27.03.2013

Warum sammelt man sein Leben lang Fußballerzitate?

»Manchmal rede ich zuviel!«

Seit 1999 sammelt Stefan Linkewitz Zitate von Fußballern. Inzwischen hat er über 1700 Sprüche, Bonmots und Stilblüten kompiliert. Ein Gespräch über Mailand oder Madrid, Hans Meyer und letzte Worte.

Interview: Gareth Joswig Bild: Imago

Stefan Linkewitz, Sie sammeln seit 13 Jahren Zitate von Fußballern. Warum?
Keine Ahnung, wahrscheinlich bin ich wahnsinnig. (lacht) Aber im Ernst: Ich hatte schon immer eine Affinität zum Schreiben. Irgendwann habe ich angefangen, Zitate zu notieren, die ich im Fernsehen sah oder in einem Interview las. Als dann das Internet aufkam, dachte ich mir: »Vielleicht interessieren sich auch andere Leute für meine Zitatesammlung.« Also fing ich mit einer kleinen Website und 80 Zitaten an.

Und, interessierte es auch andere Leute?
Auf jeden Fall! Es hat sich verselbstständigt: Zu jeder WM und EM glüht mein Server. Das ist Motivation genug, um weiter zu sammeln – Geld verdiene ich mit meiner Sammlung keines.

Wie viele Fußballerzitate haben Sie mittlerweile beisammen?
Es sind jetzt etwa 1700. Bei mir gilt: Klasse statt Masse. Es gibt größere Zusammenstellungen im Internet, aber ich habe die qualitativste. Wenn die Quelle ein Buch oder eine andere Sammlung ist, dann übernehme ich nicht blind irgendwelche Zitate: Ich muss sie selbst gesehen oder gehört haben – das Zitat muss eindeutig belegbar sein. In meinem Fundus steckt eine ganze Menge Recherche.

Der Büchermarkt ist regelrecht überschwemmt von Zitatesammlungen. Haben Sie die alle zuhause stehen?
Nein, ich leihe sie mir lediglich aus. Dennoch freue ich mich jedes Mal, wenn ein neuer Band herauskommt: Meine Seite gibt es seit 1999 und einige meiner Zitate finde ich dann in den Büchern wieder. Ich habe in meiner Auswahl von Anfang an ein paar Fake-Zitate eingebaut. Manchmal werden die in einem Band übernommen, so dass ich sofort weiß: »Ach, da hat mal wieder einer von mir abgeschrieben!«

Andi Möller hat neulich abgestritten, dass er den berühmten »Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien«-Satz je gesagt hätte. Stammt der etwa auch von Ihnen?
Nein. Aber der Satz passt absolut ins Profil von Andy Möller. Hinterher will das nie einer gewesen sein.

>> Die besten Fußballer-Sprüche in der Bildergalerie

Welcher Satz stammt denn von Ihnen?
Das behalte ich lieber für mich, aber ein berühmtes Beispiel für ein falsches Zitat ist der angebliche Spruch von Lukas Podolski: »Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel« In Wirklichkeit hat er das niemals gesagt – der Satz stammt von Jan Böhmermann und ist in einer satirischen Radiosendung gefallen (Jan Böhmermann ist Autor und Satiriker, d. Red.).

Was sind Ihre Top-5 der Fußballerzitate?
Ich habe keine feste Reihenfolge, aber Lieblinge habe ich natürlich. Zum Beispiel Didi Hamann: »Dass mein Gegenspieler mich umgestoßen und am Torschuss gehindert hat, hab ich ja noch wegstecken können, aber als er mich obendrein noch einen ›Pardon‹ genannt hat, habe ich die Nerven verloren und nachgetreten.« Oder Thorsten Legat nach seinem Wechsel zum VfB Stuttgart auf die Frage, ob er denn Spätzle möge: »Die habe ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel.«

Herrlich. Sie haben einen passenden Spruch für jede Lebenssituation.
Wie würde Dettmar Cramer sagen: »Es hängt alles irgendwo zusammen. Sie können sich am Hintern ein Haar ausreißen, dann tränt das Auge.« Eines meiner Lieblingszitate ist auch von Berti Vogts: »Wenn ich über Wasser laufe, sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er!«

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden