Was macht eine Fußball-Lese-Schule?

»Maradona war immer vergriffen«

Erst kicken, dann lesen. Eine ungewöhnliche Kombination, die nach Vorstellung der Limburger Stadtjugendpflege trotzdem funktioniert. Ein Gespräch über ausgelesene 11FREUNDE-Ausgaben, Wolf-Dieter Poschmann und den FSV Frankfurt.

Privat

Boris Erk, als Leiter der Stadtjugendpflege veranstalteten Sie kürzlich das Ferienprojekt »Kicken&Lesen«. Wie kann der Fußball Lesebegeisterung fördern?
Sehr gut sogar. Die Herangehensweise ist entscheidend. Schließlich findet Fußball nicht nur auf dem Platz statt, sondern erhält schon seit jeher Raum in Zeitungen, Romanen und Zitaten. Mit unserem Ferienprogramm »Kicken & Lesen« haben wir über zehn Tage versucht, die Kinder über den Fußball für das Lesen zu begeistern.

Wie kamen Sie auf die Idee?
Die Hessenstiftung schreibt seit 2011 zusammen mit dem FSV Frankfurt das Projekt »kicken & lesen« aus, für das wir uns in Zusammenarbeit mit der Limburger Kulturenwerkstatt in den vergangenen drei Jahren erfolgreich beworben hatten. Wir gehen dabei nicht mit Zwang wie im Schulunterricht vor, sondern versuchen, nach dem Fußballtraining die Kinder beispielsweise durch Biographien der Fußball-Profis zum Lesen zu animieren.

Wie wurden die Kinder für dieses Projekt ausgewählt?
Durch unsere Arbeit in der Stadtjugendpflege kennen wir zahlreiche sogenannte »leseferne Familien«, deren Kindern häufig der Zugang zu Büchern verwehrt bleibt, und die wir verstärkt anzusprechen versuchen. Aber wir haben auch häufiger Gymnasiasten in unserer Gruppe.

Und welche Bücher wurden besonders gerne gelesen?
Die Biographie von Diego Maradona war fast immer vergriffen. Aber auch das aktuelle 11FREUNDE-Magazin blieb selten liegen. Es ist wichtig, dass eine gesunde Mischung angeboten wird. Die dicken Roman-Schinken sind häufig noch zu schwierig.

Wie glauben Sie wirkt sich das »Kicken&Lesen«-Projekt auf den Alltag der Teilnehmer aus?
Ob jeder der Jugendlichen nun häufiger ein Buch lesen wird, kann ich nicht beurteilen. In diesem Alter stehen schließlich viele andere Interessen im Vordergrund. Aber die ersten Hemmschwellen konnten wir sicherlich gemeinsam überwinden.

Morgens Fußball, nachmittags Lesestunde. Das klingt eigentlich schon nach Zwang.
Nein, das wäre doch schnell langweilig geworden. Die Jungs hatten an jedem Tag die Gelegenheit, eine Persönlichkeit aus dem Limburger Raum zu interviewen. In den vergangenen Jahren besuchten uns auch das Frankfurter Fanprojekt, der Regisseur Sönke Wortmann wurde per Videotelefonie interviewt.

Zwei der Kinder durften in diesem Jahr einen prominenten Sportjournalisten interviewen. Begann das nervöse Zittern als sich am anderen Ende des Telefons der bekannte Kommentator Wolf-Dieter Poschmann meldete?
(lacht) Nein, ich glaube, hierfür fehlte der direkte Bezug zu dieser Persönlichkeit. Aber unsere Jungs haben das am Telefon schon sehr cool gemacht! Herr Poschmann hat sich als Interviewpartner sehr viel Mühe gegeben und durch die ausführlichen Antworten sicherlich auch das letzte Stück Nervosität genommen.

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