25.04.2013

Was verschlägt einen deutschen Fußballprofi nach Basel, Markus Steinhöfer?

»Mein Ziel bleibt die Bundesliga«

Markus Steinhöfer steht mit dem FC Basel im Europa-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea. Wir sprachen mit dem deutschen Legionär über den Schweizer Fussball, die Europa League und seine Beziehung zu Thorsten Fink.

Interview: Sebastian Wolf Bild: Imago

Sie scheinen sich in Basel sehr wohl zu fühlen. Auch die schweizerischen Medien hatten Sie schnell ins Herz geschlossen und lobten Sie besonders für Ihre rasante Integration. Hatten Sie nicht mal Probleme mit dem recht eingenwillig klingenden Schweizerdeutsch?
Hochdeutsch und Schweizerdeutsch sind schon etwas unterschiedlich. Aber für mich ist es sehr schnell ganz normal geworden. Meine Mannschaftskameraden reden auch nur noch Schweizerdeutsch mit mir, antworten muss ich allerdings auf Hochdeutsch. Insgesamt hat es eigentlich wirklich nur ein bis zwei Woche gedauert bis ich mich hier wohl gefühlt habe. Eine schnelle Integration war auch wichtig, um direkt auf dem Platz Leistung zeigen zu können.

Abseits des Fußballs zieht es immer mehr Deutsche in die Schweiz. Ist die Lebensqualität in der Schweiz höher?
Ich muss gestehen, dass ich vorher nicht viel über die Schweiz wusste. Aber seit den vergangenen zweinhalb Jahren kann ich schon sagen, dass es wohl kaum ein schöneres Land zum Leben gibt. Man hat hier Berge, man hat die Seen und dazu noch ein warmes Klima. Vielleicht ist die Lebensqualität also minmal höher als in Deutschland, aber dafür ist das Leben auch wesentlich teurer (lacht).

Sportlich könnte es für Sie auch kaum besser laufen. Sie sind Stammspieler und stehen nun dank eines 4:1-Erfolgs im Elfmeterschießen gegen Tottenham Hotspur im Europa-League-Halbfinale – der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des FC Basel. Wie haben Sie diese spektakuläre Europapokalnacht erlebt?
Wir haben in Tottenham ein Wahnsinnsspiel gemacht, wussten aber gleichzeitig, dass das Rückspiel schwierig werden würde. Es wurde eine emotionale Achterbahnfahrt. Das Drehbuch hatte an diesem Abend wohl ein Elfmeterschießen vorgesehen. Als unser Sieg letztendlich feststand, war es einfach Freude pur. Das lässt sich nicht mit Worten beschreiben. Man kann die Emotionen vielleicht mit den Champions-League-Erfolgen gegen Manchester und die Bayern aus der vergangenen Saison vergleichen.

Dabei wird die Europa League zumeist nur noch als Auslaufmodell abgestempelt.
Als wir die Champions-League-Qualifikation gegen Cluj verpasst hatten, sagte ein Journalist auf einer Pressekonferenz: »Es ist nur die Europa League«. Ich finde diese Aussage ein wenig despektierlich, denn es ist immer noch ein Wettbewerb bei dem man sich mit Top-Mannschaften aus ganz Europa misst, den sollte man nicht unterschätzen.Wir haben zum Beispiel in dieser Saison schon gegen Sporting Lissabon, Zenit St. Petersburg und Tottenham gespielt. Es kann eben nicht jeder in die Champions League. Es würde etwas fehlen, wenn es die Europa League nicht mehr geben würde.

Im Halbfinale trifft der FC Basel nun auf den FC Chelsea – ein Wunschlos?
Ich hätte mir Chelsea lieber für das Finale aufgehoben und gegen Fenerbahce gespielt. Aber durch die Siege gegen Manchester in der letzten Champions-League-Saison und den Sieg gegen Tottenham vor ein paar Wochen haben wir uns großen Respekt in England verschafft. Wir wissen, was wir können und müssen deshalb nicht mit zitternden Knien nach London fahren.

Haben Sie eine Erklärung, warum Ihnen die englischen Teams so gut liegen?
Gegen Manchester und Tottenham haben wir einfach versucht, unser Spiel beizubehalten und uns nicht zu verstecken. Es war immer ein Kampf mit offenem Visier. Die Engländer haben ähnlich offensiv agiert wie wir. Vielleicht liegt uns diese Spielweise ein wenig.
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