Werders Linksverteidiger über Werders Krise

Mikael Silvestre: »Man sollte konstruktiv Kritik üben«

Einst spielte Mikael Silvestre mit Inter Mailand, ManUnited oder dem FC Arsenal um Europas Krone, nun kämpft er mit Werder gegen den Abstieg. Ein Gespräch über die Pfiffe der Fans und die Krisenstimmung in Bremen. Werders Linksverteidiger über Werders KriseImago

Mikael Silvestre, kennen Sie Aue, Ingolstadt und Paderborn?

Mikael Silvestre: Nein,  kenne ich nicht.

Mannschaften aus der 2. Bundesliga. Ist der mögliche Abstieg aktuell gar kein Thema beim SV Werder?

Mikael Silvestre: Unsere schlechte Situation ist natürlich ein Thema.  Aber wir wollen  alles dafür tun, uns so schnell wie es geht, wieder nach oben  zu orientieren. Eine Mannschaft wie Werder gehört nicht in die 2. Liga.

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Haben Sie es eigentlich bereut, dass Sie zu Werder gewechselt sind?

Mikael Silvestre: Nein, überhaupt nicht. Meine Familie fühlt sich wohl in Bremen. Zudem finde es ich faszinierend, dass fast jeder Bremer ein Fan von Werder ist, ganz gleich, ob er oder sie Fußball mag oder nicht. Ich habe zudem in den Gesprächen mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs stets ein sehr gutes Gefühl gehabt. Klar, die Situation ist momentan nicht einfach für mich und die Mannschaft, aber ich liebe Herausforderungen.

In der Hinrunde gewannen Sie nur 50 Prozent ihrer Zweikämpfe. War die Herausforderung bislang zu groß?

Mikael Silvestre: Ich wusste, dass es für mich schwer wird: Ich komme in eine neue Liga und muss mich in ein neues Spielsystem einfinden. Vielleicht war es auch ein Problem, dass ich erst Mitte September zur Mannschaft gestoßen bin.

Was war für Sie die bisher größte Umstellung?

Mikael Silvestre: Die Umstellung auf Werders Spielsystem und meine Funktion als Linksverteidiger. In England hatte ich stets einen klassischen Flügelstürmer vor mir, mit dem ich kombinieren konnte – bei Werder ist das anders.

Ist die Position als Linksverteidiger also gar nicht Ihre ideale Position?


Mikael Silvestre: Ich habe den Großteil meiner Karriere als Innenverteidiger gespielt und bevorzuge diese Position. Doch war mir auch von Anfang an klar, dass Werder mich als Linksverteidiger braucht. Also nützt das Lamentieren und Wünschen nichts. Ich stelle mich der Aufgabe.

Hätten Sie sich mehr Unterstützung von den Fans gewünscht? Sie wurden  anfangs ausgepfiffen.


Mikael Silvestre: Pfiffe tun immer weh, gerade wenn sie von den eigenen Anhängern kommen.  Aber jetzt ist die Unterstützung besser. Ich finde, dass Mannschaft und Fans in einem Boot sitzen. Daher sollten sie in einer solchen Situation  hinter uns stehen.  Und das taten sie zuletzt sehr gut.

Aber ist es nicht auch normal, dass die Fans ihren Unmut äußern?

Mikael Silvestre: Das ist ja auch okay. Doch ich glaube, dass man auch konstruktiv Kritik üben kann, ohne dass man verletzend wird.

Wie erklären Sie sich eigentlich den Absturz von Werder in dieser Saison?

Mikael Silvestre: Oh (überlegt lange). Eine gute Frage. Ich denke, es gibt im Moment viele Faktoren, die gegen uns sind.

Zum Beispiel?

Mikael Silvestre: Nur ein paar: Unser Verletzungspech spielt eine entscheidene Rolle ,  die Ausfälle von Naldo, Borowski und Wesley wiegen schwer. Zuhause gegen die Bayern hätten wir eigentlich  einen  Elfmeter bekommen müssen und auch in Mainz hatten wir Pech mit einer strittigen Entscheidung.   Doch ich will mich nicht nur beschweren. Es hilft ja nicht. Man spricht immer von Kampf und davon, das Glück zu erzwingen – genau das müssen wir in die Tat umsetzen. Und wenn ich unsere letzten beiden Spiele gegen Mainz und Hannover sehe, bin ich zuversichtlich, dass wir da unten wieder raus kommen.

Sie haben in den letzten zehn Jahren mit Inter Mailand, Manchester United und dem FC Arsenal immer um den Titel gespielt. Ist der Abstiegskampf Neuland für Sie?

Mikael Silvestre: Nein, die Situation mit Werder erinnert mich an meine ersten Profijahre bei Stade Rennes. Ich war gerade 18 Jahre alt und erlebte, wie eine gute Mannschaft immer mehr nach unten rutschte. Das war ein prägender Moment für meine Karriere. Und dieses Gefühl kommt nun wieder. Damals wie heute schwand mit jeder Niederlage peu-a-peu das Selbstvertrauen.

Und wie ging es mit Stade Rennes aus?

Mikael Silvestre: Wir fingen uns gegen Ende der Saison und konnten die Klasse halten.

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