Was macht Freddy Adu in Finnland?

»Er hat 400.000 Follower bei Twitter!«

Freddy Adu galt einst als das Wunderkind des amerikanischen Fußballs. Nun ist er im finnischen Kuopio gelandet. Was macht er da?

Bild: Tuomas Uusheimo
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Für unsere Reportage »Das Adu-Experiment« (jetzt in 11FREUNDE #164) reisten wir im April nach Kuopio, 400 Kilometer nördlich von Helsinki. Dort sprachen wir auch mit Freddy Adus Trainer Marko Rajamäki (früher Fußballprofi in Schottland, Finnland und beim FSV Zwickau) und Geschäftsführer Jarmo Heiskanen.
 
Jarmo Heiskanen, Freddy Adu stand vor einigen Jahren bei Manchester United, dem FC Barcelona und Real Madrid auf der Wunschliste. Nun spielt er für Kuopio KuPS. Wie sind Sie an den Spieler rangekommen?
Jarmo Heiskanen: Über seinen Berater. Dieser hatte uns schon ein paar mal Spieler angeboten. Einmal haben wir sogar einen verpflichtet, der sich dann aber als ziemliche Enttäuschung entpuppte. Der Berater hatte ein schlechtes Gewissen, und eines Tages schrieb er uns, dass Freddy Adu einen neuen Verein suche.
 
Adu hat früher Millionenbeträge verdient. Wie konnten Sie sich den Spieler leisten?
Heiskanen: Die Frage habe ich mir zu Beginn auch gestellt. Als ich dann dem Berater meine Zweifel äußerte, sagte der nur: Kein Problem. Es geht nicht ums Geld, Freddy will nur wieder spielen. Wenig später haben wir den Deal festgemacht.
 
Was verdient er denn?
Heiskanen: Nicht mehr als die anderen Spieler, also in etwa so viel wie ein gewöhnlicher Angestellter in Finnland.
 
Adus Karriere verlief nicht so, wie es die amerikanischen Fußballexperten prophezeiten. In den vergangenen zwei Jahren hat er nur zwei Pflichtspiele bestritten. Was konnten Sie ihm denn außer Spielpraxis bieten?
Heiskanen: Kuopio ist nicht so erfolglos, wie Sie vielleicht denken. Zumindest hat der Verein früher auch im Uefa-Cup oder im Landesmeister-Pokal gespielt. Einmal lief hier sogar Michel Platini mit Saint-Étienne auf. Wir verloren zwar 0:7. Trotzdem erzählt man sich heute noch davon. Ein Freund von mir ist jedenfalls sehr stolz, dass er Platini mit einem Fehlpass ein Tor aufgelegt hat. (Lacht.)
 
Mit lustigen Anekdoten gewinnt man aber keine Spieler für sich.
Heiskanen: Natürlich nicht. Wie Sie sagen: Freddy ging es in erster Linie um Spielpraxis. Nach seinen turbulenten Jahren wollte er zudem Erstligafußball an einem Ort spielen, wo es ein bisschen ruhiger zugeht. Wo nicht täglich Leute vor der Tür stehen und die Geschichte vom gescheiterten Wunderkind hören wollen. Kuopio kann ihm das alles bieten.
 
Adu betonte bei seiner Vorstellunbg außerdem seine besondere Beziehung zu Finnland.
Heiskanen: Hier hat alles angefangen. Im August 2003 spielte er bei der U17-WM und war der beste Spieler des Turniers. Davon hat er uns und den Journalisten bei der ersten Pressekonferenz natürlich auch erzählt.
 
Bei seinen letzten Vereinen wirkte Adu oftmals wie ein Werbegag.
Marko Rajamäki: Um mehr Zuschauer ins Stadion zu locken? Ach, diese ganze Wunderkind-Sache ist mir total egal. Freddy ist für mich nicht mehr das 14-jährige Kind, sondern ein 25-jähriger Mann.


 
Aber Sie kennen seine Geschichte?
Rajamäki: Natürlich. Und klar, die alten Youtube-Videos sind sensationell, aber daran messen wir ihn nicht.
Heiskanen: Aber wenn wir ehrlich sind, hoffen wir natürlich auch ein bisschen darauf, dass ein paar mehr Leute zu den Spielen kommen. Allerdings nicht so marktschreierisch wie andernorts.

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