Wem gehört der Ball, Herbert Fandel?

»Das schönste Souvenir«

Der Spielball als Andenken – auch für Schalke-Stürmer Raul ein Muss. Nach seinem Dreierpack gegen Bremen griff der Spanier zu. Dass Schiri Knut Kircher die Pille so schnell hergab ist, ist eher ungewöhnlich, wie Herbert Fandel zu berichten weiß. Wem gehört der Ball, Herbert Fandel?

Herbert Fandel, Ihr Kollege Knut Kircher war so gnädig und hat dem dreifachen Schalker Torschützen Raul nach dem 4:0 gegen Werder Bremen den Spielball überlassen. Dabei ist das nicht unbedingt üblich...

In einem normalen Bundesligaspiel schon, aber während eines Endspiels besteht durchaus das Bestreben des Schiedsrichters, sich den Ball zu sichern.

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Seit wann besteht diese Regel?

Keine Ahnung. Aber seit ich Spiele geleitet habe, war das so. Endspiele sind eben etwas ganz Besonderes, die meisten Unparteiischen pfeifen ein halbes Leben, ohne in den Genuß einer Finalteilnahme zu kommen. Und wenn man es dann geschafft hat, dann ist der Ball ein ganz besonderes Souvenir.

Sie haben vier Endspiele geleitet, dazu 247 Bundesligaspiele – Ihr Trophäenschrank dürfte voll sein.

Ich habe keinen Trophäenschrank. Wenn Sie meine Wohnung in Kyllburg betreten, werden Sie gar nicht merken, dass ich überhaupt etwas mit Fußball zu tun habe.

Sie haben die ganzen Wimpel, Geschenke und Medaillen doch nicht etwa weggeschmissen?

Gott bewahre! Ich habe einen Keller, dort lagern all die Erinnerungsstücke. Obwohl ich sagen muss, dass ein Großteil der Sachen bereits für Verlosungen, Tombolas und wohltätige Zwecke draufgegangen ist. Nur die Bälle werde ich niemals hergeben – ein schöneres Souvenir kann es für mich nach nicht geben!

Wenn wir Ihre Vita berücksichtigen heißt das also, dass Sie die Bälle aus folgenden Spielen in Ihrem Kyllburger Keller lagern: DFB-Pokalfinale 2004, DFB-Pokalfinale 2006, UEFA-Cup-Finale 2006 und Champions-League-Finale 2007.

Das stimmt nicht ganz. Den Ball aus dem UEFA-Cup-Endspiel besitze ich nicht.

War Ihnen das Spiel etwa nicht bedeutend genug?

Doch, natürlich! Aber er ist mir abhanden gekommen.



Wie das?

Der FC Sevilla hatte gegen den FC Middlesbrough 4:0 gewonnen, vielleicht erinnern Sie sich. Ich hatte einen ruhigen Abend und als die 90 Minuten fast abgelaufen waren, überlegte ich bereits, wie ich den Ball bekommen könnte. In der 89. Minute schoss Kanouté das 4:0, für eine lange Nachspielzeit bestand kein Anlass. Der Ball flog in meine Nähe – ich pfiff ab und griff mir das gute Stück. So weit so gut, doch plötzlich wurde ich von einem Trupp Spanier bedrängt, die offenbar ebenfalls sehr gerne den Finalball in ihren Besitz bringen wollten.

Mussten Sie nachträglich Verwarnungen erteilen?

Das nicht, und eigentlich hatte ich ja Feierabend. Doch ich konnte mich durchsetzen und den Ball behaupten. Endlich ließen sie von mir ab, die Siegerehrung konnte beginnen.

Wie also konnten Sie den Ball dann noch verlieren?

Weil ich nicht mit dem Ball unter dem Arm aufs Treppchen steigen wollte, gab ich ihn meinem Schiedsrichterbetreuer und sagte: »Pass gut darauf auf, leg ihn in meine Kabine und schließ ab!« Was er dann auch tat.

Und Sie konnten entspannt die Siegerehrung genießen.

Genau. Aber als ich wieder in meine Kabine kam, war der Ball weg. Ein unschöner Moment. Das Spiel war aus und mein Souvenir war weg!

Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Nein, aber mein Schicksal erinnerte mich an das eines ehemaligen Kollegen.

Wurde dem auch schon einmal der Spielball geklaut?

So ähnlich: 1997 leitete er das DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen Energie Cottbus. Ich saß mit einigen anderen Schiedsrichterkollegen auf der Tribüne und bemerkte, dass er es ganz offensichtlich vergessen hatte, sich beim Abpfiff in der Nähe des Balles aufzuhalten. Erst nachdem er das Spiel beendet hatte, fiel es ihm wieder ein, er sprintete zum Ball und wollte ihn sich greifen, aber Giovane Elber hatte den Braten gerochen und donnerte das Spielgerät auf die Tribüne. Was haben wir gelacht!

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