Was reißt Mainz in der Europa League, Nikolce Noveski?

»In der Kabine ist kein Platz mehr frei«

Heute Abend startet Mainz 05 in die Europa League. Kapitän Nikolce Noveski ist mittlerweile seit elf Jahren bei den Rheinhessen. Im Interview spricht er über die bisherigen Europapokal-Erfahrungen, den neuen Trainer Kasper Hjulmand und die Mainzer Neuzugänge.

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Nikolce Noveski, erinnern Sie sich an Gaz Metan Medias?
Natürlich. Vor drei Jahren, Euro-League-Quali. Wir sind in Medias extrem unglücklich ausgeschieden. Das vergisst man nicht.
 
Sie schieden in Rumänien im Elfmeterschießen aus. Wie bitter war das Aus?
Ich erinnere mich noch gut an die Stimmung in der Kabine. Wir waren unheimlich enttäuscht und sauer, weil wir zig Chancen hatten und klar die bessere Mannschaft waren. Aber so ist der Fußball nun einmal.
 
Sie gehen nun in ihre elfte Saison in Mainz. 2005/06 scheiterten Sie bereits in der ersten Runde des UEFA-Cups. Warum hat es für Mainz bisher noch nie für die Gruppenphase gereicht?
Wie gesagt: Gegen Medias waren wir selber schuld. 2005 spielte eher das Los-Pech eine Rolle.
 
Sie trafen auf den FC Sevilla…
… der Verein, der anschließend zweimal den UEFA-Pokal gewann. Wir haben ein gutes Hinspiel gezeigt und 0:0 gespielt, im Rückspiel wollten wir dann zu viel und haben 0:2 verloren. Wir haben Lehrgeld gezahlt.
 
In dieser Saison starten Sie wie damals gegen Medias in der dritten Qualifikations-Runde in die Europa League. Was bedeutet die Teilnahme für Mainz 05?
Für den Verein ist das überragend. Dass wir nun wieder international mitspielen dürfen, unterstreicht die Entwicklung der vergangenen Jahre. Es wäre schön, wenn wir in diesem Jahr mal die Gruppenphase erreichen. Sollten wir das schaffen, können sich Team und Fans auf sechs richtig tolle Spiele freuen.
 
Der erste Gegner auf dem Weg dorthin heißt Asteras Tripolis. Der Verein wurde in der Vorsaison in Griechenland Tabellenfünfter. Das klingt machbar.
Wenn man das so hört, würde ich ihnen zustimmen. Ich bin mir eigentlich sicher, dass wir, wenn wir unsere gewohnte Leistung bringen, auch weiterkommen.
 
Besteht die Gefahr, dass Sie den Gegner unterschätzen?
Das Spiel vor drei Jahren gegen Gaz Metan Medias sollte uns eine Lehre sein. Es sind noch einige Spieler von damals dabei. Daher habe ich keine Angst, dass jemand Asteras unterschätzt.
 
Was ändert sich in einer Saison-Vorbereitung, wenn man schon drei Wochen vor dem Ligastart sein erstes wichtiges Pflichtspiel hat?
Die Situation ist zwar nicht optimal, wir sind aber früher als viele Bundesligisten in die Vorbereitung gestartet. Daher sind wir jetzt, wenn andere erst die Grundlagen abgeschlossen haben, schon beim spielerischen Feinschliff angekommen. Ich glaube, der frühe Termin stellt keine Probleme dar.
 
In diesem Sommer hat Kasper Hjulmand Thomas Tuchel abgelöst. Was halten Sie vom neuen Trainer?
Bislang habe ich einen sehr guten Eindruck. Kasper Hjulmand ist ein offener Mensch, der gerne und viel über Fußball redet. Seine Spielphilosophie ist außerdem ähnlich wie die von Thomas Tuchel. Er liebt den Ballbesitz, das aggressive Pressing und schnelle Gegenpressing. Das kommt uns entgegen, weil wir es schon kannten.


Sie haben zuvor schon Jürgen Klopp und Thomas Tuchel miterlebt. Wie schwierig war die Umstellung auf Hjulmand?
Von der spielerischen Idee war sie wirklich nicht besonders schwer, da alle drei tatsächlich ein ähnliches Konzept verfolgen. Trotzdem bringt ein Trainerwechsel natürlich immer auch neue Herausforderungen mit sich.
 
Welche sind das aktuell?
Kasper Hjulmand ist neu in der Bundesliga. Er beherrscht beispielsweise die Sprache noch nicht perfekt. Er versteht zwar vieles, ab und zu fehlen ihm aber noch die Worte. Also reden wir viel auf Englisch.
 
Was macht Hjulmand in der Tagesarbeit anders als etwa Tuchel?
Die Trainingsinhalte haben sich verändert. In der Vorbereitung haben wir vor allem Ausdauer und Schnelligkeit trainiert. Wir haben viele kurze, schnelle Übungen gemacht, sowohl mit und auch ohne Ball. Das kannten wir so früh in der Vorbereitung bislang nicht.
 
Haben Sie bereits eine Macke bei Hjumland feststellen können?
(lacht) Ich weiß nicht, ob es eine Macke ist. Aber er ist besonders cool und abgeklärt. Damit erfüllt er ein bisschen das Klischee des tiefenentspannten Skandinaviers. Obwohl er auch dazwischenhauen kann.
 
Als Neuzugänge kamen bisher die Rechtsverteidiger Daniel Brosinski und Gonzalo Jara, Torwart Stefanos Kapino und Stürmer Filip Djurcic. Wie zufrieden ist der Kapitän Nikolce Noveski mit den Neuen?
Mein erster Eindruck ist, dass Manager Christian Heidel richtig gute Arbeit gemacht hat. Die vier überzeugen durch eine Menge Erfahrung, Abgeklärtheit und spielerische Klasse. Bisher habe ich sie aber nur im Training und in Testspielen sehen können. Schauen wir mal, wie sie sich in der Liga machen.
 
Hat Sie einer der Neuen schon besonders beeindruckt?
Filip Djurcic hat in den wenigen Trainingseinheiten einen tollen Eindruck hinterlassen. Der Junge ist unheimlich stark am Ball. Er hat nicht umsonst bei Benfica Lissabon gespielt.
 
Manager Heidel erklärte zuletzt, er habe darauf geachtet, den bestehenden Kader in der Breite zu verstärken und sprach von einer »richtig guten Mannschaft«. Spürt man die Konkurrenz?
Oh ja. Das merkt man schon in der Kabine. Es war dort noch nie so voll, eigentlich gibt es keinen freien Platz mehr. Das habe ich in elf Jahren Mainz noch nie erlebt. Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, die Konkurrenz ist groß.
 
Momentan sorgt Nicolai Müller für Schlagzeilen. Der HSV ist interessiert, der Spieler scheint einem Wechsel nicht abgeneigt zu sein, Christian Heidel hat aber sein Veto eingelegt. Belastet das die Mannschaft?
Für uns Spieler ist das nicht einfach. Ich kann sowohl Nicolai als auch die Haltung des Vereins verstehen. Nicolai hat mit uns über die Situation gesprochen. Es gibt Angebote, er steht aber noch in Mainz unter Vertrag. Im Endeffekt entscheidet der Verein. Wir als Mannschaft hoffen, dass es bald Klarheit gibt.
 
Nikolce Noveski, wann würden Sie von einem gelungenen Saisonstart sprechen?
Es wäre natürlich schön, wenn wir in der Europa League weiterkommen würden und auch im DFB-Pokal Mitte August einen guten Start erwischen. Wenn wir dann noch den einen oder anderen Punkt in der Bundesliga holen würden, wäre ich sehr zufrieden.

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