27.03.2010

Weltmeister Hansi Pflügler wird 50

»Gottseidank nie Superstar«

Fünf Meisterschaften, ein WM-Titel und unzählige Blutgrätschen: Zu seinem 50. Geburtstag spricht Hansi Pflügler über Endlos-Meisterfeiern, Schalker Fouls, Traumtore von Klinsmann und van Basten sowie Maradona beim Autowaschen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Hansi Pflügler, Sie werden heute 50...

Dafür kann ich nichts. Da müssen Sie meine Mutter interviewen.  



Wie werden Sie den Geburtstag feiern?

Im Kreis der Familie. Für Genaueres fragen Sie meine Frau, ich lasse mich überraschen.

Sie brauchen den großen Rummel also nicht mehr?  

Nein. Aber den ganz großen Rummel habe ich sowieso nie gehabt. Ich war nie einer von den Superstars. Leider oder Gottseidank. Eher Gottseidank.

Blickt man mit 50 wehmütig zurück?

Man schaut zurück und denkt: Okay, so ist alles super gelaufen. Ich lebe in Bayern, bin gesund und seit dreißig Jahren beim gleichen Arbeitgeber angestellt. Ich komme nicht ins Schwitzen wegen eines supergroßen Einkommens, sondern bekomme stetig mein Gehalt. Ich bin bodenständig geblieben und zufrieden.  

Sie haben 13 Jahre beim FC Bayern München gespielt. Was bleibt hängen?  

Der Weltmeistertitel 1990 liegt ganz oben auf der Latte. Aber auch als wir 1986 in der letzten Minute Deutscher Meister wurden, im letzten Spiel 6:0 gegen Gladbach gewannen und Bremen 1:2 in Stuttgart verlor.  

Wie erinnern Sie sich an das Spiel?  

Es ist gleich super losgegangen, Lothar Matthäus machte in der ersten Minute das 1:0. Wir haben dann mehr auf die Auslinie geachtet, wie es im Radio in Stuttgart steht, als auf den Platz. Auf Geheiß von Udo Lattek haben wir von Samstag bis Mittwoch durchfeiern müssen. Wir mussten jeden Tag in den Biergarten - eine Pflichtveranstaltung! Und zum Dank haben wir am Samstag darauf Stuttgart im Pokalfinale 5:2 geschlagen.  

Was bleibt noch?  

Einige Europokalspiele: Als wir 1988 im UEFA-Pokal zu Hause 0:2 gegen Inter Mailand mit Matthäus und Brehme verloren und dann da unten 3:1 gewannen. Oder 1987, als Klaus Augenthaler in Madrid einem Real-Spieler die Hörner zeigte, vom Platz flog und wir doch noch weiterkamen. Aber auch die Landesmeisterpokal-Endspiele, als wir gegen 1982 Aston Villa das Spiel bestimmt haben und 0:1 verloren, und die Blamage 1987 gegen Porto. 

Was bedeutet ihnen im Rückblick mehr – der WM-Titel oder Ihre fünf Meisterschaften mit den Bayern?  

Gut, wir wurden Weltmeister und ich war dabei. Ich habe ein Spiel gemacht, das war supertoll, nett, danke an Franz Beckenbauer noch einmal. Aber wenn man selber Akteur ist, fast alle Spiele gemacht hat und Meister wird, dann hat das noch einmal eine andere Gewichtung.  

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