19.08.2011

Werders Co-Trainer Wolfgang Rolff im Interview

»Ein Wechsel von Mertesacker ist noch möglich«

Um seinen Job war Wolfgang Rolff in der vergangenen Saison nicht zu beneiden: Als Co-Trainer von Thomas Schaaf erlebte er den Abstiegskampf, verletzte Stammkräfte und jede Menge Probleme. Jetzt soll alles besser werden. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Wolfgang Rolff, es gibt so viel zu besprechen. Womit wollen wir anfangen?

Wolfgang Rolff: Vielleicht mit unserem Eishockey-Ergebnis im Testspiel gegen den FC St. Pauli? 5:4! Eigentlich ein typisches Werder-Ergebnis der vergangenen Jahre...

Nur nicht in der vergangenen Saison...

Wolfgang Rolff: Nein. Da hätten wir solche Spiele wahrscheinlich mit 0:3 verloren. In der Saison war einfach alles anders als geplant.



Das soll nun besser werden – auch durch die Rückkehr von Innenverteidiger Naldo, der gegen den FC St. Pauli sein Comeback gegeben hat.

Wolfgang Rolff: Wir sind alle sehr froh, dass er endlich wieder gesund ist. Deshalb haben wir ja auch dieses Testspiel so kurzfristig vereinbart – um unsere Reservisten und Rückkehrer zu testen.

Wann wird er wieder in der Startelf zu sehen sein?

Wolfgang Rolff: Da müssen wir noch Geduld haben. Nach so einer Verletzung und extrem langer Pause geht das nicht von heute auf morgen.

Bleiben wir in der Defensive: Die große Schwachstelle der Bremer Abwehr ist seit Jahren die linke Seite. Haben Sie mit dem Ex-Schalker Lukas Schmitz nun jemanden gefunden, der dieses Vakuum füllen kann?

Wolfgang Rolff: Er hat seine Chance bisher gut genutzt. Aber Lukas ist noch kein fertiger Spieler – Felix Magath hat ihn auf Schalke in das kalte Wasser des Profifußballs geworfen, unter Ralf Rangnick saß er plötzlich auf der Bank. Bei uns muss er seine Stärke zurück gewinnen.

Ist Schmitz also die Lösung für die kommenden Monate?

Wolfgang Rolff: Im Moment ist er bei uns auf dieser Position die Nummer eins. Aber wenn die verletzten Linksverteidiger Sebastian Boenisch und Mikael Silvestre in die Mannschaft zurückkehren, dann muss er sich dem Konkurrenzkampf stellen. Für die Mannschaft kann das nur ein Vorteil sein.

Sie sprechen Boenisch und Silvestre an – nur zwei von vielen Verletzten, die Werder in den vergangenen Monaten zu beklagen hatte. Möchten Sie nicht manchmal am liebsten in Ihre Schreibtischplatte beißen, wenn  Sie die nächste Hiobsbotschaft eines verletzten Spielers erreicht?

Wolfgang Rolff: Nein! Wenn Thomas Schaaf und wir Co-Trainer so reagieren würden, was wäre das für ein Signal gegenüber den anderen Spielern in unserem Kader? Wenn sich ein nomineller Stammspieler verletzt, dann ist es unsere erste Amtshandlung, denen, die dahinter stehen, unser volles Vertrauen auszusprechen.

Die, die ihre Leistung beständig auf hohem Niveau und über einen längeren Zeitraum zeigen, hat man früher gerne als »Führungsspieler« bezeichnet. Nach den jüngsten Aussagen von Oliver Kahn zu diesem Thema ist die Debatte neu entflammt. Deshalb die Frage an Sie: Gibt es sie überhaupt noch, die Führungsspieler?

Wolfgang Rolff: Natürlich gibt es sie noch, und jede Mannschaft der Welt braucht sie, um erfolgreich zu sein. Sie haben lediglich ihren Führungsstil verändert. Heute braucht keiner mehr wie Kahn, Effenberg oder Breitner seine Mitspieler auf dem Platz zusammenzustauchen. Der Ton der, wie ich sie nenne, »Playstation-Generation«, ist ruhiger und beherrschter. Aber wenn einem Per Mertesacker etwas nicht gefällt, dann kann er in der Kabine auch mal lauter werden.

Stichwort Mertesacker: Das hat Thomas Schaaf aber sehr geschickt gemacht – Mertesacker zum Kapitän befördert und damit alle Gerüchte über einen möglichen Wechsel vom Tisch gefegt!

Wolfgang Rolff: Ein Wechsel von Per Mertesacker zu einem anderen Verein ist theoretisch noch möglich. Per ist Nationalspieler und jeder Nationalspieler bekommt in der Transferperiode regelmäßig mehr oder weniger seriöse Angebote von anderen Klubs. Natürlich wünschen wir uns alle, dass Per in Bremen bleibt. Aber wenn ein interessantes Angebot kommt, dann werden sich sowohl Per, als auch Werder Bremen ernsthaft darüber Gedanken machen. Denn im nächsten Jahr wäre er ablösefrei und ein Verein wie Werder muss immer auch den wirtschaftlichen Aspekt berücksichtigen. So ist das Geschäft.

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