23.01.2014

Werner Spinner über den neuen FC, Peter Stöger und einen Supergau

»Ich habe keine Ahnung vom Fußball«

Als Werner Spinner Präsident des 1. FC Köln wurde, lag der Klub wirtschaftlich und sportlich wieder mal am Boden. Seitdem arbeitet der 65-Jährige intensiv daran, den FC von seinem Chaos-Image zu befreien. Ergänzend zur aktuellen Heft-Reportage »Die neue S-Klasse« sprachen wir mit ihm über einen Supergau, Personal-Entscheidungen und eine wichtige Unterhaltung mit Uli Hoeneß.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Werner Spinner, täuscht der Eindruck oder ist die Stimmung beim FC aktuell so gut wie lange nicht?
Im Moment ist alles sehr ruhig für Kölner Verhältnisse, fast paradiesisch. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass viele Probleme, die wir übernommen haben, noch nicht gelöst sind.
 
Was brennt am meisten auf den Nägeln?
Wir haben nach wie vor mehr als 30 Millionen Euro Schulden. Und aufgestiegen sind wir auch noch nicht.

Sie wurden im April 2012 zum FC-Präsidenten gewählt. Wie stellte sich Ihnen die Situation bei Amtsübernahme dar?
Wir hatten Spieler, die sich außerhalb des Platzes daneben benahmen, wir hatten ständig Interna in den Medien, wir hatten ein Handgemenge auf einer Mitgliederversammlung, bei der  die »FC-Charta«, ein Wertekodex, verabschiedet wurde. Die wirtschaftliche Situation war gefährlich, die sportliche auch, und unsere Außendarstellung war schlecht.

Und nach all dem übernahmen Sie die Amtsgeschäfte.
Ich bin da vielleicht etwas gutgläubig reingegangen, aber ich bin Kölner, war immer Fan dieses Vereins. Da ich aus der Wirtschaft komme, habe ich eher auf diesen Bereich mein Augenmerk gelegt. Von der Fanproblematik wusste ich so gut wie nichts. Vor meiner Kandidatur bezog ich mein Wissen über den FC ausschließlich aus den veröffentlichten Informationen. Auch über die Höhe der Schulden war ich nicht im Bilde.
 
Aber Sie müssen sich doch vorab ein Bild der wirtschaftlichen Lage gemacht haben.
Es hieß verständlicherweise immer, man könne mir keine Interna geben, ehe wir nicht gewählt sind. Mir wurde erst nach und nach klar, dass die wirtschaftliche Situation dieses Vereins grauenvoll ist. Ohne die Anleihe, die wir aufgelegt haben und die 12,5 Millionen Euro gebracht hat, hätte uns vielleicht sogar die Insolvenz gedroht.
 
Und dann war da noch der chaotische letzte Spieltag der Saison im Mai 2012.
Da stand ich als im Profi-Fußball komplett neuer Präsident oben auf der Tribüne, fassungslos, und sah den Platzsturm, die Polizei und die Sicherheitskräfte auf dem Rasen. Unser damaliger Geschäftsführer stand neben mir und sagte: »Das ist der Supergau.«
 
Wie verhält man sich in so einer Situation als Verantwortlicher?
Ich habe mich anschließend mit meinen Vorstandskollegen voll reingehängt in die Aufgabe. Aus dem Ehrenamt wurde bald ein Fulltimejob. Das war sehr anstrengend, zumal ich wusste: Vom Fußball habe ich keine Ahnung.

Damit kokettieren viele Vereinsbosse, halten sich aber trotzdem nicht raus.
Sorry, ich bin 65 Jahre alt und habe zumindest dieses Körnchen Weisheit, was Selbsterkenntnis angeht. Nochmal zum Mitschreiben: Ich habe keine Ahnung vom Fußball. Aber ich kann mit Zahlen umgehen und habe ein gutes Gespür für die richtige Auswahl von Menschen. Unsere Aufgabe als Vorstand ist es, Leute zu suchen, die etwas davon verstehen und verantwortungsvoll arbeiten. Der Sportdirektor war weg, der Trainer war weg, die Geschäftsführung hat ihren Vertrag nicht verlängert. Also haben wir uns auf die Suche nach neuen Leuten gemacht.

Wenn Sie keine Ahnung vom Fußball haben, wie hat sich Ihnen die sportliche Situation beim Abstieg 2012 dargestellt?
Nach Gesprächen mit ein paar Leuten im Klub war mir klar, dass das, was während der Saison auf dem Platz gestanden hatte, keine Mannschaft war. Es war im Wesentlichen eine Zusammenführung von Ich-AGs, die ziemlich gutes Geld verdienten. Und von denen einige in der Rückrunde 2011/12 durch ihre Leistungen leider ihren Marktwert gen Null gespielt haben.

Harte Worte.
Wenn man für seinen Kader 34 Millionen Euro zur Verfügung hat, darf man nicht absteigen. Als alle ausgeliehenen Spieler zurück waren, hatten wir einen Kader mit über 40 Spielern. Viel zu viel. Und die Vertragssituation war auch nicht besonders ermutigend. Wir mussten bis Saisonbeginn 2012 eine neue Mannschaft aufbauen und dabei unbedingt Spieler loswerden. Das war nicht einfach. Es war schwer, Spieler zu verleihen, weil sie zum Teil Gehälter bekamen, die kein Verein bezahlen wollte. Wir haben eine Reihe von Abfindungen zahlen müssen.

Welche Abfindung hat Sie am meisten geschmerzt?
Da will ich keinen einzelnen Fälle herausheben.
 
Mit Holger Stanislawski hatten Sie bald nach dem Abstieg 2012 einen neuen Trainer. Offen blieb jedoch fast ein Jahr lang die Frage nach dem neuen FC-Sportdirektor.
Ich nutzte beim letzten Saisonspiel 2011/12 gegen den FC Bayern München die Gelegenheit und sagte beim Essen zu Uli Hoeneß: »Ich bin ein Grundschüler in Sachen Fußball. Geben Sie mir einen Rat, wen soll ich als Geschäftsführer Sport einstellen?« Da antwortete Hoeneß: »Es gibt nur drei oder vier gute Manager. Einer davon heißt Jörg Schmadtke.« Leider ist das damals nicht zu Stande gekommen.
 
Stattdessen holten Sie Schmadtkes rechte Hand: Jörg Jakobs.
Wir hatten mitbekommen, dass er in Köln wohnt und sein Vertrag Ende Juni 2012 auslief. Das war eine der wichtigsten Akquisitionen. Mit Herrn Jakobs kann ich als Ungelernter sehr gut reden und auch verstehen, worum es geht.

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