Welche Rolle spielt der Kopf im Abstiegskampf?

»Jeder Spieler ist verantwortlich«

Der ehemalige Bundesliga-Profi Martin Meichelbeck ist Direktor Sport bei Greuther Fürth, außerdem Sportpsychologe. Als Spieler ist er zwei Mal auf- und zwei Mal abgestiegen. Ein Gespräch über Ängste, Attributionsfehler und Borussia Dortmund. 

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Martin Meichelbeck, aus Ihrem großen Erfahrungsschatz als Spieler und Verantwortlicher: Wie fühlt sich ein Abstieg an?
Das ist natürlich nicht so schön. Ich habe es zuletzt in Fürth in verantwortlicher Position erlebt. Wir sind auf- und wieder abgestiegen.

Ein schwieriger Prozess?
Abstiegskampf ist mit sehr vielen negativen Energien behaftet. Da spielen Ängste und Konflikte mit. Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit. Viele Dinge bekommen eine Bedeutung, denen man im Erfolgsfall keine beimisst.

Ein Spieler merkt: Es wird ernst. Wir sind im Abstiegskampf. Was passiert im Kopf?
Auf der emotionalen oder kognitiven Ebene spielen Ängste eine Rolle. Ängste vor Fehlern, aber auch Ängste, die auch mit dem eigenen Image zu tun haben. Zudem gibt es im Verein wirtschaftliche Ängste, oft auch Existenzängste. Es gilt dabei, die Fans und Sponsoren in einem konstruktiven Dialog zu halten. Aus meiner Erfahrung als Spieler, Psychologe und Verantwortlicher kann ich sagen: Das Grundproblem für die Spieler im Abstiegskampf besteht darin, dass man im Misserfolgsfall häufig Attributionsfehler begeht und die Fehler meistens außerhalb seiner Welt, external sucht. Man sucht Fehler bei Mitspielern, Trainer, Management, Platz,… generell bei den Umständen – und vernachlässigt die Perspektive auf sich selbst.

Was steckt dahinter?
Das macht man sicherlich auch aus einem gewissen Selbstschutz heraus, um seinen eigenen Selbstwert hoch zu halten.

Sie sagten einmal: »Druck entsteht nur im eigenen Kopf.« Dennoch: Gibt es einen Punkt, ab dem Druck von außen entsteht? Aktuelles Beispiel Dortmund: Massen an enttäuschten Fans, dazu eine negative Presse und permanente Zwischenrufen von sogenannten Experten.
Das nimmt man natürlich wahr. Aber letztendlich ist immer entscheidend, wie man mit der Bewältigung dieser Dinge umgeht. Welche Copings (Bewältigungsstrategien, d. Red.) man für sich entwickelt. Für mich dabei wichtig: Richtige Attribuierung. Dass man richtig und konstruktiv mit sich umgeht.

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