Wie der bayerische Fußballverband seine Amateurklubs schröpft

»So viele Bratwürste können wir gar nicht verkaufen«

»Unsere Amateure – Echte Profis« mit dieser Kampagne wollte der DFB eigentlich die ehrenamtlichen Mitarbeiter zahlreicher Amateurklubs ins Rampenlicht rücken. Dabei verzweifeln immer mehr Vereine an den Auflagen der Verbände – und kämpfen ums Überleben. Ein Hilferuf aus Bayern.

Robert Eckerl, am Wochenende spielt Ihr Klub SC Kirchheim in der Landesliga Bayern Südost gegen den SE Freising. Wissen Sie schon, wer den Liveticker zu diesem Spiel machen wird?
Das können wir bestenfalls kurzfristig entscheiden. Meistens macht das unser Abteilungsleiter Christian Boche. Wenn er mal nicht kann, springt jemand anders ein. Hoffentlich zumindest.

Der Bayerische Fußball Verband (BFV) verpflichtete jüngst alle Amateurklubs ab der Bezirksliga auf der Homepage des Verbandes einen Liveticker seiner Heimspiele zur Verfügung zu stellen.
Und wer das nicht macht, bekommt gegen ein Entgelt von 30 Euro eine Person vom Verband gestellt, die den Liveticker erstellt. Wir sind von dieser Maßnahme bisher verschont geblieben, weil wir das noch immer selbst erledigen konnten. Manch einer hat sogar Spaß daran, andere wiederum sind alles andere als begeistert, wenn sie diese Aufgabe übernehmen müssen. Aber es ist nicht immer einfach, überhaupt jemanden für diese Aufgabe zu finden, der tickern will.

Wie sinnvoll ist diese Maßnahme?
Der BFV hat etwas beschlossen, sich aber keine Gedanken, gemacht, wie die Vereine es bewältigen können. Vielen Vereine fehlt es doch ohnehin schon an ehrenamtlichen Helfern.

Der Verband verkauft diese Idee als Service, aus Vereinssicht klingt das jedoch eher als Strafe.
Die Idee ist nicht schlecht, aber manche Klubs haben ohnehin zu wenig Leute im Verein, die mit anpacken. Und nun braucht man pro Spieltag noch jemanden, um einen Liveticker garantieren zu können. Das ist nicht einfach.

Um es mal zu verdeutlichen: Wieviele Bratwürste müsste Ihr Klub verkaufen, um die 30 Euro zu refinanzieren?
Ganz ehrlich, so viele Bratwürste könnten wir gar nicht verkaufen. Leider kommen zu unseren Heimspielen selten mehr wie 150 Zuschauer. Das liegt natürlich vor allem an der Region. In unserem unmittelbaren Umkreis spielen mehrere Regional– , Bayern– und weitere Landesligisten. Zudem spielen ja auch die beiden Bundesligen mittlerweile auch über den ganzen Sonntag verteilt.  Das ist große Konkurrenz für einen Verein wie uns.

Ziel des Verbandes ist, seine eigene Internetpräsenz stärker auszubauen.
Das macht Sinn, auch ich nutze die BFV-Website. Der Ergebnis-Dienst ist gut, außerdem können wir die Spielberichte online abschicken, eine große Erleichterung. Darüber hinaus nutze ich Seiten wie FuPa.net und Fußball-vorort.de, die noch näher an der Basis dran sind und sich im Amateursport großer Beliebtheit erfreuen.


Jüngst präsentierte der DFB noch die Kampagne »Unsere Amateure, echte Profis«, welches den Amateursport stärker in den Fokus rücken sollte. Haben Sie davon bisher irgendetwas gemerkt?
Ich finde es unfassbar, wie viel Geld heute im Profifußball umgesetzt wird. Doch an der Basis ist davon so gut wie nichts zu spüren. Die regionalen Sponsoren ziehen sich teilweise zurück, einen Großteil der Ausgaben müssen wir mittlerweile selbst erwirtschaften. Aber ohne Sponsoren kommen wir nicht weiter.

Haben Sie beim Verband mal direkt um Unterstützung gebeten?
Wir haben zu wenig Fläche und bräuchten noch einen weiteren Fußballplatz, daher habe ich vor einiger Zeit mal beim Verband angefragt, ob wir vom Bayerischen Fußball Verband Unterstützung bekommen könnten. Wir erwarten ja keine Unsummen, aber es muss doch möglich sein, dass auch etwas bei denen ankommt, die immer als Basis des deutschen Fußballs dargestellt werden. Auf eine Antwort warte ich heute noch.

Dabei könnte man vermuten, dass der Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft positive Auswirkungen auf die Amateurklubs gehabt haben könnte?
Die gibt es auch. Vor allem bei den Kindern spüren wir einen enormen Zulauf. Das macht Hoffnung. Aber wenn der Verband die Amateure unterstützen will, muss er in die Vereine gehen. Das Stützpunkttraining hilft kleinen Klubs wie uns nicht weiter. Das dient allenfalls den größeren Klubs. Uns wäre schon geholfen, wenn man zum Beispiel die ehrenamtlichen Trainer in den Vereinen sinnvoll und kostengünstig weiterbilden würde. Aber davon sind wir weit entfernt.

Beginnt man da nicht langsam zu resignieren.
Natürlich. Unsere Sponsoren bleiben aus, auch die Mitgliederzahlen stagnieren. Und das nicht nur bei uns. Wenn es so weiter geht, wird es eng.

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