21.01.2010

Warum Thomas Eichin aufs Eis ging

»Eishockey ist entspannter«

Thomas Eichin bestritt 180 Bundesligaspiele für Borussia Mönchengladbach, heute ist er Geschäftsführer und Vize-Präsident des Eishockey-Klubs Kölner Haie. Wir sprachen mit ihm über seinen Weg vom Rasen aufs Eis.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Herr Eichin, Sie sind vom Fußball zum Eishockey gewechselt. Wie kam es dazu?

Ich hatte schon immer eine hohe Affinität zum Eishockey, habe es in Freiburg auch immer gespielt. Als ich 1996 zum ersten Mal aufgehört habe mit dem Fußball, begann bereits meine erste Tätigkeit als Marketing-Assistent. 1998 wurde ich dann noch einmal von Rainer Bonhof quasi vom Schreibtisch wieder auf den Platz geholt. Danach habe ich mich aber wieder zurückgezogen, und später kamen die Haie auf mich zu.



Wie kamen die Haie auf Sie?

Sportlich waren die Haie natürlich professionell aufgestellt. Die Strukturen um den Verein hatten allerdings Nachholbedarf. Die Geschäftsstelle beispielsweise war in zwei Containern untergebracht. Also war man auf der Suche nach jemandem, der die professionelle Führung aus einem Fußballclub kennt. Ich zählte 1999 da bei Borussia Mönchengladbach ja fast zum Inventar, kannte alle Bereiche. Nachdem ich bei den Haien angefangen hatte, ging alles relativ schnell. Nun bin ich im elften Jahr in Köln, Geschäftsführer und Vizepräsident. Ich stehe in voller Verantwortung.

Gibt es Gedanken an eine Rückkehr zum Fußball?

Als ich aufgehört habe, dachte ich auch daran, Trainer zu werden. Ich habe auch die A-Lizenz erworben. Mein Herz bleibt dem Fußball verhaftet. Ich fühle mich berufen, irgendwann einmal in den Fußball zurückzukehren. Aber momentan bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit beim KEC.

Ein derart rasanter Aufstieg auf Managerebene, wie Sie ihn vollzogen haben, dürfte im Fußball kaum möglich sein. Ist der Weg über den Eishockey der bessere, weil dort die Posten noch nicht über Jahre vergeben sind?


Ich habe das Management von der Pike auf gelernt, angefangen als Praktikant. So habe ich Einblicke in andere Bereiche bekommen. Viele andere Fußballer haben das nicht gelernt und meinen, gleich den großen Jobs nachjagen zu müssen. Das Arbeiten im Eishockey ist entspannter, aber gerade bei einem Verein wie dem KEC stehe ich auch enorm unter Druck. Aber ich konnte mich hier in Ruhe entwickeln, im Fußball wird sehr schnell auf den Druck der Öffentlichkeit reagiert. In Folge dessen schielen die Fußballvereine nur nach großen Namen.

Wie steht es um die Kommerzialisierung im Eishockey?


Es ist natürlich im Vergleich zum Fußball viel schwieriger, Gelder zu generieren. Der Fußball kann 40 Prozent seiner Einnahmen aus TV-Geldern schöpfen. Diesen Vorteil haben wir nicht, unsere höchste Einnahmequelle ist das Sponsoring bzw. die Werbung. Diese liegt bei 80 Prozent der Einnahmen. Darauf sind wir auch angewiesen, da wir jeden Euro umdrehen müssen.

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