Warum ein Oberligist ein eigenes Stickersammelalbum produziert

»380.000 Bildchen – von den Bambini bis zu den Senioren«

Der NRW-Oberligist VfL Rhede ist der einzige Amateurverein Deutschlands, von dem es ein Stickersammelalbum gibt. Wir sprachen mit Betreuer und Vereins-Urgestein Sven Venhoff über 380.000 Tütchen, Jupp Tenhagen und Vokuhilas.

Sven Venhoff

Sven Venhoff, Rhede hat 19.000 Einwohner und der Fußballklub VfL Rhede belegt momentan den 15. Platz in der Oberliga Niederrhein. Dennoch hat der Klub ein eigenes Sammelbild-Album im Stile von Panini. Es sollen knapp 400.000 Bildchen auf dem Markt sein. Wer kauft die?
Man kann sie gar nicht kaufen. Die 380.000 Bildchen und die 400 Alben bekommen Kunden in einem regionalen Supermarkt zu ihren Einkäufen. Ab einem Einkaufswert von zehn Euro.

Die Einnahmen werden also nicht reichen, um einen Altstar à la Ailton zu verpflichten?
Nein, der Erlös für den Verein ist ganz gering. Es geht uns eher um den Werbeeffekt. Zum Spiel gegen den KFC Uerdingen haben wir deswegen eine Präsentationsveranstaltung gemacht. Jupp Tenhagen kommt auch.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Sammelbildalbum für die eigene Mannschaft zu produzieren?
In Holland gibt es eine Firma, die sich auf Stickeralben für Amateurvereine spezialisiert hat. Ein hiesiger Supermarkt hat das mitbekommen und gedacht, so etwas könne man auch für unseren Verein machen. Wir setzten uns also zusammen und planten die ganze Geschichte. Und nun hat der VfL Rhede als erster deutscher Amateurverein ein eigenes Stickeralbum mit sämtlichen Spielern – von den Bambini bis zu den Alten Herren.

Wie sind die Reaktionen?
Die Euphorie ist groß. Gerade für die Kleinen wird es sehr aufregend sein, ihr eigenes Bild aus einer Tüte zu ziehen und dann ins Album zu kleben. Und bei den älteren Semester wird Nostalgie aufkommen. Sie fühlen sich in die Achtziger und Neunziger zurückversetzt, als sie selbst klein waren und Paninisticker sammelten.

Haben sich die Spieler denn Schnurrbärte und Vokuhilas für die Bilder stehen lassen?
Nein, das sind ganz normale Bilder, da hat keiner Faxen gemacht. Das ging auch gar nicht, weil wir nur zwei Wochen Zeit hatten, alle 380 Leute im Verein zu fotografieren. Nur eine Sache ist schief gelaufen: Bei den sechs oder sieben Sebastians, die wir im Verein haben, fehlt der Buchstabe »A« im Namen. Vielleicht konnte das die Druckerei noch korrigieren, das erfahren wir aber erst, wenn die Alben hier sind.

Welcher Spieler wird denn besonders begehrt sein?
Wahrscheinlich die, die aus dem Ort kommen und seit der Jugend beim VfL Rhede spielen. Kevin Juch zum Beispiel oder Andre Bugla. Das sind echte Rheder Jungs, die kennt man im Ort.

Haben Sie früher eigentlich selbst Panini-Sticker gesammelt?
Klar. Ich habe früher aber nie ein Heft vollbekommen. Ich hoffe, das ändert sich jetzt.

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