzmarktbereich noch nicht deutlich und lässt somit viele Lücken. Dadurch kann der Schwarzmarkt weiter blühen. Wir weisen unsere Käufer darauf hin, dass es laut AGB verboten ist, Karten zu überhöhten Preisen zu verkaufen.

Manche schreckt das nicht. Sie stellen ihre Karten bei Ebay ein oder geben sie an Dritte weiter. Wie geht der Verein in solchen Fällen vor?

Volker Fürderer: Hauptsächlich unternehmen wir nur etwas gegen überhöhte Angebote. Es kommt dann zu Abmahnungen und Vertragsstrafen. Wir agieren konsequent, aber hören uns auch die einzelnen Fälle an. Es ist wichtig, mit Fingerspitzengefühl zu arbeiten. Wir wollen den Kunden in Gesprächen und Briefen aufzeigen, dass ein Verkauf, sofern man bei einem Spiel verhindert ist, nicht über irgendwelche Internetplattformen vorgenommen werden muss. Tickets können oft unmittelbar vor den Spielen in unserem Ticketshop gekauft werden. Außerdem findet man in unserer S04-Ticketbörse Karten zu regulären Preisen.

Die Personalisierung aller Tickets, also auch von Tageskarten, wird oft als Wundermittel gegen den Schwarzmarkt gepriesen.

Volker Fürderer: Wir verkaufen unsere Tickets schon seit etwa fünf Jahren nur noch personenbezogen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile Vereine, die ihre Karten als Namenspapiere (u.a. Hamburger SV, VfL Wolfsburg, d. Red.) verkaufen. Ob damit das Problem aber endgültig zu lösen ist, muss sich erst noch zeigen.

Schon jetzt bietet die Internetbörse bundesligakarten.de etliche Tickets zu Schalke 04 gegen den BVB an – für ein Derby also, das im April 2012 stattfindet und bei dem noch nicht mal der genaue Tag terminiert ist. Die Preise fangen bei 169 Euro an.

Volker Fürderer: Das Problem liegt beim Käufer, der leider bereit ist, zu diesen Preisen zu kaufen. Wir weisen unsere Fans immer wieder darauf hin, dass diese Karten überteuert sind und oftmals keinen Zutritt in das Stadion ermöglichen. Nur durch die permanente Aufklärung unserer Fans ist eine Bekämpfung des Schwarzmarktes möglich. Das bedeutet natürlich auch, dass die Fans die entsprechenden Plattformen boykottieren müssen.

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Auf der nächsten Seite: Rechtsanwalt Sören Siebert über die rechtlichen Grauzonen beim Onlinehandel und verschiedene Varianten beim Ticketkauf.
Sören Siebert, beim Thema Schwarzmarkt wird immer wieder ein wegweisendes Urteil vom Bundesgerichtshof zitiert. Ohne sich im Juristendeutsch zu verlieren: Warum war besagter Richterspruch ein Dämpfer für die Vereine?

Sören Siebert: Das BGH-Urteil hat klargemacht, dass die Vereine den Weiterverkauf durch Privatpersonen nicht generell per AGB einschränken können. Fußballfans, die ihre Karte zu privaten Zwecken erworben haben, können diese auch wieder verkaufen – egal, was die Vereine dazu in ihren AGBs schreiben.

Es geht also immer um die Unterscheidung zwischen privatem und gewerblichem Verkauf. Eine Trennlinie zu ziehen, ist da schwer. Spielen wir doch einfach mal verschiedene Szenarien durch. Variante 1: Ein privater Käufer verkauft sein Ticket an einen anderen privaten Käufer.

Sören Siebert: Erlaubt.

Variante 2: Ein gewerblicher Käufer kauft die Karte direkt beim Veranstalter, also beim Verein, um sie später weiterzuverkaufen.

Sören Siebert: Das ist nicht erlaubt, weil er sich durch den direkten Ankauf beim Klub an dessen AGB-Klauseln bindet, die den gewerblichen Weiterverkauf untersagen.

Dritte und letzte Variante: Ein privater Käufer kauft seine Karte beim Verein und gibt sie dann erst an einen gewerblichen Verkäufer weiter.

Sören Siebert: Das ist – noch – erlaubt, weil ein generelles Verbot des Weiterverkaufs für Privatpersonen in den AGB nicht zulässig ist.

Plattformen wie bundesligakarten.de machen sich diese Rechtsprechung zu Nutze. Noch dazu ist die Börse in Amsterdam registriert. Wird so eine Drohkulisse aufgebaut, die den kleinen Fan bei etwaigen Forderungen schrecken soll?

Sören Siebert: Es geht hier um wettbewerbsrechtliche oder zivilrechtliche Ansprüche wie etwa Unterlassung oder Schadensersatz. Auch für ein niederländisches Unternehmen ist das deutsche Recht anwendbar, wenn sich das Unternehmen auf dem deutschen Markt betätigt. Und innerhalb der EU ist die Vollstreckung von Urteilen nicht sehr viel aufwändiger aus in Deutschland. Ein Unternehmenssitz im EU-Ausland schützt also nicht vor rechtlichen Auseinandersetzungen.

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Rechtsanwalt Sören Siebert hat sich auf Internetrecht spezialisiert und ist Betreiber des Portals www.e-Recht24.de. Er hat mehrfach zum Thema Schwarzmarkt publiziert.

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