Werders Co-Trainer Wolfgang Rolff im Interview

»Ein Wechsel von Mertesacker ist noch möglich«

Um seinen Job war Wolfgang Rolff in der vergangenen Saison nicht zu beneiden: Als Co-Trainer von Thomas Schaaf erlebte er den Abstiegskampf, verletzte Stammkräfte und jede Menge Probleme. Jetzt soll alles besser werden. Wir sprachen mit ihm. Werders Co-Trainer Wolfgang Rolff im Interview

Wolfgang Rolff, es gibt so viel zu besprechen. Womit wollen wir anfangen?

Wolfgang Rolff: Vielleicht mit unserem Eishockey-Ergebnis im Testspiel gegen den FC St. Pauli? 5:4! Eigentlich ein typisches Werder-Ergebnis der vergangenen Jahre...

Nur nicht in der vergangenen Saison...

Wolfgang Rolff: Nein. Da hätten wir solche Spiele wahrscheinlich mit 0:3 verloren. In der Saison war einfach alles anders als geplant.

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Das soll nun besser werden – auch durch die Rückkehr von Innenverteidiger Naldo, der gegen den FC St. Pauli sein Comeback gegeben hat.

Wolfgang Rolff: Wir sind alle sehr froh, dass er endlich wieder gesund ist. Deshalb haben wir ja auch dieses Testspiel so kurzfristig vereinbart – um unsere Reservisten und Rückkehrer zu testen.

Wann wird er wieder in der Startelf zu sehen sein?

Wolfgang Rolff: Da müssen wir noch Geduld haben. Nach so einer Verletzung und extrem langer Pause geht das nicht von heute auf morgen.

Bleiben wir in der Defensive: Die große Schwachstelle der Bremer Abwehr ist seit Jahren die linke Seite. Haben Sie mit dem Ex-Schalker Lukas Schmitz nun jemanden gefunden, der dieses Vakuum füllen kann?

Wolfgang Rolff: Er hat seine Chance bisher gut genutzt. Aber Lukas ist noch kein fertiger Spieler – Felix Magath hat ihn auf Schalke in das kalte Wasser des Profifußballs geworfen, unter Ralf Rangnick saß er plötzlich auf der Bank. Bei uns muss er seine Stärke zurück gewinnen.

Ist Schmitz also die Lösung für die kommenden Monate?

Wolfgang Rolff: Im Moment ist er bei uns auf dieser Position die Nummer eins. Aber wenn die verletzten Linksverteidiger Sebastian Boenisch und Mikael Silvestre in die Mannschaft zurückkehren, dann muss er sich dem Konkurrenzkampf stellen. Für die Mannschaft kann das nur ein Vorteil sein.

Sie sprechen Boenisch und Silvestre an – nur zwei von vielen Verletzten, die Werder in den vergangenen Monaten zu beklagen hatte. Möchten Sie nicht manchmal am liebsten in Ihre Schreibtischplatte beißen, wenn  Sie die nächste Hiobsbotschaft eines verletzten Spielers erreicht?

Wolfgang Rolff: Nein! Wenn Thomas Schaaf und wir Co-Trainer so reagieren würden, was wäre das für ein Signal gegenüber den anderen Spielern in unserem Kader? Wenn sich ein nomineller Stammspieler verletzt, dann ist es unsere erste Amtshandlung, denen, die dahinter stehen, unser volles Vertrauen auszusprechen.

Die, die ihre Leistung beständig auf hohem Niveau und über einen längeren Zeitraum zeigen, hat man früher gerne als »Führungsspieler« bezeichnet. Nach den jüngsten Aussagen von Oliver Kahn zu diesem Thema ist die Debatte neu entflammt. Deshalb die Frage an Sie: Gibt es sie überhaupt noch, die Führungsspieler?

Wolfgang Rolff: Natürlich gibt es sie noch, und jede Mannschaft der Welt braucht sie, um erfolgreich zu sein. Sie haben lediglich ihren Führungsstil verändert. Heute braucht keiner mehr wie Kahn, Effenberg oder Breitner seine Mitspieler auf dem Platz zusammenzustauchen. Der Ton der, wie ich sie nenne, »Playstation-Generation«, ist ruhiger und beherrschter. Aber wenn einem Per Mertesacker etwas nicht gefällt, dann kann er in der Kabine auch mal lauter werden.

Stichwort Mertesacker: Das hat Thomas Schaaf aber sehr geschickt gemacht – Mertesacker zum Kapitän befördert und damit alle Gerüchte über einen möglichen Wechsel vom Tisch gefegt!

Wolfgang Rolff: Ein Wechsel von Per Mertesacker zu einem anderen Verein ist theoretisch noch möglich. Per ist Nationalspieler und jeder Nationalspieler bekommt in der Transferperiode regelmäßig mehr oder weniger seriöse Angebote von anderen Klubs. Natürlich wünschen wir uns alle, dass Per in Bremen bleibt. Aber wenn ein interessantes Angebot kommt, dann werden sich sowohl Per, als auch Werder Bremen ernsthaft darüber Gedanken machen. Denn im nächsten Jahr wäre er ablösefrei und ein Verein wie Werder muss immer auch den wirtschaftlichen Aspekt berücksichtigen. So ist das Geschäft.



Einer der Neuzugänge bei Werder ist der ehemalige Nürnberger Mehmet Ekici. Ihr erster Eindruck?

Wolfgang Rolff: Er ist defintiv ein echter Straßenfußballer. Einer, dem man den Spaß am Fußball bei jedem Dribbling, jedem Schuss und jeder Flanke ansieht. Allerdings hat er sich kurz nach seinem Wechsel zu uns verletzt und konnte die Vorbereitung nicht vollständig absolvieren. Er hat noch Defizite im konditionellen Bereich, deshalb hat er bislang erst ein paar Kurzeinsätze absolviert. Es ist wie so häufig bei wichtigen Spielern: Wir bräuchten ihn gestern, müssen aber bis übermorgen warten. (lacht)

Auf welcher Position soll Ekici für Werder spielen?

Wolfgang Rolff: Auf der zentralen Position in unserer Mittelfeldraute. Dort können allerdings auch Aaron Hunt oder Marko Marin spielen.

Die Raute gehört seit Jahren zum taktischen Grundgerüst im Konzept von Trainer Thomas Schaaf. Haben Sie sich nach der vergangenen Saison nicht auch mal Gedanken über eine taktische Alternative gemacht?

Wolfgang Rolff: Wir machen uns immer Gedanken und haben doch in der Vergangenheit schon häufig variiert. Aber die Raute ist nicht nur unser Markenzeichen, sie ist auch weiterhin der Garant für unseren zukünftigen Erfolg.

Viele Diskussionen hat es in den vergangenen Wochen der neuen Saison auch um Marko Arnautovic gegeben. Erst schien er kurz vor einem Wechsel zu stehen, jetzt hat er in einem Interview mit der »Syker Kreiszeitung« verlautbaren lassen, er wolle sich bei Werder »durchbeißen«. Ist Arnautovic, den man aufgrund seines schwierigen Charakters bereits »Arrogantovic« getauft hatte, überhaupt noch der richtige Spieler für Werder Bremen?

Wolfgang Rolff: Marko hatte bei uns in Bremen keinen einfachen Start. Mit Inter Mailand hatte er kurz zuvor die italienische Meisterschaft, den Pokal und die Champions League gewonnen. Als Ersatzspieler. Wenn du 30 oder 40 Partien gemacht hast, dann steigt der Erfolg nicht so schnell zu Kopf. Aber Marko war ein junger Kerl, der eben noch für Twente Enschede seine Tore geschossen hatte. Und plötzlich stand er dreimal nacheinander auf einem Wagen, der durch jubelnde Menschenmassen in Mailand gelenkt wurde. Das kann einem schon mal den Kopf verdrehen. Aber inzwischen hat er begriffen, dass er in Bremen eine andere Einstellung haben muss, um erfolgreich zu sein. Momentan ist er zwar nur Ersatzspieler, aber jetzt kann er allen beweisen, wie gut er wirklich ist.

Wenn Sie so über Ihre Spieler sprechen, dann könnte man auch meinen, Sie wären bei Werder Bremen als Pädagoge und nicht als Fußballtrainer angestellt.

Wolfgang Rolff: (lacht) Das ist das Schöne an diesem Beruf: Man muss nicht nur Fußballtrainer, sondern auch Pädagoge, Psychologe und Kumpel sein. Über Abwechslung am Arbeitsplatz kann ich mich nicht beschweren.

Vranjes und Arnautovic stehen sinnbildlich für die schwache Saison 2010/11. Zwischenzeitlich wurden gar Gerüchte laut, dass Sie und Thomas Schaaf das Amt niederlegen würden. Bei dem Fußball, den Ihr Team teilweise gespielt hat, hätte man Sie durchaus verstehen können.

Wolfgang Rolff: Solche Überlegungen haben wir uns nie ernsthaft gemacht. Natürlich hat es unsere Nerven strapaziert, dass die Mannschaft am Wochenende nicht den Fußball spielte, den man unter der Woche doch eigentlich einstudiert hatte. Aber das hat uns nicht davon abgehalten, trotzdem Spaß an unserem Job zu haben.

Wie schaffen Sie es persönlich, den Frust über eine Niederlage oder ein schlechtes Spiel abzubauen?

Wolfgang Rolff: Früher habe ich so häufig Fernschüsse aufs Tor getreten, bis mir die Füße weh taten. Heute gehe ich lieber in den Wald und laufe ein paar Kilometer. So ein zünftiger Gewaltlauf wirkt meistens Wunder.

Wolfgang Rolff, ich weiß, Sie sind kein Hellseher. Aber dennoch die Frage: Wie verläuft die Saison 2011/12 für Werder Bremen?

Wolfgang Rolff: Unser Ziel ist ein Platz unter den ersten sechs Mannschaften und damit die Qualifikation für das internationale Geschäft. Und was ich unseren Fans versprechen kann: Sie werden definitiv besseren Werder-Fußball zu sehen bekommen, als noch in der vergangenen Saison.

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