03.02.2009

Werner Lorant im Interview

»Ich trage keine Moonboots«

Weil man ihm in der bayrischen Bezirksliga das Rauchen verbot, geht Werner Lorant ins slowakische Exil. Hier ein Interview aus seiner Unterhachinger Zeit, das zeigt, wen Deutschland da verliert.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: imago
Werner Lorant im Interview

Nun haben Sie die neue Aufgabe in Unterhaching angenommen. Ist sie für Sie als Löwen-Mitglied ein Spagat?

Natürlich schlägt mein Herz immer noch für die Löwen, das ist doch ganz normal. Genauso wie für Rot-Weiß Essen, Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Schweinfurt, Aschaffenburg und all die anderen Vereine, für die ich gearbeitet habe. Ich kann dort immer wieder hingehen, und alle freuen sich. Aber im Fußball zählt nur die Gegenwart, alles andere muss man abhaken. Jetzt schlägt mein Herz für Unterhaching. Wenn der Verein auch klein ist, er ist sehr gut organisiert und erfüllt alle Ansprüche. Nur das i-Tüpfelchen muss jetzt noch hinzukommen: der sportliche Erfolg, der Klassenerhalt.

Wie lernen Sie denn eine Mannschaft kennen? Lassen Sie sich informieren, oder machen Sie sich lieber selbst ein Bild?

Ich lasse mich nicht von Dritten informieren. Ich bin sowieso im Bilde, auch wenn ich im Ausland gearbeitet habe. Man darf sich nicht viel erzählen lassen, man muss sich das selbst anschauen – auch wenn man kurzfristig einen Verein übernimmt und nicht sehr viel Zeit hat.

Wie haben Sie die Mannschaft im ersten Moment angesprochen?

Ich habe den Jungs erklärt, was sie tun müssen, um mindestens Fünftletzter zu werden. Nämlich arbeiten.

Eine Ihrer ersten Maßnahmen war das Mützenverbot beim Training.

Es kann doch nicht angehen, dass die Jungs im Frühling Mützen tragen! So kalt ist es in Deutschland nicht. Das ist alles nur Show. Man kann auch nicht mit einer Mütze spielen, wenn es um Punkte geht. Dann bleibt der Kopf auch kalt.

So konnten Sie gleich ein Zeichen setzen.

Es geht nicht um Zeichen. Mützen gibt’s bei mir nicht. Ich selbst stehe nur am Rand und kann mich nicht bewegen, weil ich die Jungs beobachte. Ganz selten trage ich mal Handschuhe, weil ich aus meiner Kindheit noch weiß, wie weh kalte Finger tun können. Aber ich trage auch immer Fußballschuhe – und keine Moonboots. Und nie eine Mütze.

Ihr Kollege Jörg Berger meint, dass ein Trainer eigentlich sagen könne, was er will. Das Selbstvertrauen müssten sich die Spieler auf dem Platz holen.

Berger hat nicht ganz Recht. Natürlich holen sie sich das Selbstvertrauen auf dem Platz.
Aber ich muss die Spieler antreiben und verhindern, dass sie sich verstecken. Wer es trotzdem tut, findet sich auf der Tribüne wieder. Hier in Unterhaching haben bislang aber alle gut mitgezogen.

Suchen Sie in einer solchen Situation auch einmal das Einzelgespräch?

Es gibt Spieler, mit denen kann man tagelang sprechen, und es bringt nichts. Andere brauchen Streicheleinheiten, wieder andere eine extreme Ansprache, die sie motiviert.

Es kann verschiedene Gründe haben, warum Spieler in eine Formkrise geraten. Interessieren Sie sich für die privaten Umstände Ihrer Spieler?

Wie gesagt: Wenn ein Spieler mit mir reden möchte, kann er an meine Tür klopfen. Ich habe hier einen wunderschönen Raum. Wenn sein Kind krank ist und er deshalb morgen lieber zu Hause bleiben möchte – gar kein Problem. Aber mich belügen darf keiner! Wenn einer verschlafen hat, kriegt er seine Extraportion Training, und die Sache ist gegessen. Wenn er aber sagt: „Trainer, ich stand im Stau“, und ich bin dieselbe Strecke gefahren und weiß, da war gar kein Stau, dann lernt er mich kennen.

Trotz aller Maßnahmen ging das erste Spiel in Ihrer Amtszeit mit 1:4 gegen Burghausen verloren.

Das ist bei mir immer so. Mit dem neuen Verein verliere ich immer das erste Spiel. Natürlich ärgert mich das, aber ich habe das Potenzial der Mannschaft erkannt. Und deshalb hatte ich Hoffnung.

Zu Recht. Es folgten ein Remis und zwei Siege. Doch das Restprogramm ist hart: Sie müssen gegen Fürth, 1860, den KSC und Hansa Rostock antreten.

Ja, ist doch wunderbar! Das sind vier Finalspiele für uns. Wir haben sehr großen Respekt, aber keine Angst.

Mit welchem Gefühl fahren Sie zum Spiel gegen 1860?

Das kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Ich freue mich, in diesem schönen Stadion mal nicht nur auf der Tribüne zu sitzen, sondern unten als Trainer zu stehen. Nur was nutzt das, wenn das Ergebnis nicht stimmt?

Wenn der Klassenerhalt gelingen sollte, was sind dann ihre mittelfristigen Ziele als Trainer in Unterhaching?

Das weiß ich nicht. Ich habe noch genug Ehrgeiz, etwas zu erreichen. Entweder hier oder woanders. Aber ich bin kein junger Trainer mehr und mache mir keinen Stress. Ich brauche keine Verträge über mehrere Jahre mehr. Das ist das, was ich in 10 Jahren bei 1860 gelernt habe: Wenn du dran bist, schmeißen sie dich eh’ raus.

Apropos junge Trainer, Herr Lorant: Fühlen Sie sich manchmal wie ein Fossil in Mitten der neuen Trainergeneration?

Das interessiert mich nicht. Für mich ist es entscheidend, dass ich in den Spiegel gucke und weiß, dass ich Spaß an meinem Beruf habe. Und wirklich: Ich habe unheimlich viel Spaß.


 

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