03.02.2009

Werner Lorant im Interview

»Ich trage keine Moonboots«

Weil man ihm in der bayrischen Bezirksliga das Rauchen verbot, geht Werner Lorant ins slowakische Exil. Hier ein Interview aus seiner Unterhachinger Zeit, das zeigt, wen Deutschland da verliert.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: imago
Werner Lorant im Interview
Worin entspricht die öffentliche Person Werner Lorant dem Privatmenschen?

Privat bin ich ganz anders, viel entspannter. Im Job muss ich Leistung bringen und erwarten – für den Verein, der mir das Vertrauen gegeben hat. Ich muss etwas zurückgeben, so funktioniert mein Job. Es ist das Schlimmste im Leben, wenn man Menschen enttäuscht.

Einige ihrer Kollegen sagen von sich, sie dächten ununterbrochen an den Fußball. Ottmar Hitzfeld äußerte vor kurzem sogar Sorgen um seine Gesundheit. Wie schaffen Sie es abzuschalten?

Das kann ich sehr gut. Es ist auch das Wichtigste, abschalten zu können. Während ich in meinem Auto sitze und die 40 Minuten nach Hause fahre, verarbeite ich alles, und wenn ich angekommen bin, schalte ich ab. Wenn man das nicht tut, bekommt man ein Problem.

Ist es wichtig, Menschen um sich zu haben, die nichts mit dem Geschäft zu tun haben?

Das ist das Allerwichtigste! Ich kann nicht den ganzen Tag über Fußball sprechen. Dann bleibt etwas anderes auf der Strecke.

Nun waren Sie in den letzten Jahren im Ausland unterwegs, im Iran, in Süd-Korea, auf Zypern und in der Türkei. Wie hat das Abschalten dort funktioniert, wo Ihnen das soziale Umfeld fehlte?

Im Ausland gibt es vieles Neues, Interessantes. Da wird es nie langweilig, und man hat genug Ablenkung. Deswegen habe ich Zypern auch so früh wieder verlassen: Zypern ist aus meiner Sicht eine Ferieninsel, alle dort denken nur an Urlaub. Das war nicht meine Welt.

Kamen Sie sich in den Jahren im Ausland vor wie im Exil? Haben Sie die Bundesliga vermisst?

Nein, überhaupt nicht. Ich hatte auch im Ausland großen Erfolg. In Süd-Korea habe ich eine neue Mannschaft aufgebaut und bin sofort Tabellendritter geworden, auf Zypern Vizemeister, mit Fenerbahce zweimal Zweiter und mit Sivasspor als Aufsteiger immerhin Achter.

Gab es dennoch Momente, in denen Sie dachten: „Mein Gott, wo bin ich denn hier gelandet?“

Ja, selbstverständlich. Zum Beispiel in der Türkei, da war am Anfang alles durcheinander. Wenn man dann die Sprache nicht perfekt beherrscht, hat man größere Probleme. In Deutschland fällt mir gerade die Kommunikation wesentlich leichter.

Was war das fremdartigste Erlebnis?

Als ich in Korea Hund essen sollte. Das ist kulturell bedingt und ja eigentlich nichts Negatives. Es gibt dort sogar Hunderestaurants. Wenn die Koreaner Hunger haben, essen sie Hund. Aber für mich als Europäer ist das schon ein komischer Gedanke. Ich kann da nicht mitgehen. Ich habe schließlich selbst einen Hund zu Hause.

Nun sind Sie wieder in München. Haben Sie sich schon mit Herrn Wildmoser, dem ehemaligen Präsidenten von 1860 und ihrem Arbeitgeber bis 2001, auf einen Espresso getroffen?

Mit Herrn Wildmoser Junior habe ich schon einmal ganz kurz auf einen Espresso getroffen. Mit Senior noch nicht.

Wie lang hat es gedauert, die Zeit bei 1860 und das enttäuschende Ende hinter Ihnen zu lassen?

Das habe ich sofort abgehakt. So ist es nun mal im Fußball. Aber schauen wir noch mal zurück: Es ist alles eingetroffen, was ich gesagt habe. Ich habe immer gesagt: Was nützt uns das neue Stadion, wenn wir dort keine Mannschaft haben, mit der wir gewinnen? Für die Stadt München ist das neue Stadion natürlich sehr wichtig, es ist ein schönes Stadion, ein Klassestadion geworden. Aber für einen Verein wie 1860 muss die Mannschaft immer wichtiger sein als das Stadion. Das habe ich gesagt, und man hat mir nicht geglaubt. Ich war der Böse.

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