25.08.2009

Wehener Torwart in Mpumalanga

»Eine verrückte Geschichte«

Thomas Richter stand für die SV Wehen Wiesbaden im Tor. Nun unterschrieb er einen Vertrag beim südafrikanischen Erstligisten Mpumalanga Black Aces. Wir sprachen mit ihm über den exotischen Karriereschritt.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Herr Richter, Mpumalanga Black Aces heißt Ihr neuer Klub. Man kennt in Deutschland die Kaizer Chiefs und hat schon mal von den Orlando Pirates gehört, aber Mpumalanga Black Aces…

Bis vor drei Wochen konnte ich damit auch nichts anfangen.

Wie kam es dann zu dem exotischen Engagement?

Das ist eine witzige Geschichte. Ich wollte schon länger nach Südafrika. Aber irgendwie hat das nie funktioniert. Und dann rief Anfang August der südafrikanische Verbindungsmann meines Beraters in Deutschland an und meinte, SuperSport United sucht einen Torwart. Das ist der amtierende Meister und einer der großen Klubs im südafrikanischen Fußball.



Klingt interessant.

Ich habe auch gleich für den nächsten Tag einen Flug gebucht, weil ich möglichst schnell nach Johannesburg kommen sollte. Doch dann, kurz vor der Abfahrt zum Flughafen, rief der Mann aus Südafrika wieder an und meinte, SuperSport United habe doch die letzte freie Ausländerstelle mit einem Stürmer besetzt. Ich war total enttäuscht.

Und Sie haben die Koffer wieder aus dem Auto getragen.

So ungefähr. Eine Stunde später war der Mann in Südafrika erneut am Telefon. Er sagte, es gebe eine andere Möglichkeit. Der Aufsteiger Mpumalanga Black Aces brauche einen Torwart. Also packte ich die Sachen wieder ein und fuhr zum Flughafen.

Aber Sie hatten von dem Klub noch nie etwas gehört.

Das war mir in dem Augenblick egal. Mein Vertrag bei Wehen war ausgelaufen und ich hatte keine Lust auf einen Job in der dritten Liga oder in der 2. Liga auf der Bank zu sitzen. Ich wollte nach Südafrika.

Warum gerade Südafrika?

Ich war mit der Studentennationalmannschaft zweimal dort gewesen, 2005 und 2007. Das Land hat mich sofort begeistert. Zum einen wegen der Mentalität der Menschen. Sie sind so herzlich. Die Leute kommen mit wenig aus und machen das Beste daraus. Südafrika hat zudem landschaftlich alles zu bieten. Und neun Monate im Jahr scheint dort jeden Tag die Sonne.

Vor dem Anruf aus Südafrika haben Sie sich beim Landesligisten TSV Gersthofen fit gehalten.

Mein Bruder spielt dort. Ich wollte im Kreis meiner Familie sein, die im Augsburger Univiertel wohnt. Von daher war es klasse, dass ich in Gersthofen mittrainieren konnte. Es hat großen Spaß gemacht. Ich habe bei der einen oder anderen Übungseinheit auch im Feld gespielt. Aber einen Vertrag als Mittelfeldspieler hat man mir nicht angeboten.

Wie war der Start in Südafrika?

Sehr gut. Die Leute im Klub haben alles dafür getan, dass meine Frau und ich uns gut einleben. Inzwischen haben wir auch eine Wohnung gefunden. Was die Infrastruktur im Klub angeht, kann man das natürlich nicht mit deutschen Verhältnissen vergleichen. Aber ich habe kein Problem damit, wenn die Kabinen nicht in perfektem Zustand sind.

Unterscheidet sich der Trainingsalltag von dem in Deutschland?

Gar nicht mal so. Hier wird fast mehr trainiert als in Deutschland. Es ist schon vorgekommen, dass unser Trainer selbst am Spieltag noch eine Übungseinheit angesetzt hat. Er ist Nordire und versucht, europäische Ideen und Strukturen einfließen lassen will.

Und wie ist die Atmosphäre im Stadion?

Die Stimmung auf den Rängen ist sehr gut. Die Leute tanzen die ganze Zeit und blasen in ihre Vuvuzelas. Es gibt keine Schlachtgesänge wie in Deutschland. Manchmal hat man den Eindruck, den Zuschauern ist es egal, wie es steht. Die machen ihr eigenes Ding. Sie kommen verkleidet ins Stadion, als wäre Fasching.

In zehn Monaten beginnt in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft. Spürt man das im Alltag schon?

Auf jeden Fall. In Johannesburg ist alles auf Fußball ausgerichtet. An jeder Ecke steht eine WM-Countdown-Tafel, auf der die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zum Eröffnungsspiel runtergezählt werden. Alle freuen sich darauf, das wird eine große Sache.

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