28.08.2011

Was macht der FC Bayern besser, Andreas Rettig?

»Ich habe zu Hoeneß aufgeschaut«

In unserer neuen Titelgeschichte »Die Bayern Formel« befassen wir uns mit der Frage, was die Männer von der Säbener Straße besser machen als die Konkurrenz. Wer wüsste das besser als Andreas Rettig, Manager des Lokalrivalen FC Augsburg? Wir sprachen mit ihm.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Andreas Rettig, sind Sie dem FC Bayern für irgendetwas dankbar?

Andreas Rettig: Für die vollen Arenen. Die Spiele gegen den FC Bayern sind überall ausverkauft. Auch bei uns hier in Augsburg waren die Karten für das Heimspiel gegen den FC Bayern als erste vergriffen. Das sagt eigentlich schon alles über den Stellenwert dieses Vereins.

Ist es wünschenswert, dass der FC Bayern dauerhaft Konkurrenz bekommt, über Jahre hinweg und nicht nur punktuell?

Andreas Rettig: Ich sehe es durchaus als Stärke der Liga an, dass in den letzten Jahren verschiedene Mannschaften, etwa Bremen, Stuttgart, Wolfsburg und Dortmund, in der Lage waren, Deutscher Meister zu werden. Das sorgt für Abwechslung und Spannung, das macht den Fußballstandort Deutschland insgesamt attraktiv – gerade im Vergleich zu Italien oder England, wo seit langem nur jeweils zwei Vereine den Titel geholt haben.



Der FC Bayern hat einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Das Interesse an ihm ist nicht nur sportlicher, sondern auch boulevardesker Natur.

Andreas Rettig: Natürlich kennt jeder Schuljunge die Nummer 25 im Kader des FC Bayern. Aber man muss die Reihenfolge beachten: Zuerst war der sportliche Erfolg da, dann erst das Interesse an den Geschichten dahinter. Wenn die Leute sich nur für Skandale interessieren würden, hätte 1860 den Bayern längst den Rang abgelaufen.

Ist der FC Bayern mehr eine Marke als ein bloßer Verein?

Andreas Rettig: Er polarisiert zumindest mehr als andere Vereine. Auf nationaler Ebene gibt es nur zwei Parteien: Bayernfans und Bayernhasser. Auf internationaler Ebene allerdings drücken die meisten dem FC Bayern die Daumen. Das zeigt letztendlich, dass dieser Verein eine Marke ist – in dem Sinne, dass er die Bundesliga in Europa und der Welt repräsentiert.

Einige Klubs hatten mal die gleiche Ausgangsposition, Köln in den Sechzigern, Gladbach in den Siebzigern, der HSV in den Achtzigern. Warum sind die heute nicht da, wo der FC Bayern ist?

Andreas Rettig: Was das Beispiel Gladbach anbelangt, fällt die Antwort einfach aus: Dort hat man es versäumt, frühzeitig in ein größeres Stadion zu investieren. Eine strategische Fehlentscheidung. München hatte zeitgleich die Olympischen Spiele in der Stadt, das Stadion wurde eröffnet, und damit hatte der FC Bayern schon den entscheidenden Vorsprung für die Zukunft.

Heute gilt er als die absolute Nummer 1 im deutschen Fußball. Ein Status, der immer weiter zementiert wird: Bei den TV-Übertragungen etwa erhält er stets den Vorrang gegenüber anderen Vereinen.

Andreas Rettig: Nicht von ungefähr, denn die Quoten sind ja entsprechend besser. Der FC Bayern in Person seines Finanzvorstandes Karl Hopfner kann sich darüber freuen. Klar ist aber auch, dass die anderen Vereine dadurch benachteiligt sind. Doch es hilft nichts: Die übertragenden Anstalten handeln ja nicht willkürlich, sondern halten sich schlichtweg an die normative Kraft des Faktischen.

Karl-Heinz Rummenigge fordert deswegen regelmäßig eine größeren Teil der TV-Gelder für den FC Bayern ein.

Andreas Rettig: Bei der DFL saß ich Kalle gegenüber, und wir haben oft darüber gestritten. Ich bin froh, dass der FC Bayern am Ende die Solidarität höher bewertet hat als die blanken Eigeninteressen. Er hat begriffen, dass die Stadien so voll sind und der Standort so gesund ist, weil in der Bundesliga das Geld gerecht verteilt wird. Und die Bundesliga ist nun einmal auch das Lebensumfeld der Bayern. Ein Blick in die Serie A, wo der Wettbewerb kaputt ist und die Tribünen leer bleiben, ist Warnung genug.

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