31.01.2013

Was der Balotelli-Transfer für Milan und Italien bedeutet

»Berlusconi brauchte einen Coup«

Italien steht kurz vor den Parlamentswahlen und just zu diesem Zeitpunkt verpflichtet Milan-Boss Silvio Berlusconi Mario Balotelli. Francesco Velluzzi, Redakteur von Gazzetta dello Sport, erklärt was der Transfer Balotellis für Mailand bedeutet und warum er Berlusconi politisch wenig nutzen wird.

Interview: Raffaela Angstmann Bild: Imago

Francesco Velluzzi, der AC Mailand hat gerade ManCity-Stürmer Mario Balotelli verpflichtet. Warum hat sich Berlusconi den Stürmer gerade jetzt geschnappt?
In Italien stehen gerade wichtige Parlamentswahlen an und Berlusconi brauchte einen großen Coup, um Sympathien zu gewinnen, also fuhr er alle Geschütze auf und bediente sich mal wieder an den Vorzügen des Fußballs. Damit wollte er sich in der Lombardei und bei den Mailänder Fans beliebt machen.

Denken Sie, dass dieser Transfer politisch entscheidend sein könnte?
Im Sammeln von Stimmen und Anhänger mobilisieren war Berlusconi schon immer sehr gut. Er ist bekanntlich ein »Medientier« und beeinflusst die Leute mit seinen Versprechen. Der Balotelli-Coup wird ihm aber wohl kaum mehr als ein bis 1,5 Prozent zusätzliche Stimmen einbringen. Diese werden aber nicht ausschlaggebend sein.

Mit der Verpflichtung von Ronaldinho 2008 soll er sogar zwei Prozent Stimmen dazu gewonnen haben.
Heute sieht die Situation in Italien komplett anders aus. In den vergangenen Jahren wurde es für ihn immer schwieriger, die Zustimmung der Leute zu bekommen. In seinen 18 Jahren in der Politik hat Berlusconi zu viele Probleme für das Land geschaffen. Die Leute trauen seinen Versprechen nicht mehr und sind seiner Politik und Partei überdrüssig geworden. Daran wird auch die Verpflichtung eines außergewöhnlichen Spielers nichts ändern.

Man könnte meinen, es wurde auf diesen Transfer hin gespart. Denn lange hieß es bei Mailand, es sei kein Geld mehr vorhanden, alle Stars wurden verkauft. Und nun kann man sich plötzlich einen Stürmer für 20 Millionen Euro leisten?
Zurzeit hat der AC Mailand tatsächlich nicht viel Geld zur Verfügung. Marina, die Tochter von Berlusconi, hat alle möglichen Transfers gestoppt und wollte sparen, aber für eine Wahlkampagne von diesem Ausmaß steht natürlich Geld zur Verfügung. Die Wahlen sind schließlich in knapp 20 Tagen.

War der Wechsel nur politisch motiviert?
Milan brauchte unbedingt einen Neuzugang. Die anstehenden Wahlen und das Ende des Transferfensters waren die Hauptgründe. Sie mussten jetzt zugreifen und das konnten sie nur, weil Manchester City den Preis gesenkt hat.

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