Weltrekord-Stürmer Archie Thompson feiert Jahrestag

»Irgendwann wurde mir langweilig«

Heute vor zwölf Jahren verprügelte Australien das arme Amerikanisch Samoa mit 31:0. Australiens Torjäger Archie Thompson traf damals 13 Mal – Weltrekord. Wir sprachen mit Thompson über seinen ewigen Rekord, erwartungsfrohe Belgier und seinen Ziehsohn Robbie Kruse.

Archie Thompson ist einer der wenigen Fußballer, der seinen Torweltrekord wohl für immer sicher hat, selbst vor Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Am 11. April 2001 katapultierte sich der australische Angreifer mit 13 Treffern beim legendären 31:0 gegen Amerikanisch Samoa in die Geschichtsbücher. Thompson, der Vater aus Neuseeland, die Mutter aus Papua-Neuguinea, sammelte seine gesamte Karriere über Bestmarken. So erzielte er im vorigen Dezember bei einem 9:0 gegen Guam innerhalb von zehn Minuten nach seiner Einwechslung drei Treffer. Nur unterschiedliche Zeitangaben verhindern bislang die Anerkennung als schnellster Länderspiel-Hattrick. Dafür traf er im australischen Meisterschaftsfinale 2007 für seinen Verein Melbourne Victory, dessen Rekordtorjäger er ist, fünf Mal gegen Adelaide United. Auch das, man mag es erahnen, ein Rekord. Gründe genug, mit dem australischen Torjäger zu sprechen.




Archie Thompson, heute vor zwölf Jahren haben Sie sich in die Geschichtsbücher geschossen. Erinnern Sie sich eigentlich noch an alle 13 Tore gegen Amerikanisch Samoa?
Nein, nein, nein. Um ehrlich zu sein, habe ich anschließend nie wieder eine Aufzeichnung des Spiels gesehen. Nur ein, zwei Mal die Tore im Schnelldurchlauf.

Sind Sie stolz auf den Rekord?
Schauen Sie, Sie müssen auf jeden Fall berücksichtigen, gegen wen wir da gespielt haben. Aber solche Spiele muss man trotzdem gewinnen, und ich bin halt fürs Toreschießen zuständig. Für mich ist es natürlich toll, mit einem Weltrekord in den Geschichtsbüchern verewigt zu sein, ist doch klar.

Wie war das eigentlich auf dem Feld: Waren Sie gelangweilt vom Toreschießen?
Ja, irgendwann kam ich an diesen Punkt. Die Spieler von Amerikanisch Samoa, darunter ja ein paar Jugendliche, taten uns alle ein wenig leid. Aber für sie war es wiederum eine große Ehre, gegen uns anzutreten. Doch dieses Spiel ist genau der Grund, weshalb wir uns nicht mehr über Ozeanien, sondern über Asien für die großen Turniere qualifizieren. Wir wollen uns weiter entwickeln. Auch auf die Gefahr hin, nicht bei der WM dabei zu sein.

War der Weltrekord für Ihre weitere Karriere eigentlich eine Last?
Als ich im Sommer 2001 nach Belgien zu Lierse SK wechselte, hatte offensichtlich jeder von diesen 13 Toren gehört und erwartete große Wundertaten von mir. Am besten fünf, sechs Tore pro Spiel! (lacht)

Auch wenn es nicht fünf, sechs Tore pro Spiel waren, haben Sie regelmäßig für Lierse getroffen und wurden schnell zum Publikumsliebling. Warum sind Sie dann 2005 wieder zurück nach Australien gegangen, statt Ihre Karriere in Europa voran zu treiben?
In Lierse hätte ich auf jeden Fall bleiben können. Sie haben mir einen weiteren Vertrag angeboten, aber meine Frau war mit unserem zweiten Kind schwanger, und das war der Hauptgrund, wieder heimzukehren. Es passte natürlich, dass gerade diese neue Liga in Australien (die A-League, d. Red.) gestartet wurde, über die ich schon so viel gehört hatte. Ich wollte nach Hause, konnte auch noch professionell Fußball spielen und das in Victoria, wo ich meine Kinder groß ziehen konnte. In Australien, dem meiner Meinung nach schönsten Land der Welt!

In Europa wird die A-League meistens ins Spiel gebracht, wenn große Stars eine angenehme Abschlussstation für ihre Karriere suchen. Oder sie wird mal erwähnt, wenn hier gescheiterte Spieler down under aufblühen. Wie hat sich die Liga aus Ihrer Sicht entwickelt?
Ich habe diese Liga wachsen sehen, von der ersten bis zur jetzigen achten Saison. Das Niveau des Wettbewerbs ist gestiegen, es kommen mehr Zuschauer, die Spieler werden besser – und dabei helfen auch die namhaften Spieler wie jetzt Alessandro del Piero, Emile Heskey oder Shinji Ono. Die mögen in der Endphase ihrer Karriere sein, aber sie wollen noch immer Meisterschaften und Trophäen gewinnen. Aber vor allem produzieren wir auch einige großartige australische Talente. In Deutschland seht ihr es ja aktuell mit Robbie Kruse.

Der spielt eine richtig ordentliche Saison für Fortuna Düsseldorf Düsseldorf.
Er hat hier mit mir in Melbourne gespielt. Wir sind enge Freunde. In Melbourne war er für mich immer wie ein Sohn. Und jetzt bin ich ziemlich stolz auf ihn.

Australien war zuletzt zwei Mal in Folge für eine WM qualifiziert. Planen Sie fest für Brasilien?
Wir tun uns schwer und spielen zurzeit nicht allzu gut. (Nach fünf Spieltagen der vierten Qualifikationsrunde steht Australien auf Platz 3 der Gruppe 2, d. Red.) Doch wir haben es noch selbst in der Hand. Wir spielen nur noch zu Hause, außer gegen Japan, aber die sind ja schon so gut wie qualifiziert. Und wir sind als Nationalmannschaft eigentlich immer am stärksten, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen.

Vorausgesetzt, Australien schafft es – sehen wir Archie Thompson in Brasilien?
Ich würde liebend gerne dort hin, das würde meine Karriere wirklich abrunden. Aber erst einmal möchte ich Teil der Mannschaft sein, die sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert.

Sie werden bald 35, es dürfte Ihre letzte Weltmeisterschaft sein nachdem Sie in Deutschland 2006 zwar im Kader standen, aber nicht zum Einsatz kamen.
Ich habe meine Rolle in der Nationalmannschaft immer verstanden und mich richtig einzuordnen gewusst. Und meistens war ich eher Ergänzungsspieler …

… der in den Quali-Spielen ran durfte, wenn die Europa-Legionäre nicht anreisen wollten?
Wir haben mittlerweile so viele tolle Spieler, die in großartigen Ligen spielen, da ist es für mich einfach eine Ehre, überhaupt die Chance zu haben, Teil der Nationalmannschaft zu sein.

Das heißt also, Sie haben noch keinen Rekord für die Weltmeisterschaft geplant?
(lacht) Nein! Außerdem bin ich mir relativ sicher, dass sich Amerikanisch Samoa nicht für Brasilien qualifizieren wird.

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