Warum sammelt man sein Leben lang Fußballerzitate?

»Manchmal rede ich zuviel!«

Seit 1999 sammelt Stefan Linkewitz Zitate von Fußballern. Inzwischen hat er über 1700 Sprüche, Bonmots und Stilblüten kompiliert. Ein Gespräch über Mailand oder Madrid, Hans Meyer und letzte Worte.

Stefan Linkewitz, Sie sammeln seit 13 Jahren Zitate von Fußballern. Warum?
Keine Ahnung, wahrscheinlich bin ich wahnsinnig. (lacht) Aber im Ernst: Ich hatte schon immer eine Affinität zum Schreiben. Irgendwann habe ich angefangen, Zitate zu notieren, die ich im Fernsehen sah oder in einem Interview las. Als dann das Internet aufkam, dachte ich mir: »Vielleicht interessieren sich auch andere Leute für meine Zitatesammlung.« Also fing ich mit einer kleinen Website und 80 Zitaten an.

Und, interessierte es auch andere Leute?
Auf jeden Fall! Es hat sich verselbstständigt: Zu jeder WM und EM glüht mein Server. Das ist Motivation genug, um weiter zu sammeln – Geld verdiene ich mit meiner Sammlung keines.

Wie viele Fußballerzitate haben Sie mittlerweile beisammen?
Es sind jetzt etwa 1700. Bei mir gilt: Klasse statt Masse. Es gibt größere Zusammenstellungen im Internet, aber ich habe die qualitativste. Wenn die Quelle ein Buch oder eine andere Sammlung ist, dann übernehme ich nicht blind irgendwelche Zitate: Ich muss sie selbst gesehen oder gehört haben – das Zitat muss eindeutig belegbar sein. In meinem Fundus steckt eine ganze Menge Recherche.

Der Büchermarkt ist regelrecht überschwemmt von Zitatesammlungen. Haben Sie die alle zuhause stehen?
Nein, ich leihe sie mir lediglich aus. Dennoch freue ich mich jedes Mal, wenn ein neuer Band herauskommt: Meine Seite gibt es seit 1999 und einige meiner Zitate finde ich dann in den Büchern wieder. Ich habe in meiner Auswahl von Anfang an ein paar Fake-Zitate eingebaut. Manchmal werden die in einem Band übernommen, so dass ich sofort weiß: »Ach, da hat mal wieder einer von mir abgeschrieben!«

Andi Möller hat neulich abgestritten, dass er den berühmten »Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien«-Satz je gesagt hätte. Stammt der etwa auch von Ihnen?
Nein. Aber der Satz passt absolut ins Profil von Andy Möller. Hinterher will das nie einer gewesen sein.

>> Die besten Fußballer-Sprüche in der Bildergalerie

Welcher Satz stammt denn von Ihnen?
Das behalte ich lieber für mich, aber ein berühmtes Beispiel für ein falsches Zitat ist der angebliche Spruch von Lukas Podolski: »Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel« In Wirklichkeit hat er das niemals gesagt – der Satz stammt von Jan Böhmermann und ist in einer satirischen Radiosendung gefallen (Jan Böhmermann ist Autor und Satiriker, d. Red.).

Was sind Ihre Top-5 der Fußballerzitate?
Ich habe keine feste Reihenfolge, aber Lieblinge habe ich natürlich. Zum Beispiel Didi Hamann: »Dass mein Gegenspieler mich umgestoßen und am Torschuss gehindert hat, hab ich ja noch wegstecken können, aber als er mich obendrein noch einen ›Pardon‹ genannt hat, habe ich die Nerven verloren und nachgetreten.« Oder Thorsten Legat nach seinem Wechsel zum VfB Stuttgart auf die Frage, ob er denn Spätzle möge: »Die habe ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel.«

Herrlich. Sie haben einen passenden Spruch für jede Lebenssituation.
Wie würde Dettmar Cramer sagen: »Es hängt alles irgendwo zusammen. Sie können sich am Hintern ein Haar ausreißen, dann tränt das Auge.« Eines meiner Lieblingszitate ist auch von Berti Vogts: »Wenn ich über Wasser laufe, sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er!«


Ein Klassiker.
Der Präsident von Barcelona antwortete einmal auf die Frage, wie der Klub von den 400 Millionen Euro Schulden herunterkommen wolle: »Wir kopieren nur noch in schwarz-weiß!« Oder Gerd Rubenbauer, der sich wunderte, als der vierte Offizielle die Nachspielzeit von einer Minute anzeigte: »Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus.«

Oder Dieter Eilts, als er sagte: »Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen!«
Auch ein schöner Satz von Dieter Eilts: »Das interessiert mich wie eine geplatzte Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer!«

Welcher Spieler ist der Zitatekönig?
Der unfreiwillig Komischste ist auf jeden Fall Lothar Matthäus. In den USA sagte er einmal: »I am a german record-player!« (lacht) Der größte Sprücheklopfer ist allerdings Mehmet Scholl, der hat mal gesagt: »Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte.«

Oder »hängt die Grünen auf, solange es noch Bäume gibt.«
Und natürlich: »Ich spiele kein Golf, ich habe regelmäßig Sex.«

Welcher Trainer ist die Nummer eins unter den Sprücheklopfern?
Ganz klar: Hans Meyer! Er ist der König des trockenen Humors. Von ihm gibt es unzählige Bonmots wie: »Im Fußball baut man dir schnell ein Denkmal, aber genau so schnell pinkelt man es wieder an!« oder »Ich habe morgen einen Zahnarzttermin, bekomme ein neues Gebiss und werde deswegen nicht beim Training sein. Schreibt deshalb bitte nicht, ich wäre gefeuert.« Und natürlich: »bis zum Jahr 1990 habe ich nicht für Geld, sondern den Sozialismus gearbeitet.«

Welches Zitat hat Ihrer Meinung nach noch viel mehr Berühmtheit verdient?
Als Willi Lemke regelmäßig Marathon lief und viele Kilos abgenommen hatte, sagte Reiner Calmund einmal zu ihm: »Mensch Willi, du siehst ja aus, als sei eine Hungersnot ausgebrochen!« Lemke schoss zurück: »Und du siehst aus, als wenn du schuld daran wärst!«

Touché.
Das Schöne an diesen Stilblüten ist, dass auch Leute, die sich nicht für Fußball interessieren, jede Menge Spaß damit haben können.

Wir könnten ewig weitermachen. Haben Sie dennoch ein passendes Zitat für den Abschluss des Interviews?
Die berühmten letzten Worte des Lothar Matthäus: »Manchmal rede ich zuviel.«

>> Die besten Fußballer-Sprüche in der Bildergalerie
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Seit 1999 betreibt Stefan Linkewitz die Website fussballerzitate.de.

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