Was ist Ihr Geheimrezept, Peter Neururer?

»Ich bin einfach ich«

Peter Neururer hat den VfL Bochum wieder zum Leben erweckt. Nach vier Siegen in Folge stellt der 58-Jährige aber fest, dass »der Klub tabellarisch gesehen noch nicht viel erreicht« habe. Ein Gespräch über den letzten Schritt zum Klassenerhalt, sein Geheimrezept und seine Zukunft im Verein.

Peter Neururer, es fehlt nicht mehr viel und der VfL Bochum ist gerettet. Und Sie sind das Gesicht zu diesem Märchen. Können Sie schon realisieren, was in Bochum gerade passiert?
Das war schon gigantisch am vergangenen Wochenende. 22.000 Bochumer im Stadion, die ihre Mannschaft trotz des Rückstands gegen einen Aufstiegsaspiranten unablässig nach vorne gepeitscht hat, so dass wir am Ende mit 2:1 gewonnen haben. Die Stimmung nach dem Abpfiff war mit der von 2004 zu vergleichen, als wir in der Abschlusstabelle vor Dortmund und Schalke standen und in den Uefa-Cup eingezogen sind. Dabei haben wir tabellarisch gesehen, noch nicht viel erreicht. Wir brauchen noch einen Sieg, um in der 2. Bundesliga zu bleiben. Das ist sicherlich kein Ereignis, das man beim VfL feiern sollte. Allerdings kann diese Begeisterung für den VfL, die in den vergangenen Wochen entstanden ist, für uns Gold wert sein.

Die meistgestellte Frage landauf, landab ist: Wie hat der Neururer das gemacht. Was ist Ihr Geheimrezept?
Ich bin einfach ich. Und das durfte ich beim VfL schon immer sein. Zudem habe ich den Spielern drei Werte mit auf den Weg gegeben, die für mich in dieser schwierigen Situation von zentraler Bedeutung waren: Leidenschaft, Disziplin und Verantwortung. Den Rest haben die Mannschaft, die unglaublichen Fans und die Geschäftsstelle gemacht, die mit dem Slogan »Wir bleiben drin!« den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Hier ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, was für eine nachhaltige Entwicklung von großer Bedeutung ist.

War Ihr Auftaktsieg in Cottbus der glückliche Grundstein Ihres Erfolgsfundaments?
Es war auf jeden Fall der Katalysator. Vieles ist danach leichter von der Hand gegangen. Nicht zuletzt das Kritisieren der Mannschaft. Wenn wir verloren hätten, hätte ich in der Analyse und in der Ansprache nicht so deutlich sein können. Denn Fehler haben wir in Cottbus genug gemacht.

>> Ben Redelings über Peter Neururer

Die Mannschaft war ein angeschlagenes Wrack. Kein Selbstvertrauen, nur Verunsicherung. Erklären Sie der Fußball-Welt, wie man diesen Spielern wieder beibringt, ohne Angst gegen den Ball zu treten.
Durch verschiedene Maßnahmen. Natürlich sind Gespräche in so einer Situation sehr wichtig. Diese Mannschaft kann ja Fußball spielen, sie hat es nur nicht oft genug gezeigt und zudem viel Pech im Laufe der Saison gehabt. Dann ist es wichtig, hart auf dem Platz zu arbeiten und auf der anderen Seite die Situation durch den einen oder anderen Spruch aufzulockern. Zudem wollte ich es erreichen, dass sich die Spieler mit den Teamkollegen beschäftigen. Deshalb das Verbot von Kopfhörer und den Gebrauch von Handys, wenn wir als Mannschaft zusammen sind. Wenn dann die Spieler enger zusammenrücken, ist die Wahrscheinlichkeit für sportlichen Erfolg größer.

Ist das VfL-Märchen auch ein Stück weit Genugtuung für all die Häme, die Sie in den vergangenen vereinslosen Jahren einstecken mussten?
Es tut gut, wieder auf dem Platz zu stehen und mit den Jungs zu arbeiten. Ich fahre jeden Morgen mit einem breiten Grinsen und pfeifend zur Arbeit und anschließend mit der gleichen Stimmungslage heim. Ich fühle mich ausgelastet und gebraucht. Alles andere ist zweitrangig.

Der Feuerwehrmann im deutschen Fußball war eigentlich ja ausgestorben – könnten Sie Ähnliches auch mit Fortuna Düsseldorf oder der Dynamo Dresden vollbringen?
Das ist hypothetisch. Fakt ist, dass ich sechs Spiele vor Saisonende eigentlich keine Mannschaft übernehmen würde, wenn die im Kampf um den Klassenerhalt steckt. Doch als der VfL angerufen hat, musste ich nicht überlegen und habe sofort zugesagt. Dieser Verein war, ist und wird immer mein Verein sein. Hier habe ich Freunde fürs Leben gefunden.

Ab wann sprechen Sie mit dem Aufsichtsrat über Ihre Zukunft im Verein?
Wenn der Klassenerhalt perfekt ist. Das haben wir vor meinem Engagement beim VfL so vereinbart und daran halten wir uns.

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