Was macht André Schubert so erfolgreich?

»Der richtige Trainer für diesen Verein«

Für seinen Film »Trainer!« begleitete Regisseur Aljoscha Pause (»Tom meets Zizou«) Gladbach-Trainer André Schubert einst auf Schritt und Tritt. Er weiß, warum dieser Mann solch einen Erfolg hat.

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Aljoscha Pause, in welche Schublade der Trainer-Typen können wir André Schubert stecken?
Die muss wohl erst noch gebaut werden. Meiner Meinung nach ist das Geheimnis seines Erfolgs, dass er sich in keine dieser vorgefertigten Schubladen stecken lässt.

Können Sie ihn für uns charakterisieren?
Ein sehr intelligenter Mann, witzig, gleichzeitig sehr korrekt und präzise. Als ich ihn damals für meinen Film das erste Mal kennenlernte, wirkte er auf mich zunächst gar nicht wie ein klassischer Fußballer. Aber das Bild korrigierte sich bald, als ich feststellen durfte, wie sehr der Mann für seinen Job brennt. 24/7 dachte er an Fußball und unterschied sich damit auch nicht von seinen Kollegen. Außerdem ist er ein unglaublich guter Kommunikator. Und ich habe den Eindruck, dass er inzwischen auch bei den Spielern genau den richtigen Ton trifft.



Inzwischen?
Als wir uns kennenlernten, arbeitete André Schubert für St.Pauli. Dort führte er die Mannschaft in einer überragenden Saison 2011/12 fast in die Bundesliga, wurde dann aber doch ziemlich überraschend im September 2012 beurlaubt. Eine erste Brechung in seiner zuvor steilen Trainerkarriere. Und einer der Gründe, so hieß es, war wohl die gestörte Kommunikation mit den Spielern. Gleichzeitig hatte er so gar keine Lust, sich von der Hamburger Medienszene instrumentalisieren zu lassen.

Was hat er damals falsch gemacht?
Ich würde gar nicht von Fehlern sprechen. Ich glaube eher, dass die Erfahrung St.Pauli mit ausschlaggebend für seinen aktuellen Erfolg ist. Die Höhen und Tiefen haben seine Persönlichkeit noch weiter entwickelt und sein Gespür geschärft. Er ist ein besserer Trainer geworden, soweit ich das beurteilen kann. André hat unglaublich viel Leidenschaft für seinen Job, vielleicht hat er damals aber auch einfach zeitweise übertrieben. Das hat ihn auch privat beschäftigt, wie man in meinem Film sehen kann. Letztlich kann so eine Mischung nicht gut sein für einen Fußballtrainer.

Anders gefragt: was macht er heute besser?
Er hat an Erfahrung gewonnen und ich habe das Gefühl, er sieht die Dinge heute viel gelassener. Man merkt, dass er noch immer ein unglaublich akribischer Arbeiter ist, ein Mann, der sehr viel Energie verströmt, wenn es um seinen Job geht. Und er lässt sich auch weiterhin nicht vom Geschäft und der Medienlandschaft korrumpieren. André ist ein sehr uneitler Trainer, der die große Bühne nicht braucht. Aber die ist zumindest jetzt erstmal wieder sein Arbeitsplatz und deshalb hat er es geschafft, sich damit zu arrangieren. Er überzieht jetzt nicht mehr so sehr, kann auch mal abschalten, wenn ihm die Arbeit über den Kopf zu wachsen droht. Sich aus einer schwierigen Phase in so eine positive Richtung zu entwickeln, ist meiner Meinung nach eine große Leistung. Viele schaffen das nicht.

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