04.09.2013

Wer war der Bundestrainer Rudi Völler, Didi Hamann?

»Es zählte der Erfolg«

Zehn Jahre nach der legendären Weißbierrede begab sich Tim Jürgens für unsere aktuelle Ausgabe #142 auf die Spuren von Rudi Völler. Dafür sprach er mit Dietmar Hamann über die Aufbruchstimmung in Wembley, ausgedehnte Grillabende und die verkorkste EM 2004.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Dietmar Hamann, Sie haben das katastrophale Abschneiden der Nationalmannschaft bei der Euro 2000 am eigenen Leib miterlebt. Wie war es, als Rudi Völler plötzlich als neuer Nationaltrainer präsentiert wurde?
Rudi hat den Vorteil, dass er unheimlich charismatisch ist und viele tolle Spiele – auch für die Nationalmannschaft – gemacht hat. Wenn einer wie er in die Kabine kommt, hat man als Spieler automatisch Respekt. Mit Michael Skibbe brachte er einen Top-Trainer mit, und so war eigentlich vom ersten Tag seiner Ära gute Stimmung.

Was nach dem Desaster der Euro 2000, wo Sie mit der Nationalelf nach der Vorrunde kläglich ausschieden, bitter nötig war.
Definitiv. Die Berichterstattung ging nach dem Turnier noch wochenlang weiter. Als Spieler versucht man da abzuschalten, aber wir wurden immer wieder damit konfrontiert. Kurz: Nach der EM war eine große Verunsicherung im Team. Mit Rudi aber holte der DFB genau den richtigen Mann. Die Spieler haben sich bald wieder darauf gefreut, zur Nationalelf zu kommen.

War das vorher anders?
Es kam vorher auch mal vor, dass Spieler eine Länderspielreise absagten, wenn sie nicht sicher waren, ob sie mitspielen würden. Überhaupt war die Atmosphäre vorher eine ganz andere bei der Nationalelf gewesen. Da gab es für uns Spieler keinen Ansprechpartner, mit dem wir unsere Anliegen besprechen konnten. Uns fehlte bei der EM 2000 jemand, der bedingungslos hinter den Spieler stand. Das machte die Situation für uns so schwer.

Anfangs sollte Völler nur für zehn Monate Vertreter des designierten Bundestrainers Christoph Daum werden. Erst im Herbst 2000 war klar, dass er das Team zur WM 2002 führen würde. Veränderte es seinen Umgang mit den Spielern?
Nein, er war immer der gleiche. Wir haben ihn auch nie als Übergangstrainer gesehen.

Wie müssen wir uns die Kabinenansprachen des Teamchefs Völler vorstellen?
Der Rudi war sehr ruhig, hat sachlich Dinge angesprochen, egal ob wir zurück oder vorne lagen. Er hatte diese Aura, die Menschen mit wenigen Worten erreicht. Und seine Ausgeglichenheit hat sich auf die Mannschaft übertragen.

Wer hat das Training geleitet – Michael Skibbe oder Rudi Völler?
Michael Skibbe hat schon das meiste gemacht, aber Rudi hat sich unheimlich um die Spieler gekümmert und so eine gute Atmosphäre kreiert.

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