18.09.2013

Was reißt Austria Wien in der Champions League, Roman Kienast?

»Wir brauchen sechs perfekte Spiele«

Erstmals seit 2005 steht mit Austria Wien ein Team aus Österreich in der Champions League. Was ist von den Österreichern zu erwarten? Wir sprachen mit Stürmer Roman Kienast, der die Austria in die Königsklasse schoss.

Interview: Christoph Erbelding Bild: Imago

Roman Kienast, am Samstag haben Sie mit Austria Wien in der Bundesliga mit 2:3 gegen den SV Grödig verloren. Provokativ gefragt: War die Austria mit ihren Gedanken schon beim Erlebnis Champions League?
Nein, wir hatten an diesem Tag einfach nur kein Glück. Unsere erste Hälfte war überragend, doch wir haben es versäumt, dass 2:0 nachzulegen. Der Gegner war gut und hat unsere Fehler eiskalt bestraft. So etwas passiert. Unser Grundfokus wird trotz Champions League auch weiterhin ganz klar auf der Bundesliga liegen.

Klingt gerade so, als würde die Champions League der Austria nicht so viel bedeuten.
Das ist natürlich nicht so. Wir freuen uns alle unglaublich, unter den besten 32 Mannschaften Europas dabei zu sein. Das ist wichtig für ganz Österreich. Ich weiß nicht, ob man in Deutschland das nachvollziehen kann, aber als österreichisches Team hat man es nun einmal nicht leicht, dort dabei zu sein.

Dabei sah es in der Qualifikation zwischenzeitlich ganz düster aus. Nach dem 2:0-Hinspielsieg lag die Austria gegen Dinamo Zagreb zwischenzeitlich mit 1:3 zurück. Sie wurden gut zehn Minuten vor Spielende eingewechselt und haben dann den entscheidenden Treffer zum 2:3-Endstand erzielt. Was haben Sie gedacht, als das Spiel in Richtung Zagreb auszuschlagen schien?
Ganz ehrlich: Das darf doch nicht wahr sein! Aber andererseits auch: Wir haben immer noch alle Chancen, wir können es noch schaffen, das dürfen wir uns doch jetzt nicht mehr nehmen lassen. Das habe ich dann auch gedacht, als ich auf den Platz kam.

Da diese Teilnahme für Österreich so wichtig ist, wurde sie sicherlich auch gebührend begossen.
Ein so großes Erlebnis mussten wir natürlich ein bisschen feiern, von daher haben wir nach dem Spiel schon ein paar Bier getrunken. Unser Trainer Nenad Bjelica hat das Training am nächsten Tag dann glücklicherweise auch von 10 Uhr auf 17 Uhr verlegt. Da war dann auch jeder Spieler pünktlich da (lacht). Aber spätestens zwei Tage nach der Qualifikation haben wir unsere Konzentration wieder auf die nächsten Aufgaben gerichtet.

Acht Jahre lang war kein österreichisches Team in der Champions League dabei. Wie erklären Sie sich diese lange Durststrecke?
Als österreichisches Team braucht man einen perfekten Tag, um im Konzert der Großen zu bestehen – und das gilt bereits für die Qualifikation, in der du bereits auf Spitzenteams triffst. RB Salzburg hat einen viel größeren Etat als wir. Die versuchen es ja schon seit ihrem Bestehen mit der Qualifikation, haben es aber bisher nicht geschafft.

Für Sie persönlich ist es die Rückkehr in die Champions League. Bei der letzten Teilnahme einer österreichischen Mannschaft in der Saison 2005/06 waren Sie noch bei Rapid Wien aktiv.
Ja, aber damals habe ich nur fünf Minuten im letzten Gruppenspiel gegen Juventus Turin gespielt, und die Partie haben wir 1:3 verloren.

Rapid Wien ist damals in einer Gruppe mit Juventus, dem FC Bayern und de FC Brügge mit sechs Niederlagen sang- und klanglos ausgeschieden. Woran lag das?
Der ein oder andere Punkt wäre drin gewesen. Nicht gegen Juventus, gegen die waren wir damals chancenlos. Aber gegen Bayern haben wir im Hinspiel einen Elfmeter verschossen. Geht der rein, starten wir vielleicht erfolgreich in die Gruppenphase und haben ganz andere Voraussetzungen. Schon damals galt: Wir brauchen sechs perfekte Spiele, um eine Chance zu haben. Wir hatten leider kein einziges.

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