04.09.2013

Wer war der Bundestrainer Rudi Völler, Didi Hamann?

»Es zählte der Erfolg«

Zehn Jahre nach der legendären Weißbierrede begab sich Tim Jürgens für unsere aktuelle Ausgabe #142 auf die Spuren von Rudi Völler. Dafür sprach er mit Dietmar Hamann über die Aufbruchstimmung in Wembley, ausgedehnte Grillabende und die verkorkste EM 2004.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Ihr Tor in der WM-Qualifikation beim letzten Spiel im alten Wembley-Stadion schürte eine neue Euphorie um die Völler-Elf. Wie sind ihre Erinnerungen an diesen Tag im Oktober 2000?
Da steckte die Ära Völler noch in den Kinderschuhen. Wir hatten seit Ewigkeiten keinen großen Gegner mehr geschlagen. Und dann haben wir vor ausverkaufter Kulisse eines unserer besten Spiele gemacht, haben die Engländer über 90 Minuten beherrscht und hätten viel höher als 1:0 gewinnen müssen.

Sie leben seit 1998 in England. Wie waren die Reaktionen, als Sie mit der Nationalelf im Rückspiel im September 2001 in München mit 1:5 unterlagen...
…und alle fünf Tore von Liverpool-Spielern erzielt wurden. Hören Sie bloß auf. Erstens: Das Ergebnis fiel nicht dem Spielverlauf entsprechend aus, sondern viel zu hoch. Wenn wir 3:1 verloren hätten, wäre es nicht so dramatisch gewesen. Aber da wurde wahnsinnig viel reininterpretiert, was sich am Ende überhaupt nicht auswirkte. Denn es reisten beide Teams zur WM nach Asien.

Auf welches der beiden Spiele werden Sie in England häufiger angesprochen?
Na, was denken Sie? Die Engländer feiern das Spiel von München bis heute immer noch, zum Jahrestag 2011 stand bei mir das Telefon nicht mehr still. Aber das ist eben das Problem des englischen Fußballs. Die feiern einen Sieg, der überhaupt keine Rolle spielte. Denn als wir später in Yokohama im WM-Finale standen, saßen die Engländer schon wieder zwei Wochen zuhause und schauten das Match im Fernsehen.

Rudi Völler sagt, die Relegationsspiele um die WM-Teilnahme 2002 gegen die Ukraine hätten ihm erst gezeigt, was Druck bedeutet. Wie ging Ihnen das?
Ich denke, diese beiden Spieler haben uns unheimlich Selbstvertrauen gegeben. Wenn eine Mannschaft kurz davor ist, die Qualifikation zur WM zu verpassen, und so eine Situation meistert, dann wächst etwas zusammen. Vielleicht wären wir bei der WM nach der Vorrunde nach Hause gefahren, wenn wir die Playoffs nicht gespielt hätten. So aber wussten wir bei der WM, dass sich jeder auf den anderen verlassen kann.

Michael Ballack sagt, die schönste Feier im Kreise der Nationalelf fand nach dem Sieg gegen Paraguay im WM-AchteIfinale auf Jeju-Island statt. Was genau ist denn da passiert?
Wir waren die erste Mannschaft, die ins Viertelfinale einzog und hatten fast eine Woche frei bis zum Spiel gegen die USA. Da wurde schon um sieben Uhr abends der Grill angeschmissen, die Frauen saßen mit am Tisch, es war wie eine große Familienfeier. Da haben alle mitgemacht, es gab keine Grüppchen. Eine wundervolle Zeit, eine tolle Truppe. Solche Abende schweißen zusammen.
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