18.10.2012

Warum Zweitliga-Profi Giovanni Federico zu Viktoria Köln wechselte

»Der Wille, mich zu quälen, hat mir gefehlt«

Giovanni Federico sollte in dieser Saison eigentlich den Zweitligisten VfL Bochum zu Ruhm und Ehre führen. Stattdessen kickt er nun bei Viktoria Köln in der Regionalliga. Wir sprachen mit ihm über den bewussten Abstieg, verpasste Chancen und das Fußballerdasein als Amateur.

Interview: Kai Griepenkerl Bild: Imago

Giovanni Federico, wie kommt es, dass Sie nicht mehr in der zweiten Liga spielen?
Der VfL Bochum hatte mir eine Frist für die Vertragsverlängerung gesetzt. Zu dem Zeitpunkt konnte ich aber noch nicht zusagen, weil zwei, drei andere Sachen für mich im Vordergrund standen. Eine Woche später hätte es von mir aus vielleicht geklappt, aber da war der Verein schon ziemlich weit in den Verhandlungen mit Alexander Iashvili vorangeschritten.

Waren Sie enttäuscht, dass der Verein recht zeitnah Ihren Nachfolger präsentiert hat?
Alexander ist ein guter Kumpel, einer von wenigen Fußballern, zu denen die Freundschaft nicht eingeschlafen ist. Wir haben ein halbes Jahr in Karlsruhe zusammengespielt und haben seitdem regelmäßig Kontakt. Und Trainer Andreas Bergmann, Sportvorstand Jens Todt und ich sind ehrlich miteinander umgegangen. Niemand ist sauer oder enttäuscht. Das war kein Problem. Ich bin auch nicht nachtragend.

Hatten Sie trotzdem noch die Hoffnung, in Bochum zu bleiben?
Wir standen immer in Kontakt – bis zur Verpflichtung von Yusuke Tasaka. Danach war klar, dass die Tür beim VfL zu ist, weil der Verein finanziell nicht viel Spielraum hat.

Lag Ihr zaghaftes Handeln darin begründet, dass Ihre Familie mehr Zeit eingefordert hat?
Natürlich ist mir meine Familie sehr, sehr wichtig. Dass man gerne viel Zeit mit seinen Kindern verbringen möchte, ist, glaube ich, bei jedem Vater so. Meine Frau hat gesagt: „Jetzt sind 14 Jahre rum, in denen wir das zusammen machen. Irgendwann muss der Weg als Profi zu Ende sein.“ Aber mit der Entscheidung, das Bochumer Angebot noch nicht anzunehmen, hat sie nichts zu tun gehabt.

Woran lag es denn, dass Sie noch Bedenkzeit benötigten?
Da waren viele Fragen in meinem Kopf: Wie ist die Perspektive von Mannschaft und Verein? Was passiert, wenn der Vertrag nach einem Jahr ausläuft? Wie ist meine Situation nach der Karriere? Und ein Rad hatte noch nicht in das andere gefunden. Eine Woche oder zehn Tage später hätte ich es vielleicht machen können.

Welche Rolle hat das Geld gespielt?
Es war klar, dass ich finanziell Abstriche machen muss. Es war immer noch ein faires Angebot, gemessen an den Möglichkeiten des VfL. Es war ja klar, dass der Verein bei einem dritten Jahr in der zweiten Liga nicht mehr so viele Möglichkeiten hat.

Gab es andere Angebote?
Nein, mich hat kein anderer Verein interessiert. Das weiß der Trainer auch. Für mich gab es nur den VfL oder erstmal nichts.

War es ein Fehler, frühzeitig anzukündigen, dass der VfL Ihr letzter Profiverein sein solle?
Mit meiner Familie passt momentan alles sehr gut. Deswegen hatte ich keine Lust mehr, umzuziehen. Da bleiben dann eben nicht mehr viele Vereine im Umkreis übrig.

Warum sind Sie im August zu Viktoria Köln gewechselt?
Die Viktoria hat ein vernünftiges Angebot gemacht und ich habe Spaß am Fußball. Es juckt noch. Und mein längster Weg zum Training dauerte mal eine Stunde. Normalerweise brauche ich 40 Minuten. Das geht doch. Daher habe ich noch mal ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Nach der Bekanntgabe Ihres Wechsels wurden Sie als Abzocker dargestellt. Ein falscher Eindruck?
Soll ich den Leuten jetzt meinen Vertrag zeigen? Das hat mit Abzocke nichts zu tun. Man kann bei Viktoria gut verdienen, aber es steht in keinem Verhältnis zur zweiten oder dritten Liga. Auch bei Viktoria gibt es Grenzen, das habe ich gemerkt.
Ist es schwer zu vermitteln, dass ab einem bestimmten Alter die Familie wichtiger ist als der Fußball?
Der Fußball war 20 Jahre lang sehr wichtig für mich. Es gab nichts außer Fußball und Familie für mich. Irgendwann ist es aber mit dem Fußball vorbei, dann hast du nur noch deine Familie. Da ist es doch klar, dass sie an erster Stelle steht. Da kann jeder reagieren, wie er möchte. Aber für mich ist das so und ich habe kein Problem damit, wenn andere das anders sehen.

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