Wegen Insolvenz: Der Lüneburger SK zieht um

»Das Flutlicht nehmen wir mit«

Sportlich läuft für den Lüneburger SK alles nach Plan. Trotzdem muss der Verein mitten in der Saison aus dem heimischen Stadion ausziehen und mobilisiert dafür seine Fans. Wir sprachen mit Vorstandsmitglied Gerald Kayser.

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Gerald Kayser, der Lüneburger SK verlässt mitten in der Saison das heimische Sportgelände im Stadtteil Wilschenbruch. Warum?
Gegen unseren Klub läuft seit 13 Jahren ein Insolvenz-Verfahren. Der Insolvenzverwalter hat nun einen Investor gefunden, der auf unserem Sportgelände 20 Villen bauen möchte. Mit dem Verkaufserlös können die Gläubiger ausgezahlt werden, die seit 2001 auf ihre Forderungen warten.

Was bedeutet das für den Verein?
In erster Linie ist damit das Verfahren abgeschlossen. Wir sind von allen Altlasten befreit und können optimistisch in die Zukunft blicken. Andererseits steht für den kompletten Verein ein Umzug an.

Wo geht es hin?
Es gibt ein Konzept für eine neue Anlage, die wir aber frühestens 2016 beziehen können. Bis dahin sind wir auf verschiedene Anlagen anderer Vereine in Lüneburg aufgeteilt. Unsere erste Männermannschaft wird auf der Anlage des befreundeten TSV Bardowick unterkommen.

Dieser Plan ist für andere Städte schwer vorstellbar. Gibt es in Lüneburg keine ernsthafte Rivalität zwischen den einzelnen Klubs?
Es gibt definitiv eine sportliche Rivalität, aber die wurde in diesem besonderen Fall ganz hinten angestellt. Die Solidarität der anderen Vereine ist unglaublich und wir sind dafür wirklich dankbar.

Der Spielbetrieb ist geregelt. Was passiert mit den materiellen Werten auf der Anlage?
Das Stadion fällt der Abrissbirne zum Opfer. Dazu gehört leider auch unsere Holztribüne, in Deutschland immerhin die zweitälteste dieser Art. Von dem Rest versuchen wir so viel wie möglich mitzunehmen. Dazu gehören auch unsere Turmanlage für den Stadionsprecher, die Fluchtlichtanlage und die Gastronomiecontainer. Ein Großteil soll für die neue Anlage eingelagert werden.

Wie bewerkstelligt der Lüneburger SK den Umzug?
Wir erwarten für den Abtransport zwischen 30 und 40 ehrenamtliche Helfer, die alle ordentlich anpacken werden. Auch von ehemaligen Lüneburgern haben wir Nachrichten bekommen, dass sie sich für den Umzug Urlaub nehmen würden, um uns zu unterstützen. Diesbezüglich sind wir also wirklich gut versorgt.
Finanziell kommt aber noch einiges auf uns zu.

Um welche Summen geht es?
In den nächsten Jahren rechnen wir mit einem fünfstelligen Betrag.
Manche Dinge lassen sich nicht so leicht abtransportieren. Da brauchen wir professionelle Unterstützung und das richtige Werkzeug. Zudem müssen wir uns in der Übergangszeit an den Platzmieten der anderen Vereine beteiligen. Deshalb haben wir die Aktion »Umzugshelfer« ins Leben gerufen.

Das bedeutet?
Wer den Lüneburger SK unterstützen möchte, sollte Umzugshelfer werden. Man kann auf der Seite www.lsk-umzugshelfer.de einen virtuellen Umzugskarton erwerben. Das Geld fließt dann in den Abtransport, die Einlagerung oder die kommenden Platzmieten. Unabhängig vom Preis des Kartons bekommt jeder Unterstützer ein eigenes Umzugshelfer-Zertifikat.

Wie wird die Aktion bisher angenommen?
Wir haben nach zwei Wochen schon über 50 Unterstützer. Darüber sind wir sehr glücklich. Natürlich hoffen wir aber auf weitere Unterstützer.

Der Verein geht mit den Umzugshelfern neue Wege. Hätte eine ähnliche Aktion den Klub vor der Insolvenz bewahren können?
Natürlich macht man sich seine Gedanken. Damals war so etwas aber noch nicht vorstellbar. Die Generation, die heute auf solche Ideen kommt und sie auch professionell umsetzen kann, ist erst seit vier Jahren im Vorstand aktiv. Umso zuversichtlicher schauen wir in die Zukunft.

Apropos Zukunft: Der Lüneburger SK steht aktuell auf Platz zwei der Oberliga und hat gute Chancen, in die Regionalliga aufzusteigen. Wäre Viertliga-Fußball nach dem Umzug überhaupt vorstellbar?
Aus organisatorischer Sicht steht dem Ganzen nichts im Wege. Uns wurde vom Verband zugesichert, dass wir während Übergangszeit auch in Bardowick Regionalliga spielen könnten. Der Aufstieg hängt also nur noch von sportlichen Faktoren ab.

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