04.05.2014

Wie ähnlich sind sich Fußball und Musik, Achim Mentzel?

»Zu viel Pop tut dem Fußball nicht gut«

Er ist die Stimme des Ostens - im Festzelt und im Stadion. Wir sprachen mit Schlagerbarde Achim Mentzel über perfekte Fanhymnen, verhasste VIPs und Erdmännchen in Fußballtrikots.

Interview: Alex Raack Bild: Norman Konrad

Achim Mentzel, wie viel Pop steckt denn nun wirklich im Fußball?
Pop ist vor allem eines: Show. Und Fußball ist längst auch Show – aber glücklicherweise nur in Teilen. Weißt du, wovor ich große Angst habe? Dass eines Tages beim Fußball Zustände wie beim Eishockey herrschen: Jede freie Minute wird mit Musik ausgefüllt, jede freie Sekunde wird auf unerträgliche Art und Weise zur Show.

Und wenn es Ihre Musik wäre, die man dann zu hören bekäme?
Scheißegal! Ich will das nicht. Zu viel Pop tut dem Fußball nicht gut.

Sie sagen: Fußball ist zum Teil zur Show geworden. Worin unterscheidet sich der Besuch eines Fußballspiels noch von Ihren Konzerten?
Im Grunde ist es doch dasselbe: Die Leute zahlen Kohle – und wollen dafür gefälligst auch unterhalten werden.

Wie sieht die perfekte Show denn aus?
Vor allem professionell. Ausgedacht von vorne bis hinten. Wie vom Drehbuch diktiert.

Aber ist das nicht gerade das Schöne am Fußball, dass sich das Spiel nicht planen lässt?
Wenn der Ball rollt, dann ist das Spiel anarchisch. Aber der Rest ist doch längst perfekte Show. Immer das gleiche Ritual! Ein Stadion, Mannschaften laufen ein, die Menschen klatschen, Mannschaften singen Nationalhymnen, Mannschaften überreichen Wimpel usw. Und dann die Musik! Du kannst ja heute in kein Stadion der Welt gehen, ohne beschallt zu werden. Musik ohne Ende. Bis die Leute aufstehen und tanzen. Wie in einem Tanztheater. Das ist alles inszeniert. Ja, Fußball ist Showgeschäft.

Geht die Show denn nach dem Schlusspfiff weiter?
Finde ich nicht. Wenn die Zuschauer den Saal verlassen, die Bühne abgebaut und das Licht aus ist – dann ist die Show auch vorbei.

Sie sind 1946 geboren und waren als junger Kerl in der DDR ein hoffnungsvolles Fußballtalent. Wie viel Pop war das?
Pop? Das war zunächst mal Fußball in Reinform! Ich spielte bei Vorwärts Berlin und für die Berliner Juniorenauswahl. Zumindest genoss ich die Privilegien, quer durchs Land zu den Spielen kutschiert zu werden und auch mal gegen internationale Mannschaften antreten zu dürfen. Die Show hob ich mir für die Busfahrten auf.

Erzählen Sie!
Das war schon in der Schule so: Die letzten fünf Minuten der Musikstunde gehörten immer mir. Der Lehrer sagte: »Achim, jetzt du!« Ich griff mir also die Gitarre und sang die neuesten West-Schlager! Auf den Fahrten zu den Spielen oder in den Jugendherbergen, in denen wir untergebracht waren, war es ähnlich: »Achim, sing mal!«, hieß es da. Und ich unterhielt meine Mitspieler mit den Beatles und den Rolling Stones.

Warum reichte es bei Ihnen nicht zum bezahlten Fußballer?
Gut genug war ich ja. Doch dann wurde aus Vorwärts Berlin Vorwärts Frankfurt. Man bot mir einen Platz im Kader der Herrenmannschaft an, aber dafür hätte ich erstens nach Frankfurt/Oder ziehen und zweitens Armeemitglied werden müssen. Ich besprach das mit meiner Familie. Der Rat meines Vater gab schließlich den Ausschlag: »Junge, mit Musik kannst du viel länger Geld verdienen.« Wie Recht er hatte! Ich wechselte also zu Empor Berlin und arbeitete nebenher an meiner Karriere als Musiker.

Sie waren Libero. Welche Fähigkeiten als Fußballer konnten Sie auch auf der Bühne nutzen?
Den Blick für den Raum! Ich kann bis heute in der ersten Minute erkennen, wie das Publikum tickt. Geht es gleich voll mit? Oder muss ich mich bei den ersten zehn Reihen besonders anstrengen, um sie in Stimmung zu bringen?

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