Werden Sie jetzt Künstler, Marcel Eger?

»Masterplan: Leben genießen«

Nach seinem Gastspiel beim FC Brentford ist Marcel Eger zurück im Hamburger Hafen. In seinem alten Wohnzimmer organisiert er jetzt die dritte Millerntor Gallery. Ein Gespräch über Akkuschrauber, Trainingslager in Kuba und Weltreisen.

Marcel Eger, wo treffen wir Sie gerade an?
Ich stehe mit dem Akkuschrauber im Umlauf der Millerntor-Haupttribüne und hänge die älteren Bilder unserer Gallery ab.

Das passt ja, denn am 23. Mai startet die dritte Auflage der Millerntor Gallery von Viva Con Agua. Eine Ausstellung und Auktion für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern. Müssen Sie im Vorbereitungsfinale noch einmal selbst Pinsel anlegen?
(lacht) Nein, es genügt aus handwerklicher Sicht, wenn ich die Bilder auf- und abhänge. Den Pinsel habe ich nur zum Streichen der Wände benutzt.

Wie lange bleiben die Bilder dort hängen?
Bis zur nächsten Gallery, die zum Ende des Jahres etwa stattfinden soll. Zumindest jene, die während der Auktion nicht gekauft werden. Sie sind dann an jedem Spieltag zu bewundern. Damit sind wir die größte soziale Kunstgalerie der Welt.

Die Vorbereitungen bei der Millerntor Gallery >>

Gerahmte Bilder in einem Fußballstadion – das kann nicht gut enden.
Oh, doch! Kein Ausstellungsstück wurde bisher ernsthaft beschädigt. Die Zuschauer gehen damit wirklich sehr sorgfältig um und sollte mal ein Bild herunterfallen, hat unser Hausmeister Michel auch mal etwas zu tun (lacht). Wir stehen beispielsweise gerade an einer Installation unseres künstlerischen Leiters Alex Diamond, dessen Rahmen aus sensiblen Rindenmulch besteht, aber selbst hier ist nichts passiert.

Ihre ehemaligen Kollegen Marius Ebbers, Florian Bruns und Benedikt Pliquett haben sich sogar für ein Fotoshooting des ausstellenden Künstlerduos »strassenkoeter« zur Verfügung gestellt. War das mit dem Abstiegskampf vereinbar?
Zu dem Zeitpunkt des Shootings war die Lage ehrlicherweise noch nicht so ernst. Aber ich denke, dass war eine schöne Geste von Marius und Florian, die nach der Saison den Verein verlassen und durch die Bilder weiterhin am Millerntor vertreten sein werden. Das Video hierzu ist sehr witzig, denn während der Produktionsstunde wurde Mehl in wirklich alle Körperöffnungen gepustet.



Sind Marius Ebbers und Florian Bruns jetzt als Neuzugänge bei Viva Con Agua im Gespräch?
Das wird nicht einfach sein, denn unser Kader hat bereits eine hohe Qualität. Mal sehen, ob sich die beiden durchsetzen werden. (lacht) Spaß beiseite, ich denke die Jungs konnten bereits sehen, wie wichtig dieses offene Netzwerk für Menschen ohne sauberes Trinkwasser ist. Die Jungs sind für ein Gastspiel weiterhin gerne gesehen!

Wie sind Sie selbst zu Viva Con Agua gekommen?
Ich habe mich relativ schnell mit meinem Teamkollegen Benjamin Adrion im Sommer 2004 angefreundet, als wir beide nach Hamburg kamen. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass es auch ein Leben neben dem Fußballplatz gibt und es nicht allen so gut geht wie uns. Während eines Urlaubs in Jamaika und dem nachfolgenden Trainingslager in Kuba mussten wir dann feststellen, dass sauberes Trinkwasser nicht überall vorhandenen ist.

Wie ging es dann weiter?
Zu Beginn habe ich versucht einige Kontakte zu knüpfen und habe so Benjamin bei der Gründung von Viva Con Agua in einer repräsentativen Rolle unterstützt. In der Folge habe ich zusammen mit Bela B (Schlagzeuger der Band »Die Ärzte«, d. Red.), Mark Tavassol (Bassist der Band »Wir sind Helden«, d. Red.) und meiner Mutter im Jahr 2011 eine hierauf ausgerichtete Stiftung gegründet.

Teamkollege Benjamin Adrion beendete seine Karriere, nachdem ihm der FC St. Pauli keinen neuen Vertrag angeboten hatte. Ist Viva Con Agua eine Art Teilzeitjob für arbeitslose Fußballer?
Ich denke, dass ich auf St. Pauli erwachsen geworden bin und jetzt mit vielen inspirierenden Menschen zusammenarbeiten kann. Da ich mit dem Fußball abgeschlossen habe, sehe ich die neuen Aufgaben also keineswegs als Teilzeitlösungen. Die Organisation bezeichnet mich derzeit als projektbezogenen Edelassistenten.

Zumindest Ihre Reiselust können Sie durch die sozialen Aktivitäten ausleben.
Ganz genau, bisher konnte ich Äthiopien, Indien, Nepal und Uganda besuchen. Dort konnten wir sehen, welche positiven Auswirkungen zum Beispiel die Spenden von Pfandbechern in ärmeren Ländern haben. Man nimmt sein Anliegen überall mithin, auch wenn wir demnächst privat nach Israel zur U21-Europameisterschaft reisen werden.

Wie wurden Sie von den dortigen Menschen als ehemaliger Fußballprofi aufgenommen?
Ich hatte die Möglichkeit, völlig frei mit vielen fröhlichen Kindern einem einfachen Lederball hinterherzujagen. Anders als in Deutschland erkennt mich dort niemand, und ich brauche nie Autogrammkarten im Koffer deponieren.

Sie sagten einmal »Fußball war nie mein Masterplan«. Wie sieht nun Ihr Masterplan aus?
Zuerst einmal die Millerntor Gallery angemessen vorbereiten, anschließend überall hineinschnuppern und das Leben genießen.

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Am 23. Mai startet die dritte Auflage der Millerntor Gallery von Viva Con Agua.
Weitere Informationen findet ihr hier

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