Warum hat Pep Guardiola Angst vor der Bierdusche, Thomas Hayo?

»Weißbier kann niemanden entstellen!«

Thomas Hayo sitzt normalerweise in der Jury unserer Lieblingssendung »Germany's Next Topmodel«. Außerdem ist er glühender Anhänger des FC Bayern.

Thomas Hayo, Sie sind als eingefleischter Bayern-Fan und Mitglied der Jury bei »Germany's Next Topmodel« unser Experte für die schönen Dinge im Fußball. Was freut Sie eigentlich mehr: Dass der FC Bayern den angeblich besten Übungsleiter der Welt oder auch einen echten Dressman in seinen Reihen hat?
Ich lebe schon lange in New York und gucke deswegen zwangsläufig sehr viel internationalen Fußball. Durch seine Leistungen beim FC Barcelona wurde mir die Magie von Pep Guardiola als Trainer immer bewusster. Nachdem die Bayern Jupp Heynckes in den Ruhestand entlassen haben, gab es deswegen nur eine logische Steigerung für den Trainerposten – und das war Pep Guardiola. Dass der Mann auch fashionmäßig ein absoluter Experte ist, ist ein zusätzlicher Bonus, den ich sehr wohlwollend zur Kenntnis nehme.

Ist er denn der bestangezogene Coach der Welt?
Es gibt ein paar wenige Trainer, die ihm Konkurrenz machen. Aber es fällt auf, dass er ein sehr gutes Auge für Mode hat. Er spielt auch in diesem Punkt auf einem anderen Level. Es ist schon selten, dass man einen so hervorragenden Fußballexperten hat, der auch modisch ein absoluter Trendsetter ist. Und das nicht erst seit gestern.

Wer macht ihm in der Bundesliga Konkurrenz?
Das ist schwierig. Jürgen Klopp macht zumindest in seinem Champions-League-Anzug eine ganz gute Figur.

Die Zeiten von Ballonseide-Trainingsanzügen und karierten Sakkos an der Seitenlinie scheinen ohnehin vorbei. Gibt es eine Trainer-Modesünde die Sie dennoch ein bisschen vermissen?
An Udo Latteks blauem Wollpullover kann man nichts Negatives finden. Der hat auch als Talisman bestens funktioniert. Erich Ribbecks Steppjacke gehört irgendwie ebenso zur Bundesliga-Historie, selbst wenn man eher ungern daran zurückdenkt. Ob man den ausgebeulten Hut von Klaus Schlappner überhaupt gebraucht hat, wage ich aber zu bezweifeln.

Setzt Pep Guardiola mit seinem Stil eigentlich die Trainer-Konkurrenz unterbewusst modisch unter Druck?
Das mag sein. Aber als Zuschauer kann man doch froh sein, dass übergroße Trainingsanzüge und grelle breite Krawatten mittlerweile in der Kabine bleiben. Guardiola trägt körperbetonte Schnitte aus feinstem Stoff, dazu handgemachte Schuhe. Das ist modisch absolute Weltklasse. Er zeigt auch den Kollegen, dass es nicht nur darauf ankommt, überhaupt einen Anzug zu tragen. Er muss auch sitzen. Dass er sich offenbar auch vor dem Kleiderschrank sehr viele Gedanken macht, ist eine Eitelkeit, die ich absolut okay finde.

Hätte Guardiola auch als Männermodel Karriere machen können?
Dafür reicht es eventuell nicht ganz. Ich weiß aber, dass er schon für einen befreundeten Designer über den Laufsteg gegangen ist. Dabei ist er nicht negativ aufgefallen. Ich bin aber froh, dass er kein Model geworden ist.

Warum das?
Es gibt genügend Models, die besonders sind, aber eben nur ganz wenige außergewöhnliche Trainer. Zum Glück für Bayern und den Fußball insgesamt hat er den richtigen Berufsweg eingeschlagen.

Pep Guardiola hat nun angekündigt, sich der traditionellen Weißbierdusche bei der anstehenden Meisterfeier in Berlin zu entziehen. Kann einen Mann wie ihn ein Bad in Weizen und Malz überhaupt entstellen?
Ein ordentliches Weißbier kann niemanden entstellen! (lacht) Da muss er auch mal über seinen Schatten springen und notfalls klebrig und stinkig zur Pressekonferenz gehen.

Er will nur einen Anzug nach Berlin mitnehmen. Geht er auf der Zielgeraden der Saison vielleicht doch ein zu hohes Risiko ein?
Man kann jeden Anzug waschen. Mit dieser Ausrede wird er also nicht weit kommen. Er ist allerdings körperlich in hervorragender Verfassung. Ich bin mal gespannt, ob ihn seine Spieler überhaupt zu fassen bekommen.  Aber Guardiola ist auch ein sehr stolzer Mann, der weiß, dass ein würdevoller Auftritt nach einer Weißbierdusche eine schwierige Aufgabe ist. Aber wenn sie einer löst, dann er.

Nehmen wir an, er wird von seinen Spielern erwischt. Was würden Sie ihm als Ersatzoutfit empfehlen?
Ich würde ihm schlicht raten, ein Ersatzhemd einzustecken. Aber selbst wenn er das vergisst, dann würde sich zumindest der weibliche Teil der Bayern-Fans freuen, wenn er auch mal oben ohne auftritt.

Und die Männer verkriechen sich verschämt unter dem Sofa.
Quatsch, die sind längst von der sportlichen Kompetenz des Trainers überzeugt. Es hat mich aber überrascht, wie seine Optik auf die Damenwelt wirkt. Mit ihm hat der FC Bayern sicher einige fußballferne Fans dazu gewonnen.

Vielleicht leiht ihm Hermann Gerland ja auch einen Trainingsanzug für die anschließende Gala?
Ich habe wirklich viel Phantasie, aber das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

Thomas Hayo, Sie leben in New York. Wo verfolgen Sie denn die Meisterfeier des FC Bayern?
Eigentlich sehe ich jedes Spiel. Egal, wo ich mich aufhalte. Zum Glück hat sich die Wahrnehmung des FC Bayern international geändert, so dass ich die Spiele mittlerweile auch regelmäßig im US-Fernsehen sehen kann. Das Spiel gegen Hertha werde ich aber wohl online im Livestream schauen müssen.

Und steht das Weißbier schon bereit?
Natürlich. Und sollte Pep Guardiola tatsächlich der Weißbierdusche entkommen, dann schütte ich mir aus Solidarität ein Glas über den Kopf. (lacht)

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Thomas Hayo ist hauptberuflich Creative Director und unter anderen Jury-Mitglied bei »Germanys Next Topmodel«. Derzeit lebt er in New York. (Foto: Facebook/Thomas Hayo)

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