Was ein Gladbacher über Heynckes denkt

»Das tut natürlich weh«

Herbert Laumen spielte Anfang der Siebziger zusammen mit Jupp Heynckes in Gladbach. Hier spricht er über seinen alten Kollegen, die Rivalität zwischen Bayern und Borussia und den Vorgarten von Jupp Heynckes. Was ein Gladbacher über Heynckes denktImago

Am Samstag steht das Traditionsduell Gladbach gegen Bayern an. Mit Jupp Heynckes sitzt Ihr alter Mannschaftskollege auf der Bayern-Bank. Wie überrascht waren Sie, als sie von Heynckes Engagement in München hörten?

Ich war sehr überrascht. Wenn wir in Gladbach mit der Traditionself spielen wollten, dann hörte man immer nur, wie krank er sei. Nachdem er sein neues Kniegelenk bekommen hat, konnte er eine zeitlang kaum gehen. Deswegen haben wir ihn auch lange nicht mehr gesehen. Wir waren einige Male interessiert, dass er mal wieder mitmacht, aber er hat leider immer abgesagt. Als ich ihn dann gestern auf dem Trainingsplatz gesehen habe, war ich schon überrascht, wie fit er ist.

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Wie waren die Reaktionen in Mönchengladbach, als Heynckes Rückkehr bekannt wurde?

Hier waren alle genauso überrascht. Er hat ja nach seinem Abgang in Gladbach gesagt, er würde sich die Bundesliga nicht mehr antun. Auf einmal ist er dann Trainer bei den Bayern. Aber immerhin hat er jetzt die Möglichkeit, wenn er mit den Bayern doch noch überraschend die Meisterschaft holt, sich einen tollen Abgang als Bundesligatrainer zu verschaffen.

Wie stark ist Heynckes noch mit Gladbach verbunden?

Er betitelt die Borussia ja nach wie vor als »seinen Verein«. Deswegen tut es ihm sicherlich weh, dass er ausgerechnet in seinem ersten Spiel gegen Gladbach antreten muss. Gerade wenn man unsere derzeitige Situation mal betrachtet. Eine Niederlage am Samstag in München würde uns noch weiter in Richtung Abstieg stoßen.

Was meinen Sie, wie Jupp Heynckes den Spagat zwischen alter Liebe und neuer Aufgabe bewältigt?

Ich glaube, er kann das sehr gut wegstecken. Er hat ja schon gesagt, dass die Borussia bisher genügend Zeit hatte, ihre Punkte zu holen. Das sagt eigentlich schon alles aus.

Wie wird Heynckes wohl von den Gladbacher Fans empfangen werden
?

Ich denke mal, dass die Begrüßung nicht besonders freundlich ausfallen wird.

Heynckes trat am 31. Januar 2007 als Trainer bei Borussia
Mönchengladbach zurück. Können Sie einschätzen, warum hat Heynckes zweites Engagement nicht geklappt hat?

Mir hat es damals unheimlich leid getan, dass es nicht geklappt hat. Wir waren alle total begeistert, als er zurückkam nach Gladbach. Dass es dann so enden würde, hätten wir aber alle nicht für möglich gehalten. Aber wenn man die äußeren Umstände betrachtet, habe ich vollstes Verständnis für seine damalige Entscheidung. Morddrohungen und all das, was da vorgefallen ist, das ging ein bisschen zu weit.

Das Spiele zwischen Gladbach und Bayern leben von ihrer Tradition. Wird man manchmal ein bisschen wehmütig, wenn man an die alten Duelle in den Siebziger Jahren zurückdenkt?

Das tut natürlich ein bisschen weh. Wir waren immerhin in den Siebzigern mit den Bayern auf Augenhöhe. Das der Unterschied so krass geworden ist, kann man eigentlich nur auf einen Grund zurückführen: Die Bayern bekamen damals das riesige neue Stadion, und wir mussten für internationale Wettbewerbe immer wieder nach Düsseldorf ausweichen. Außerdem musste Helmut Grasshoff damals immer wieder die besten Leute verkaufen. Die Bayern hatten das nicht nötig, die haben eher eingekauft. Und so klaffte langsam, aber sicher eine Lücke zwischen diesen beiden Vereinen.

An welche Partie gegen die Bayern erinnern Sie sich noch am besten?


Das war das Spiel vom 14. April 1971. Damals war es ja so, dass entweder die Bayern oben standen oder wir. Das ging es in den Spielen automatisch um die Meisterschaft. Das ist heute ja leider anders. Wir haben damals die Bayern zu Hause mit 3:1 geschlagen und einen ganz wichtigen Schritt in Richtung Titelverteidigung gemacht. Es war ein wirklich tolles Spiel, von beiden Seiten. Ich erinnere mich noch, dass ich damals gegen Bulle Roth gespielt. Kein leichter Gegenspieler, aber ein Tor hat er trotzdem nicht gemacht.

Was tippen Sie für das Spiel am Samstag?

Alles andere als eine Niederlage der Borussia wäre eine Riesenüberraschung.

Und am Ende der Saison holt Jupp Heynckes die Meisterschale nach München?

Ich habe das Gefühl, dass das klappen könnte. Nachdem die Wolfsburger am letzten Wochenende schlapp gemacht haben und selbst noch nach Stuttgart müssen, besteht zumindest die Möglichkeit, dass die Bayern das wirklich noch schaffen können. Mit den Gerüchten um Felix Magath kommt jetzt auch noch ein wenig Unruhe auf. Die Bayern könnten am Ende der lachende Dritte sein. Oder vielleicht der VfB Stuttgart. Mit denen muss man immer rechnen.

Nehmen wir an, die Bayern gewinnen mit Jupp Heynckes am Samstag gegen Gladbach und holen am Ende der Saison die Meisterschaft. Kann Heynckes dann mit ruhigem Gewissen nach Gladbach zurückkehren oder muss er damit rechnen, dass sein Vorgarten verwüstet wird?

Er muss sich um seinen Garten keine Sorgen machen (lacht). Jupp ist jederzeit willkommen in Mönchengladbach . Ich gönne ihm die Meisterschaft von ganzem Herzen. Aber nur, wenn er am Samstag verliert.


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