30.05.2013

Wer gewinnt das Pokal-Finale in Berlin, Giovane Elber?

»Giovane, Wembley ist vorbei!«

Wenn einer Ahnung von den Pokalfinalisten hat, dann doch wohl Giovane Elber, der einst selbst für beide Vereine auf Torejagd ging. Ein Gespräch über den verdienten Sieger von London, Sangeskünste von Sammy Koffour und Modesünden in den neunziger Jahren.

Interview: Sebastian Knoth Bild: Imago

Giovane Elber, Sie waren beim Champions-League-Triumph Ihres Ex-Klubs Bayern München im Wembley-Stadion live dabei. Ihr Eindruck?
Ich habe es richtig genossen, es war ein sehr schönes Spiel von beiden Seiten. Was Dortmund die erste halbe Stunde geleistet hat, war Wahnsinn, Bayern hatte kaum Torchancen. Aber in der zweiten Halbzeit hat beim BVB die Kraft nachgelassen, und dann war Bayern einfach die bessere Mannschaft.

Was hat Ihrer Meinung nach letztendlich den Unterschied gemacht?
Klar, es war auch ein bisschen Glück dabei. Frank Ribéry hätte von einem deutschen Schiedsrichter für seine Aktion gegen Robert Lewandowski bestimmt die rote Karte bekommen. Und für das Foul vor dem Elfmeter hätte Dante auch vom Platz fliegen können. Aber am Ende hat die bessere Mannschaft verdient gewonnen, auch wenn es aus Dortmunder Sicht natürlich hart ist, so ein Spiel in den letzten Minuten zu verlieren. Und ich weiß, wovon ich rede. Ich sage nur: Finale 1999 gegen Manchester United...

Haben Sie nach dem Ausgleichstreffer von Dortmund geglaubt, dass Bayern auch dieses Finale verlieren könnte?
Ich dachte nur: Scheiße, wenn es in die Verlängerung geht oder sogar zum Elfmeterschießen kommt, wird es knapp für die Bayern.

Auf der anschließenden Feier offenbarte Ihr Landsmann Rafinha seine Gesangskünste und trällerte einen Titel von Louis Armstrong. Wer sorgte nach dem Final-Sieg 2001 gegen Valencia für Unterhaltung?
Bei uns war Sammy Kuffour die Stimmungskanone. Der hat die ganze Nacht »Wir wolle rot-weiße Trikots, rot-weiße Trikots!« gesungen und wollte einfach nicht heiser werden. Am nächsten Tag hat er dann auf dem Marienplatz weitergemacht. Aber gut, so ausgelassen durfte das aktuelle Team ja nicht feiern, schließlich spielen sie am Samstag noch ein Finale in Berlin. Und die Chance auf das Triple hast du nicht jede Saison.

Das Team tritt stets als Kollektiv auf, wirkt zudem äußerst gelassen und immer gut gelaunt. Warum kam es in dieser Saison nicht wie in den vergangenen Jahren zu Eskapaden à la »FC Hollywood«?
Jupp Heynckes hat es genau wie Ottmar Hitzfeld 2001 geschafft, dass jeder Spieler, von der Nummer 1 bis zur Nummer 30, bis zum letzten Spieltag konzentriert bleibt. Und das ist wichtig, denn die Aufstellung kann sich immer verändern. Die Startelf in Wembley war ja auch nicht die Elf vom ersten Champions-League-Spieltag.

Aktuell bastelt man in München weiter an der »Kaderbreite« für die nächste Spielzeit: Aller Voraussicht nach wechselt nach Mario Götze auch Robert Lewandoski zum FCB.
Eigentlich benötigt dieser Kader keinen Robert Lewandowski: Mit Mandzukic, Gomez und Pizarro besitzen sie schon Stürmer, die den Unterschied machen können. Den Beweis hat Mario Mandzukic im Finale geliefert und den wichtigen Führungstreffer erzielt. Aber klar: Wenn Spieler wie Götze oder Lewandowski mit Ausstiegsklauseln im Vertrag auf dem Markt sind, schlägt der FC Bayern zu. Dieser Verlust tut dem BVB sicherlich sehr weh, aber so läuft das Geschäft. Jetzt muss man in Dortmund mit dem verdienten Geld gute Transfers tätigen...

Können Sie Jürgen Klopp nicht einen guten Spieler empfehlen?
In der brasilianischen Liga hat Bernard, ein 20-jähriger Mittelfeldspieler von Atlético Mineiro, eine gute Saison gespielt. Aber er ist noch sehr jung und unerfahren. Man weiß nie, ob so ein junger Spieler mit der deutschen Spielweise und Mentalität zurechtkommt.

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