01.09.2013

Was haben Sie in der Krawattenfabrik gelernt, Christian Hochstätter?

»Es wird viel geblufft«

Christian Hochstätter sanierte zuletzt eine Berliner Krawattenfabrik, jetzt ist er Geschäftsführer beim VfL Bochum. Für unser Bundesliga-Sonderheft sprachen wir mit ihm über Spielerberater, einen möglichen Aufstieg und Boutiquen.

Interview: Christoph Biermann Bild: Imago

Christian Hochstätter, nach Ihrer Entlassung als Sportdirektor bei Hannover 96 haben Sie vier Jahre außerhalb der Fußballbranche gearbeitet. Was haben Sie genau gemacht?
Zunächst bin ich noch als Spielerberater im Fußball geblieben. Die Perspektive, die man mir damals bei einer der größten Agenturen in Europa aufgezeigt hatte und damit, die andere Seite kennenzulernen, hat mich einfach gejuckt. Im Fußball gibt es dazu nicht so viele Möglichkeiten.

Und warum sind Sie nicht dabeigeblieben?
Ich sehe mich nicht als Akquisiteur, der irgendwo am Spielfeldrand steht und Spieler anquatscht, ob sie Lust hätten, bei der Agentur unterzukommen. Das war kein Job für mich. Aber in den sechs Monaten habe ich natürlich Einblicke bekommen, die ich vorher nicht hatte.

Inwiefern hilft Ihnen das heute?
Ich merke, dass die Berater wissen: Der hat selber als Berater gearbeitet und kennt sich aus. Ich weiß noch besser, wie oft gezockt wird. Da bekommt man von Beratern etwa ein Zeitlimit gesetzt, weil es noch Angebote von anderen Vereinen gibt, die aber nur fiktiv sind. Oder die Spieler haben vorher viel weniger verdient, als behauptet wird. Es wird viel geblufft.

Wie ist es nach dem halben Jahr als Berater weitergegangen?
Ich hatte nach meiner Zeit als Sportdirektor in Gladbach ein Fernstudium »Finanzdienstleistungen« angefangen, das ich unterbrechen musste, als ich in Hannover angefangen habe. Nach der Episode als Spielerberater bin ich bei einem Freund eingestiegen, dessen Firma Finanzdienstleistungen und Unternehmensberatung anbietet. Mich hat immer schon inte-
ressiert, warum eine Vermögensverwaltung zu 75 Prozent in Aktien investiert oder nur zu 60 Prozent. Wie kommen sie auf diese Aktien, welcher Fonds ist der richtige? Ich habe ein fiktives Portfolio erstellt und konnte mir so einen Überblick verschaffen.

Eine Simulation, um zu trainieren?
Genau. Und wenn etwas sehr gut lief, haben wir es unseren Kunden angeboten.

Haben Sie auch mal gedacht: »Eigentlich wollte ich Fußballmanager sein, und jetzt brüte ich hier über Aktienkursen?«
Gar nicht. Die einen sagen, der weiß nicht, was er will, der probiert alles aus. Die anderen sagen, der interessiert sich für Neues. Das ist Auslegungssache, aber ich wollte immer was über den Fußball hinaus machen. Deshalb hatte ich schon als Spieler in Mönchengladbach nebenbei eine Boutique.

War die erfolgreich?
Zunächst schon, aber ich habe damals unterschätzt, wie sauer die Leute bei Niederlagen auf dich sind. Wenn du verlierst und oben über dem Geschäft steht dein Name, läuft es schon mal schlechter. Nur, wenn ich auf etwas neugierig bin, dann mache ich das, deshalb bin ich auch in die Krawattenfabrik gegangen.

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