27.03.2010

Weltmeister Hansi Pflügler wird 50

»Gottseidank nie Superstar«

Fünf Meisterschaften, ein WM-Titel und unzählige Blutgrätschen: Zu seinem 50. Geburtstag spricht Hansi Pflügler über Endlos-Meisterfeiern, Schalker Fouls, Traumtore von Klinsmann und van Basten sowie Maradona beim Autowaschen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Sie haben einige große Stürmer als Gegenspieler erlebt: 1987 konnten Sie gerade noch den Kopf einziehen, als Jürgen Klinsmann mit seinem Fallrückzieher das Tor des Jahres erzielte.  

Das war ein Foul, das sieht man heute noch, gefährliches Spiel! Nein, ernsthaft: Das hat er überragend gemacht. Hut ab, Respekt.  

1988 waren Sie im EM-Halbfinale gegen Holland dabei, als Marco van Basten eines der schönsten Tore der Fußballgeschichte erzielte.  

Wir haben in Hamburg gespielt haben, von 50.000 Zuschauern im Stadion waren 40.000 Holländer. Das war unglaublich, ein absolutes Auswärtsspiel. Die Holländer hatten eine überragende Form gehabt und uns dann berechtigt geschlagen.  

Erinnern Sie sich an van Bastens Tor? Sie hoben den Arm, doch Kohler hob das Abseits auf.  

Nicht wirklich. Das wird eine Zeit lang verarbeit und dann verdrängt. Gottseidank.  

Sie sind nie Trainer geworden. Warum nicht?  

Da bist du ja wieder im gleichen Geschäft und hast wieder die gleichen Urlaubszeiten. Als Trainer kannst du sicherlich Leute führen und sie begeistern. Aber ist das fünf Spiele mal nicht der Fall, dann ist der Trainer fällig. In der Bundesliga, im Ausland, in Zweiter und Dritter Liga gibt es vielleicht 70 Arbeitsplätze. Da musst du flexibel bleiben und deine Familie bereit sein, oft umziehen.  

Sie haben als erster Bundesligaspieler ein Ingenieursstudium abgeschlossen, sind den Leuten aber eher als Fußballarbeiter in Erinnerung. Max Merkel sagte einmal:
»Lieber zehn Minuten Maradona beim Autowaschen zuschauen als Pflügler 90 Minuten beim Fußball.«  

Ja mei, ich habe trotzdem meine Karriere gemacht. Ich war auch eher ein Arbeiter und nie der filigrane Techniker. Ich habe von der Ausdauer, von der Physis, von der Zweikampf- und Kopfballstärke gelebt. Mit Willen und Emotionen kann man viel bewegen. Wenn man Robben oder Messi sieht, wird einem schon Angst und bange. Aber jeder hat seinen Spaß am Sport und da tun mir solche Sprüche nicht weh, die gehören mit dazu.  

Vor dem Pokal-Halbfinale am Mittwoch ging es wenig um das Filigrane, sondern um Fouls. Hat Christian Nerlinger damals wirklich so viel gefoult?  

Der Christian war auch ein sehr körperbetonter Spieler. Er hat sicher gefoult, ist aber auch oft gefoult worden. Aber im Pokal war es schon krass, da hat Schalke wesentlich mehr gefoult. Ich habe mich gewundert, dass der Schiedsrichter fast ohne Karten ausgekommen ist. Aber das war ja auch letztes Jahr mit Hoffenheim der Fall: Sobald die einen Ball verloren haben, wurde der Lauf des Gegners unterbrochen, um sich wieder zu sortieren. Die waren am Anfang halt cleverer. Es darf eben nur nicht auffallen.  

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