Warum ein Mensch Schiri wird

»Wir machen Spieler glücklich«

Lukas Knubben ist 19, Gymnasiast und Schiedsrichter. Für ein besseres Netzwerk unter den Unparteiischen hat er die »Schiedsrichter-Community« gegründet. Ein Gespräch über rote Karten und hysterische Fußball-Eltern. Warum ein Mensch Schiri wird

Lukas Knubben, Du betreibst die Homepage »Schiedsrichter-Community«. Was fasziniert Dich am Dasein als Unparteiischer?

Die Herausforderung im Buchteil von Sekunden eine Entscheidung zu fällen. Das macht den Reiz aus. Außerdem muss ich die Regeln dieses Spiels genau beherrschen, so exakt über richtig und falsch Bescheid zu wissen ist auch im Alltag extrem von Vorteil.

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Was motiviert Schiedsrichter, wo man doch ohnehin immer als Buhmann und Spielverderber gilt?

Genau das Gegenteil zu erreichen.

Das bedeutet?

Ziel eines Schiedsrichters sollte es sein – jedenfalls ist das meine bescheidene Meinung – Spieler und Zuschauer glücklich zu machen.

Glücklich?

Als Schiedsrichter bist du dafür verantwortlich, dass das Spiel unter bestimmten Vorgaben stattfinden kann. Im Idealfall kommen nach einem hart umkämpften Spiel die Akteure beider Mannschaften und Zuschauer auf dich zu und bedanken sich für die gute Schiedsrichter-Leistung. Auch das gibt es.

Warum eigentlich diese Homepage und warum gerade jetzt?

Meine Seite hat nichts mit der aktuellen Schiedsrichter-Diskussion zu tun, wir sind bereits seit Dezember 2009 online. Es gab zwar schon vorher virtuelle Netzwerke für Schiedsrichter, allerdings nur regional beschränkt. Bei mir haben Schiris die Möglichkeit, sich mit Kollegen aus ganz Deutschland in Kontakt zu treten.

Über was tauscht man sich da aus?

Es geht vor allem um Regelfragen oder bestimmte Verhaltensweisen in den jeweiligen Situationen. Wir hatten beispielsweise zuletzt den Fall, dass ein junger Schiedsrichter einem Spieler die Rote Karte gezeigt hatte, der allerdings partout nicht den Platz verlassen wollte und sich auf der Auswechselbank breit gemacht hatte. Unsere User tauschen sich dann aus, wie man auf solche Konfrontationen reagiert.

Welche besonderen Erfahrungen hast Du selbst auf dem Spielfeld gemacht?

Ich habe mal einen Jugendspieler mit Rot vom Platz schicken müssen, weil der seinen Gegenspieler ins Gesicht geschlagen hatte. Anschließend sind seine Eltern extra zweieinhalb Stunden gefahren, weil sie mit mir darüber sprechen wollten. Schließlich wäre ihr Sohn für die nächsten Kreismeisterschaften gesperrt gewesen. Das war alles noch nicht so tragisch, bis die hysterische Mutter mich mit ihrem Handy fotografieren wollte, um ein Beweisfoto zu haben. Dann macht der Job echt keinen Spaß mehr.  


Gemeinsam mit Marcel Matt und Patrick Moldenhauer betreibt Lukas Knubben die sehenswerte Internetseite »Schiedsrichter-Community«.

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