12.06.2013

Was denken ehemalige U21-Spieler über den heutigen Nachwuchs?

»Die Jungs sind heute viel weiter«

Fern übt sich, wer den begehrten Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef machen will: Die ehemaligen U21-Spieler Markus Feldhoff und René Rydlewicz, sowie Jens Kiefer vom SV Elversberg sind momentan in Israel, um die Spiele der deutschen U21 auszuwerten. Wir sprachen mit ihnen.

Interview: Stephan Knieps Bild: Imago

Markus Feldhoff, René Rydlewicz und Jens Kiefer haben Ende Mai an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef mit 21 anderen den Fußballlehrer-Lehrgang des DFB angefangen. Als erstes sind sie nach Israel zur U21-EM gereist: zur Spielanalyse. Sie wohnen im Nachbarhotel der deutschen Mannschaft, direkt am Strand. Rydlewicz ist sportlicher Leiter der U19 von Energie Cottbus, Feldhoff war dort vor kurzem Assistenztrainer von Cottbus, Kiefer ist gerade mit seinem SV Elversberg in der Relegation gegen 1860 München II in die 3. Liga aufgestiegen. »Unser Erfolgscoach«, wie Feldhoff sagt. Es gibt israelischen Cappuccino. Gegen Ende des Gesprächs kommt Patrick Herrmann an den Tisch gejoggt. Und setzt sich dazu.

Markus Feldhoff, René Rydlewicz und Jens Kiefer: Können Sie kurz erklären, warum Sie hier in Israel sind?
Markus Feldhoff: Wir sind in kleine Gruppen aufgeteilt, jede Gruppe betreut eine Mannschaft bei diesem Turnier. Wir analysieren Spielaufbau, Spielfortsetzung, Offensive, Defensive, Umschaltspiel. Wir müssen Videos von Spielszenen zusammenschneiden, die unsere Beobachtungen untermauern. Das tragen wir dann den anderen vor. Der Vortrag darf maximal 20 Minuten dauern.

Sind Sie dabei, wenn Rainer Adrion im Kreis der Mannschaft taktische Anweisungen gibt?
René Rydlewicz: Nein. Wir sind unabhängig von der deutschen Mannschaft hier, im Rahmen unserer Trainerausbildung. Aber wir haben halt das Glück, die deutsche Mannschaft zu betreuen.

Wie sieht das in der Praxis aus: Filmen Sie die Spiele selbst?
Feldhoff: Ja, während eines Spiels hilft uns immer einer aus einer anderen Gruppe. Der filmt das komplette Spiel in der Totalen.

Worauf müssen sie achten?
Jens Kiefer: Wir schauen zunächst, welches Spielsystem in der Defensive und welches in der Offensive gewählt wird.

Wie sah das im Spiel Deutschland gegen Spanien aus?
Feldhoff: Da spielte Deutschland defensiv ein 4-4-2, offensiv ein 4-2-3-1. Aufgrund des Gegners mussten sie ab und zu mal in ein 4-3-3 verschieben, weil Lewis Holtby einen spanischen Mittelfeldspieler übernehmen musste, da auch Spanien mit 4-3-3 spielte. Deutschland hat schon sein eigenes System, das sich aber phasenweise auch nach dem Gegner orientiert – gerade wenn der so stark ist wie Spanien am Sonntag.
Rydlewicz: Die Deutschen spielten am Anfang Angriffspressing, dann Mittelfeldpressing, und teilweise Abwehrpressing. Da sind alle Varianten vertreten. Wir schauen, wann was stattfindet und ob die Mannschaft es bewusst macht oder vom Gegner dazu gezwungen wird.

Hat Spanien das Spiel gemacht, wie es immer so schön heißt?
Feldhoff: In den ersten zehn Minuten war es vollkommen offensichtlich, dass Deutschland vorne attackieren und Druck machen wollte. Die Spanier schaffen es aber dann sich trotzdem mehrmals zu befreien – weil ihre Spieler individuell so extrem gut sind,. Dann sah man gleich, dass sich die Deutschen wieder etwas zurückzogen, weil sie sich nicht so sicher fühlte und merkten: Der Gegner ist so gut, dass er auch das hinbekommt.

Spielt die spanische U21 genau wie die A-Mannschaft auf Ballbesitz?
Rydlewicz: Als Zweck ihrer Kombinationen steht nicht in erster Linie der Torschuss, sondern die Spanier spielen wirklich Fußball, um zu spielen. Und das durchgängig von hinten nach vorne. Das fängt schon beim Torhüter an, geht über die Innenverteidiger, über die Außen. Sie versuchen ständig, Dreiecke zu bilden, und wenn Raumgewinn dabei rauskommt, ist das gut. Aber wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm. Das hat schon Spaß gemacht, da zuzugucken.
Feldhoff: Aber man sieht es jetzt bei der U21 genau wie bei Barcelona oder der A-Nationalmannschaft: Klare Torchancen springen dabei eher selten heraus. Im Spiel gab es zwei, drei Schüsse aus 16 und 18 Metern, dann einen Pfostenschuss, der aber aus einem individuellen Abwehrfehler entstand. Das Tor fiel am Ende durch eine Einzelleistung.

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