Werders Assani Lukimya über seinen Weg in die Bundesliga

»Vereinsfußball war nie mein Ding«

Bei Werder Bremen ist Assani Lukimya der komplette Gegenentwurf zu all den feinfüßigen Hunts, Elias und de Bruynes. Der 1,90-Meter-Mann kam aus Düsseldorf, um die Defensive zu stabilisieren. Ein Interview über Zweikämpfe, Straßengebolze und Mario Kart.

Assani Lukimya-Mulongoti, kennen Sie Mirko Votava?
(überlegt)

Dieter Eilts? Uli Borowka? Rune Bratseth? Bremer Abwehrlegenden, für ihre rustikale Art bekannt und geliebt. An der Weser haben Defensivspezialisten Tradition.
Ich erinnere eher die, die zuletzt da waren. Naldo, Mertesacker, Ismaël. Die haben auch Großes geleistet für den Verein. Denen will ich nacheifern.

Am vergangenen Samstag hatten Sie dazu Gelegenheit. Der Sieg über Gladbach war wie weiland in goldenen Werder-Zeiten: mutig, schnell, risikoreich. Warum gelingt das in dieser Saison nur vereinzelt?
So unkonstant sind wir gar nicht! Das Spiel gegen Augsburg war ein Ausreißer nach unten, ja. Aber ansonsten haben wir sehr guten Fußball gespielt, nur ohne uns zu belohnen. Der letzte Pass hat gefehlt oder wir waren nicht konsequent genug vor dem Tor. Gegen Gladbach sind die Dinger endlich reingegangen und, was noch viel wichtiger ist: Wir haben defensiv toll gearbeitet.

Die Defensive gerät manchmal in Vergessenheit, weil Werder Bremen so viel Offensivpotential auf den Rasen bringt. Wie passt der Abräumer Lukimya in eine Mannschaft, in der sonst feinfüßige Techniker wie Marko Arnautovic, Kevin de Bruyne und Eljero Elia zaubern?
Ich bin jemand, der sich in die Zweikämpfe wirft, den einfachen Ball spielt und dazwischenhaut. Ich muss nicht alles technisch lösen und ich glaube, dass die Einstellung beim Rest der Mannschaft ankommt. Weil unser Kader spielerisch ganz oben mit dabei ist in der Bundesliga, wird mein Job umso wichtiger.

Sie wollen sich bei Werder Bremen durchsetzen und haben dafür auf Einsätze für den Kongo verzichtet. Verein vor Land: Wie kommt diese Prioritätensetzung im Kongo an?
Zu Düsseldorfer Zeiten hatten die Verantwortlichen des Kongo ein Problem damit. Da haben sich die Spiele überkreuzt, und ich entschied mich für die Fortuna. Nach meinem Wechsel im Sommer habe ich dem Verband die neue Situation erklärt: Dass ich erstmal in Bremen ankommen und mir einen Status erarbeiten muss. Ich glaube, letztlich profitiert der Kongo mehr davon, wenn ich in Bremen Stammspieler bin und gestärkt für mein Land spielen kann, als wenn ich da halbfit und frustriert aufschlage. Darauf haben wir uns verständigt.

Der Kongo hat sich für den Afrika-Cup 2013 qualifiziert. Das bringt Sie in die Bredouille. Bei einem Einsatz fehlen Sie Werder vielleicht gleich mehrere Wochen.
Das liegt so weit in der Zukunft, dass ich darüber jetzt noch nicht nachdenken will. Das muss man in Absprache mit allen Beteiligten entscheiden, wenn es soweit ist. Ich kann auch noch keine Tendenz vorgeben. Im Fußball geht alles so schnell.

Assani Lukimya-Mulongoti, Ihr fußballerischer Werdegang liest sich erstaunlich. Sie haben erst mit 15 Jahren im Verein gespielt.
Eigentlich viel zu spät, wenn man Profifußballer werden will, oder? Aber Vereinsfußball war nie mein Ding. Da gab es zu viele Regeln und Beschränkungen. Mit zwölf Jahren hatte ich das kurz mal angetestet, bin aber sofort wieder ausgetreten. Ich habe am liebsten auf der Straße gespielt. Einfach raus, losbolzen, kein Aufwärmen. Das war meins.

Aber irgendwann...
… habe ich eingesehen: Ohne Verein geht es nicht. Straßenfußball ist ja schön und gut, aber ich wollte dann doch mein Hobby zum Beruf machen.

Das hat geklappt, aber der Weg in die Bundesliga schlug viele Kurven. Sie haben bei Tasmania Gropiusstadt, Hertha BSC II, Hansa Rostock, Carl Zeiss Jena und Fortuna Düsseldorf gespielt – und auch manchmal ans Aufgeben gedacht?
Es ging immer auf und ab bei mir. Speziell Rostock war eine Station, wo ich die Welt nicht mehr verstanden habe. Ich habe immer Gas gegeben und wurde plötzlich suspendiert aus Gründen, die einfach nicht richtig waren. Das kann dich als jungen Spieler, der sich gerade im Aufwind wähnt, extrem verstören. Weil ich heute bin, wo ich bin, kann ich sagen, gestärkt aus solchen Situationen hervorgegangen zu sein. Jena war super, damals gab es schon Angebote aus der Bundesliga. Aber ich wollte den langsamen Weg gehen und mich nicht auf die Bank setzen.



Bei Tasmania spielten Sie noch Stürmer und wurden gegen Ihren Willen umgeschult. Mario Reichel, damals Trainer, meinte: »Er war schwer davon zu überzeugen, dass seine Stärken im defensiven Bereich liegen.«
Bin ich immer noch, ich könnte auch Stürmer spielen (lacht). Bei Tasmania habe ich geknipst, darauf kommt es doch wohl an! Als mich der Trainer hinten ausprobieren wollte, hatte ich zu knabbern. Heute fühle ich mich wohl in der Defensive.

In einem Interview mit der NWZ haben Sie, auf den Vergleich mit Düsseldorf angesprochen, gesagt: »In Bremen ist alles größer und gewaltiger.« Da habe ich gestutzt. An der Weser mehr Trubel als am Rhein? Das läuft dem Bremen-Bild vom Regionalverein mit familiärer Stimmung, dem im Training dreißig schiebermützentragende Kiebitze zuschauen, zuwider.
Ich meinte damit das fußballerische Renommee, die Erfolge, die Vereinshistorie. Düsseldorf hat zuletzt zweitklassig gespielt. Bremen wurde 2004 Meister, später noch Pokalsieger und war oft international vertreten.

Ich werfe jetzt mal eine Zeitspanne in den Raum: 119 Sekunden...
Achja, da klingelt es sofort (lacht).

Sie wurden gegen den VfB Stuttgart in der 89. Minute beim Stand von 2:2 eingewechselt, Thomas Schaaf wollte Ihre Kopfballstärke nutzen. Null Ballkontakte und ein Foul später war alles schon wieder vorbei. Was war da los?
Es ist ganz unglücklich gelaufen. Ich bin immer noch der Meinung, dass es keine klare rote Karte war. Der Schiedsrichter hat leider anders entschieden. Ich musste meine Strafe absitzen, was sich ungewohnt genug anfühlte. Ich fehle eigentlich sehr selten. Aber jetzt ist das abgehakt.

Sind Sie abergläubisch?
Ich habe mir mit der Zeit angewöhnt, zuerst alles links anzuziehen. Linkes Hosenbein, linker Stutzen, linker Schuh. Sollte ich versehentlich mal rechts zuerst reinsteigen, muss ich mich wieder ausziehen und von vorne beginnen.

Das Transfergezerre um Sie hat in der letzten Saison für einigen Wirbel gesorgt. Sie hatten in Köln unterschrieben, aber nicht damit gerechnet, dass der FC absteigt. Im Gegenzug stieg Düsseldorf auf, ein Verbleib bei der Fortuna schien wieder möglich. Letztlich wechselten Sie zu Werder Bremen.
Ich wollte früh entscheiden, damit mich das Thema nicht mehr belastet. Die sportliche Situation von Köln hat diesen Plan durchkreuzt. Für den Kopf war das echt nicht einfach. Ich wusste nie, ob die absteigen, die Klasse halten oder womöglich gegen uns in der Relegation spielen. Eine verrückte Phase! Alles, was danach passiert ist, lief natürlich in erster Linie über meinen Berater. Der hat mir den Wasserstand mitgeteilt und mich informiert, wenn eine Anfrage konkreter wurde. Jetzt bin ich glücklich, in Bremen zu sein.

Die meisten Fußballer zocken FIFA und spielen sich dann auch noch selbst. Man munkelt, bei Werder gehe es etwas anders zu.
Wir spielen Mario Kart auf Nintendo DS. Ich habe den Trend losgetreten, mittlerweile sind sieben, acht Leute am Start. Marko, Aaron, Eljero, Memo, Zladdi, die machen alle mit. Über Bluetooth, auf dem Hotelzimmer oder im Bus. Für längere Fahrten das ideale Spiel.

Welche Figur spielen Sie?
Ich nehme Toad, den winzigen Pilzkopf.

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