23.10.2009

Westfalia-Fan Bernd Faust im Interview

»Wir gehen vor die Hunde«

Heute Abend um 17 Uhr startet vor dem Stadion von Westfalia Herne eine außergewöhnliche Aktion. Um auf die Missstände im Verein, der kurz vor der Pleite steht, hinzuweisen, halten Fans eine Mahnwache ab. Wir haben mit einem gesprochen.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Westfalia-Fan Bernd Faust im Interview
Bernd Faust, in wenigen Minuten halten Sie gemeinsam mit anderen Fans eine Mahnwache vor dem Haupteingang des Stadions von Westfalia Herne ab. Wieso?

Der Verein steht kurz vor der Insolvenz und damit vor dem Kollaps. Uns drücken Verbindlichkeiten im sechsstelligen Bereich, monatlich kommen 20.000 Euro dazu. Herne und der gesamte Amateursport gehen durch die ganzen falschen Entwicklungen vor die Hunde, wenn nicht reagiert wird.



Was meinen Sie mit »falsche Entwicklungen«?

Da kommt sehr viel zusammen. Angefangen bei den Missständen im Verein, den neuen Anstoßzeiten in der Bundesliga, die uns Fans und damit wichtige Eintrittsgelder kosten, die Wirtschaftskrise, die es vielen Menschen möglicherweise nicht mehr möglich macht am Wochenende zehn Euro für Westfalia auszugeben. Außerdem irritiert mich die Tatsache, dass gleichzeitig mehr 200 Millionen Euro für die Kulturstadt Herne ausgegeben werden, aber keine müde Mark in die bestehende Fußball-Kultur – und das ist nun einmal Westfalia – gepumpt wird. Das kann nicht sein.  

Und deshalb stehen Sie heute vor dem Stadion in Herne?


Ganz genau. Ganz klassisch mit brennenden Tonnen und einem »Speakers Corner«, den jeder, der Lust hat, als Podium nutzen darf und soll. Wir erwarten etwas 200-250 Leute. Zusätzlich werden einige Medien vor Ort sein, sodass wir die Mahnwache als ideale Plattform nutzen können, um auf die Probleme im Verein hinzuweisen.  

Der Vorstand von Westfalia sprach davon notfalls freiwillig zwei Klassen runter zu gehen, um die drohende Auflösung des Vereins zu verhindern...


Das ist – bei aller Liebe – der völlig falsche Ansatz. Wir spielen doch jetzt schon lediglich in der NRW-Liga (Fünfte Liga, d. Red.). Und bei uns im Ruhrgebiet, bei uns als Fußballfans will doch keiner kampflos absteigen! Sollte das sportlich der Fall sein – OK. Aber einfach so ohne Gegenwehr nach unten sinken: Auf keinen Fall. Welcher Fan will seinen Verein denn einfach so untergehen sehen.  

Sie haben in einem Rundbrief an die Medien einen flammenden Appell gehalten, um auf die Dramatik der Situation hinzuweisen. Können Sie den für unsere Leser nochmals wiederholen?

Na klar: Die entzündeten Fackeln, das Trommeln auf den Basstrommeln und die Flammen, die aus den Stahlfässern lodern, sind vielleicht das letzte Geleit für den einstigen Traditionsclub aus Herne – dem schlafenden Riesen – der vielleicht für immer einschläft. Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.«  

Viel Erfolg heute Abend.

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