Wie aus einem Fußballprofi der Pornostar Stany Falcone wurde

»Er ist ein Held!«

Eher zufällig erfuhr der Journalist David Monami 2011 von der Porno-Karriere des ehemaligen Fußballprofis Jonathan de Falco. Er stellte eine Interviewanfrage – und De Falco sagte überraschend zu.

Nick Hannes
Heft: #
149

David Monami, wann haben Sie Jonathan de Falco zum ersten Mal gesehen?
Ich habe ihn vor ein paar Jahren auf der »Le You« getroffen, einer sehr populären Gay-Party in Belgien. Damals war er noch Fußballprofi, allerdings wusste ich das nicht, jedenfalls nicht offiziell. (Lacht.) Denn wie es so ist bei solchen Partys: Die Leute lieben Klatsch und Tratsch. Es dauerte gerade mal vier Minuten, bis mir jemand Jonathans Geheimnis verriet.
 
Wie haben Sie ihn auf dieser Party in Erinnerung?
Er war freundlich, allerdings auch sehr schüchtern. Man hat gemerkt, dass er sich nicht sonderlich wohl fühlte. Er war nicht in seiner bekannten Umgebung. Man hat sofort gesehen, dass er noch mit sich und seiner Sexualität gerungen hat.
 
Was haben Sie gedacht, als Sie erfahren haben, dass er Fußballprofi ist?
Dass es für ihn ein großes Risiko sein muss, auf diese Party zu kommen. Allerdings betrachtete ich die Sache – so ehrlich muss ich sein – auch aus einer beruflichen Perspektive: Für mich als Journalist war das eine sehr interessante Story. Also setzte ich mich schon einen Tag nach unserem Treffen an den Computer und googelte seinen Namen.
 
Sie hatten also vor, über ihn zu berichten?
Nein. Jedenfalls nicht ohne sein Einverständnis. Wir outen keine Menschen, ohne dass wir ihr Okay haben. Ich hatte ihm auf  der Party meine Telefonnummer gegeben, in der Hoffnung, dass er sich melden würde. Doch er rief nie an.
 
Trotzdem haben Sie einige Monate später das erste Interview für die Szene-Zeitschrift »Labels« mit ihm gemacht. Wie kamen Sie wieder in Kontakt?
Ich hatte eher zufällig herausgefunden, dass Jonathan in der Zwischenzeit Pornostar geworden war. Alles fing an auf einer Art Gay-Kreuzfahrt im Jahr 2011, an der wir beide teilnahmen. Wir haben uns damals jeden Tag auf dem Boot gesehen und verbrachten eine gute Zeit. Als die Tour vorbei war, blieben einige Freunde und ich noch ein paar Tage in Athen, wo das Schiff vor Anker ging. In einer Bar blätterte ich durch ein Magazin, und dort erblickte ich ein Foto von Jonathan, auf dem er halbnackt posierte. Darunter stand der Satz: »Live-Show von Pornostar Stany Falcone«. Ich war schockiert und überrascht. Und ich wusste: Jetzt gibt es für ihn keinen Weg zurück! Er war eine öffentliche homosexuelle Person geworden, und es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis es jeder wusste. Ich fühlte mit einem Mal, dass es okay für mich wäre, über den Fußballprofi zu schreiben, der zum Pornostar wurde.
 
Sie fragten aber dennoch bei De Falco nach.
Natürlich. Allerdings erwarteten wir eine Absage. Zu meiner Überraschung sagte er aber: »Ich bin bereit!« Er hatte zu dem Zeitpunkt schon ein Interview für das französische Magazin »Têtu« gegeben, dort allerdings nicht über seine Fußballkarriere gesprochen.
 
Sie wollten aber die ganze Story. Warum?
Weil sie groß war. Und weil sie auch wichtig für Jonathan war: Er hatte sich und seinen Mitmenschen so lange etwas vorgespielt, er musste für viele Jahre ein unfassbar schweres Geheimnis für sich behalten. Das wollte er nicht mehr. Er wollte die komplette Wahrheit.
 
War er beim Interview immer noch der schüchterne Junge von der Party?
Wir trafen uns in dem berühmten Brüsseler Schwulen-Café »Le Fontainas«. Jonathan war total gelöst, überhaupt nicht nervös oder schüchtern. Er sagte: »Ich bin auf einer Mission.«
 
Was wollte er damit sagen?
Er wusste, dass dieses Interview in »Labels« vieles verändern würde. Er würde anderen Medien – der Boulevard-Presse, den TV-Sendern, internationalen Magazinen – seine Geschichte erzählen. Er hatte zugleich die Chance, die Leute für das Thema Homosexualität im Fußball zu sensibilisieren. Und so kam es ja auch. Die Meldung schlug ein wie eine Bombe.
Wie waren die Reaktionen der etablierten Medien?
Einer der führenden belgischen Journalisten schrieb eine Kolumne, in der er den Mut von Jonathan de Falco lobte. Auch Politiker und der Fußballverband diskutierten das Thema und entwarfen sogar einen Plan gegen Homophobie im Fußball.
 
Wie kam Jonathan de Falco mit dieser Medienlawine klar?
Es gab Berichte in den USA, in Australien oder Frankreich. Es war ein paar Wochen wirklich groß. Doch Jonathan hatte sich gut darauf vorbereitet. Er hatte seine Familie und seine Freunde informiert und ging sehr professionell mit der Situation an.
 
Wie bewerten Sie den Schritt?
Wir alle wissen, wie schwierig ein Coming-out für einen homosexuellen Fußballer ist. Dazu gehört eine Menge Mut. Jonathan ist nichts anderes als ein Held für mich.
 
Wenn man so will, hatte Jonathan de Falco zwei Coming-outs. Er machte seine Homosexualität und seine Erotik-Karriere öffentlich. Können Sie uns erklären, wie wurde aus dem schüchternen Jungen ein Pornostar wurde?
Es gibt tatsächlich einen großen Unterschied zwischen dem Jonathan im »Le You« und dem heutigen Jonathan. Vielleicht liegt es daran, weil es heute keine Geheimnisse mehr in seinem Leben gibt. Ich glaube jedenfalls, dass sich jeder Mensch auch ein stückweit durch seine Geheimnisse definiert – und manchmal kann das unser Inneres zerstören. Jonathan erzählte mir in dem Interview zum Beisiel, dass er sicherlich ein besserer Fußballer gewesen wäre, wenn er nicht ständig diese Last mit sich herumgetragen hätte. Heute hingegen kann er selbstbewusst auftreten, denn er ist stolz auf das, was er tut.
 
Doch auch heute wirkt er zum Teil noch schüchtern.
Trotzdem kann man narzisstisch sein. Trotzdem kann man Aufmerksamkeit lieben. Glauben Sie mir: Es gibt wenige Menschen, die das Rampenlicht so sehr lieben wie Jonathan. Und das meine ich nur positiv.
 
Und deswegen Porno?
Tja, warum dreht jemand Pornos? Die Leute mögen Sex, sie sind horny und sehen heiß aus. All das trifft auf Jonathan zu. Zudem haben ihm vermutlich der Applaus und die Aufmerksamkeit der Fans gefehlt. Als Pornostar wurde er angehimmelt und verehrt. Ich bin mir daher sicher, dass er den Schritt vom Fußball- zum Pornogeschäft nicht so groß angesehen hat wie andere.
 
Dennoch hat er das Porno-Geschäft wieder verlassen. Wieso?
Weil Jonathan noch mehr ist. Er ist auch ein Geschäftsmann. Ein zuvorkommender und hilfsbereiter Mensch. Einer, mit dem man gerne zusammenarbeitet. Glauben Sie mir: Er denkt nicht nur mit seinem Penis. Er hat einen Plan.

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In 11FREUNDE #149: »Le Cock Sportif«, wie aus einem belgischen Zweitligaprofi Jonathan de Falco der international bekannte Pornostar Stany Falcone wurde. Jetzt am Kiosk und im App-Store.
Jonathan de Falco ist mittlerweile wieder aus dem Pornogeschäft ausgestiegen. Er veranstaltet heute Partys und hat einen Massage-Salon. Außerdem vertreibt er eine Unterwäschekollektion über stany-falcone.com. Aus dieser verlosen wir an dieser Stelle drei Unterhemden. Schickt einfach eine Mail mit eurer Adresse, eurer Größe und dem Betreff »Stany« an online@11freunde.de. Einsendeschluss ist Sonntag, der 30. März, um 12 Uhr.

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