Warum Thomas Eichin aufs Eis ging

»Eishockey ist entspannter«

Thomas Eichin bestritt 180 Bundesligaspiele für Borussia Mönchengladbach, heute ist er Geschäftsführer und Vize-Präsident des Eishockey-Klubs Kölner Haie. Wir sprachen mit ihm über seinen Weg vom Rasen aufs Eis. Warum Thomas Eichin aufs Eis ging

Herr Eichin, Sie sind vom Fußball zum Eishockey gewechselt. Wie kam es dazu?

Ich hatte schon immer eine hohe Affinität zum Eishockey, habe es in Freiburg auch immer gespielt. Als ich 1996 zum ersten Mal aufgehört habe mit dem Fußball, begann bereits meine erste Tätigkeit als Marketing-Assistent. 1998 wurde ich dann noch einmal von Rainer Bonhof quasi vom Schreibtisch wieder auf den Platz geholt. Danach habe ich mich aber wieder zurückgezogen, und später kamen die Haie auf mich zu.

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Wie kamen die Haie auf Sie?

Sportlich waren die Haie natürlich professionell aufgestellt. Die Strukturen um den Verein hatten allerdings Nachholbedarf. Die Geschäftsstelle beispielsweise war in zwei Containern untergebracht. Also war man auf der Suche nach jemandem, der die professionelle Führung aus einem Fußballclub kennt. Ich zählte 1999 da bei Borussia Mönchengladbach ja fast zum Inventar, kannte alle Bereiche. Nachdem ich bei den Haien angefangen hatte, ging alles relativ schnell. Nun bin ich im elften Jahr in Köln, Geschäftsführer und Vizepräsident. Ich stehe in voller Verantwortung.

Gibt es Gedanken an eine Rückkehr zum Fußball?

Als ich aufgehört habe, dachte ich auch daran, Trainer zu werden. Ich habe auch die A-Lizenz erworben. Mein Herz bleibt dem Fußball verhaftet. Ich fühle mich berufen, irgendwann einmal in den Fußball zurückzukehren. Aber momentan bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit beim KEC.

Ein derart rasanter Aufstieg auf Managerebene, wie Sie ihn vollzogen haben, dürfte im Fußball kaum möglich sein. Ist der Weg über den Eishockey der bessere, weil dort die Posten noch nicht über Jahre vergeben sind?


Ich habe das Management von der Pike auf gelernt, angefangen als Praktikant. So habe ich Einblicke in andere Bereiche bekommen. Viele andere Fußballer haben das nicht gelernt und meinen, gleich den großen Jobs nachjagen zu müssen. Das Arbeiten im Eishockey ist entspannter, aber gerade bei einem Verein wie dem KEC stehe ich auch enorm unter Druck. Aber ich konnte mich hier in Ruhe entwickeln, im Fußball wird sehr schnell auf den Druck der Öffentlichkeit reagiert. In Folge dessen schielen die Fußballvereine nur nach großen Namen.

Wie steht es um die Kommerzialisierung im Eishockey?


Es ist natürlich im Vergleich zum Fußball viel schwieriger, Gelder zu generieren. Der Fußball kann 40 Prozent seiner Einnahmen aus TV-Geldern schöpfen. Diesen Vorteil haben wir nicht, unsere höchste Einnahmequelle ist das Sponsoring bzw. die Werbung. Diese liegt bei 80 Prozent der Einnahmen. Darauf sind wir auch angewiesen, da wir jeden Euro umdrehen müssen.

Würde Eishockey nicht auch attraktiver werden, wenn es weniger Spiele geben würde? Derzeit spielen Mannschaften ja dreimal pro Woche ohne Pause.

Danach schreie ich schon seit neun Jahren. Ich würde mir eine Verknappung des Produkts wünschen. Die großen Hallen brauchen Zuschauerzahlen, das ist in Zeiten der Wirtschaftskrise bei drei Spielen in der Woche schwer realisierbar. Allerdings sind bei diesem Punkt die Strukturen etwas verfestigt. Die zweite Liga wird beispielsweise von der ESBG (Eishockeyspielbetriebsgesellschaft) koordiniert, um die erste Liga kümmert sich die DEL in Eigenregie.

Wie unterscheiden sich denn Fußball- und Eishockeyfans?

Ich würde sagen: Die Eishockey-Fans sind näher am Geschehen. Ansonsten gibt es keine großen Unterschiede. Klar, im Eishockey gibt es ein großes Eventpublikum. Aber ich glaube, dass diese Entwicklung auch im Fußball zu beobachten ist. Ich war vor kurzem im Stadion, da stand Podolski meilenweit im Abseits. Und dennoch sprangen 5.000 Leute auf, als er den Ball ins Tor schoss.

Kann der Fußball denn rein sportlich etwas vom Eishockey lernen? Mit der Beschäftigung von vielen Spezialtrainern, die unter einem sogenannten »Headcoach« fungieren, ist man dem Eishockey ja schon näher gekommen.


Ich glaube aber, dass ein Eishockeytrainer einen größeren Einfluss auf das Spiel nehmen kann. Es gab genug Beispiele, wo die Leistung des Trainers maßgeblich zum Spielausgang beigetragen hat. Deshalb arbeiten die Trainer hier auch akribischer. Im Fußball sind die Spieler ja pausenlos auf dem Platz, da ist es für den Trainer schwieriger zu koordinieren. Außerdem haben wir im Eishockey den Videobeweis. Die technischen Hilfsmittel dazu sind in jeder Halle Pflicht.

Das wird ja auch im Fußball heftig diskutiert, genauso wie die Einführung der effektiven Spielzeit.

Da sollte man aber aufpassen. Der Fußball ist auch deswegen so beliebt, weil er bei seinen Wurzeln geblieben ist. Seit Jahren sind 18 Teams in der Liga, und drei steigen ab. Im Eishockey gab es da zu viele Wechsel im Modus. Das hat dem Sport nicht gut getan. Was der Fußball vom Eishockey lernen kann, ist die Förderung deutscher Spieler. Es dürfen maximal zehn ausländische Spieler auf dem Spielberichtsbogen stehen. Eine Ausländerbeschränkung gibt es im Fußball ja nicht.

Dabei denkt man doch vom Eishockey, dass dort die Spieler ständig wechseln.


Das ist der größte Quatsch, der über das Thema Eishockey im Umlauf ist. Es gibt keine Söldnermentalität. Jede Mannschaft hat mindestens zwölf deutsche Spieler.

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