01.06.2007

Werner Hansch im Interview

„Der Fan ist die Basis“

Im neuen 11FREUNDE-Heft sinniert Radio-Legende Manni Breuckmann über die Entwicklung des deutschen Fußballs. Wir sprachen darüber auch mit seinem Kollegen und ehemaligen Schalke-Stadionsprecher Werner Hansch.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago


Auch sind die Spieler heute geschulter im Umgang mit den Medien.

Ja. Das sie mittlerweile richtige PR-Schulungen durchlaufen – davon halte ich gar nichts. Wir als Sportjournalisten brauchen den unverbrauchten Spieler, der in der Lage ist, drei Sätze zu formulieren. Aber wenigstens drei eigene Sätze – und keine auswendig gelernten Phrasen.

Haben Sie auch den Eindruck, dass eine Blaupause für Antworten in Interviews existiert...

...welche dann die Interviews per se eigentlich überflüssig macht. Ja, dieser Gedanke kann einen manchmal schon beschleichen. Aber wir brauchen auch Journalisten, die die richtigen Fragen stellen. Bei einigen Kollegen sehe ich da durchaus Nachholbedarf.

Wissen Sie eigentlich immer, wohin Sie am Spieltag zur Berichterstattung fahren müssen, wenn Sie die all die gesponserten Namen der Spielstätten hören?

(lacht) Durchaus. Und ich sehe das mit den Namensverkäufen auch gar nicht so skeptisch.

Aber geht den Vereinen nicht ein Stück Identität verloren?

Das denke ich nicht. Die Identität wird auf dem Rasen entschieden und ist nicht abhängig vom Stadionnamen. Du brauchst Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren und den Fans zeigen, dass sie sich für die Mannschaft zerreißen. Solche Spieler sind es, die Identität stiften. Und wenn die dann alles geben, dann können sie auch vom Mond kommen und müssen nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft der deutschen Bundesliga?

Mein Wunsch ist, dass die Kommerzialisierung und Eventisierung in Bahnen verläuft, die noch kontrollierbar sind. Es muss unter den Bedingungen eines speziellen Tages immer noch möglich sein, dass der Tabellenletzte auch den Tabellenführer schlagen kann. Wenn das aufgelöst wird und das talentierte Spielerkapital auf zwei bis drei Vereine konzentriert wird und alle anderen Teams gegen den Abstieg spielen, dann sollten wir das Fußballspiel an den Computer verlagern.

Und nur noch virtuell spielen?


Fast. Wir geben dann Etats, Budgets und Spielergehälter ein, drücken eine Taste und unten kommt die Tabelle raus. Wenn der Solidaritätsgedanke soweit beschädigt wird, dass mein formulierter Wunsch nicht mehr gewährleistet ist, können wir Schluss machen. Und dass dieses Szenario nicht eintritt wünsche ich dem Fußball.

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Weitere Interviews dieser Serie:

Bochums Urgestein Lothar Woelk: "Die Fans wollen den Kommerz" www.11freunde.de/bundesligen/101923

Kampfschwein Willi Landgraf "Man gewöhnt sich an alles" www.11freunde.de/bundesligen/101924

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