Was machen Sie gerade, Herr Cardoso?

»Ich trinke Kaffee!«

Spielmacher Rodolfo Cardoso war beim legendären 4:4 des Hamburger SV gegen Juventus Turin dabei. Ruht er sich immer noch von diesem Jahrhundert-Thriller aus? Wir erreichten den Argentinier in der Stellinger Arena. Was machen Sie gerade, Herr Cardoso?

Herr Cardoso, wo erwischen wir Sie gerade?

Ich sitze hier auf dem Gelände des Hamburger SV, trinke einen Kaffee und warte auf den Trainingsbeginn. Ich will bei den Profis ein bisschen zuschauen. Seit Anfang 2009 trainiere ich ja die zweite Mannschaft des HSV.

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Wollten Sie als Spieler auch schon immer Trainer werden?

Ich habe eigentlich nie gedacht, dass ich einmal Trainer werden würde. Nach meiner aktiven Karriere habe ich für den Verein als Scout gearbeitet. Das machte mir aber nicht so viel Spaß, weil ich so viel unterwegs war. Didi Beiersdorfer merkte das und bot mir an, Trainer der B-Jugend zu werden. Wir waren erfolgreich, und auf dem Trainingsplatz habe ich mich wohlgefühlt. Ich konnte den Jungs etwas zeigen, sie haben mich respektiert. Über die A-Jugend bin ich dann zur U 23 gekommen.

Das nächste Ziel lautet logischerweise Bundesligatrainer...

Ich habe mich schon für den Trainerlehrgang angemeldet, der im Juni beginnt. Wenn ich den Schein schaffe, schaue ich, was sich für Möglichkeiten ergeben.

Am Wochenende spielt Hamburg gegen Wolfsburg. Vor zehn Jahren gab es unter Ihrer Mitwirkung einmal 16 Tore in zwei Spielen gegen die Wölfe.

Ich kann mich sehr gut erinnern. Wolfsburg war meine Lieblingsmannschaft, ich habe fast immer gegen die getroffen. Es war auch ein kleines Derby. Wir haben schon 4:1 geführt, ich habe zwei Tore gemacht, das eine ein direkter Freistoß, das andere nach Zusammenspiel im Sechzehner mit Mehdi Mahdavikia. Wenn wir gewonnen hätten, wären wir ganz oben dran geblieben. Das war natürlich etwas dumm, dass wir noch den Ausgleich bekommen haben.

Auch gegen Juventus Turin spielten Sie im gleichen Jahr 4:4. Für viele HSV-Fans ist das eines der emotionalsten Spiele aller Zeiten gewesen.

Es war für mich alleine deswegen etwas Besonderes, weil es mein erstes Champions-League-Spiel war. Schon in der Woche vor dem Spiel gab es eine besondere Atmosphäre im Umfeld. Es war ein Riesenspaß, bei diesem Wahnsinnsspiel dabei zu sein. Am Ende fühlten wir uns wie die Sieger.

Als sie von Bremen nach Hamburg wechselten, wollte es zunächst aber nicht richtig klappen. Für eineinhalb Jahr gingen Sie zurück in Ihre Heimat Argentinien. Ihre schwerste Zeit?

Schon nach meinem Wechsel von Freiburg zu Werder kam ich nicht richtig zum Zug. Otto Rehhagel war weg, als neuer Spieler war es für mich doppelt schwierig. Dann holte mich Felix Magath nach Hamburg. Besonders erfolgreich waren wir aber nicht. Unter Pagelsdorf spielte ich dann nicht mehr. Als ein Angebot von Boca Juniors kam, habe ich nicht lange überlegt. Seit ich ein Kind bin, ist das meine Lieblingsmannschaft.

Ist »La Bombonera«, die Heimstatt von Boca, mit irgendeinem deutschen Stadion zu vergleichen?

Ich war 1996 bei der Europameisterschaft im Wembley-Stadion, aber mit Boca kann man das nicht vergleichen, die Stimmung dort ist einmalig. Es passen zwar nur 60.000 Leute hinein, ins Bernabeu oder den Camp Nou fast 100.000, aber die schreien nicht alle... In »La Bombonera« als Spieler aufzulaufen ist etwas, das man nie vergisst.

Warum entschlossen Sie sich, es doch noch einmal in der Bundesliga zu versuchen?

Ich hatte noch ein weiteres Jahr Vertrag beim HSV. Mein argentinischer Verein konnte die festgeschriebene Ablöse nicht bezahlen. Deswegen ging ich wieder nach Deutschland zurück. Da habe ich dann gezeigt, dass ich noch lebe...

Was sagen Sie zum Transfer, über den alle reden? Ist Ruud van Nistelrooy eine Verstärkung für den HSV?

Das ist keine Frage. Fakt ist aber, dass er ein Jahr kaum gespielt hat. Ich hoffe, dass er schnell auf die Beine kommt und ein paar Spiele machen kann. Vom Namen und seiner Qualität ist er für die Mannschaft ohne Zweifel ein Gewinn.

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