Warum ein Kreisligist nach dem Mitroglou-Transfer auf einen Geldsegen hofft

»Nur die Ablösesumme ist relevant«

Weil der griechische Nationalstürmer Konstantinos Mitroglou von Olympiakos Piräus zum FC Fulham gewechselt ist, könnte ein Kreisligist vom Niederrhein groß abkassieren. Warum? Wir fragten nach bei Timo Jogsch, dem Abteilungsleiter des SV Neukirchen.

Timo Jogsch, in der vergangenen Woche machte eine Meldung die Runde, wonach Ihr Verein, der Kreisligist SV Neukirchen, viel Geld erhalten könne, weil der Grieche Konstantinos Mitroglou von Olympiakos Piräus zum FC Fulham gewechselt ist. Ist der Scheck schon bei Ihnen eingetroffen?
Nein, und ich möchte betonen, dass überhaupt noch nicht klar ist, wie diese Angelegenheit für uns ausgehen wird. Die Summen, die in der Presse standen, sind jedenfalls reine Spekulation.

Konstantinos Mitroglou hat als Jugendlicher bei Ihrem Verein gespielt. Es wurde berichtet, dass Ihr Verein laut Fifa-Statuten für jede Saison, in der er für den SV die Fußballschuhe geschnürt hat, prozentual am Transfer nach London beteiligt wird. Als Summe wurden 112.500 Euro genannt.
Da hat die »Rheinische Post«, die über den Fall berichtet hat, als Tageszeitung aus unserer Region einen Stein ins Rollen gebracht. Seitdem steht mein Telefon nicht mehr still. Viele Leute wollen wissen, was Sache ist. Wir haben das lange geheim halten können, leider jedoch nicht bis zum Abschluss. Ich kann verstehen, dass diese Geschichte sehr interessant ist. Dass Zahlen in den Umlauf gebracht wurden, hat mich aber sehr geärgert. Denn ob Fulham wirklich auf den Cent genau 15 Millionen Euro nach Piräus überwiesen hat, so wie es behauptet wurde, weiß ich nicht – es kann ja auch mehr oder weniger Geld gewesen sein. Und nur die Ablösesumme ist für unseren Fall relevant, sonst nichts anderes.

Dass Vereine aus Transfers ehemaliger Spieler nachträglich Einnahmen generieren können, ist nichts Neues. Wann sind Sie darauf gekommen, dass Ihr Verein an einem Wechsel von Konstantinos Mitroglou mitverdienen könnte?
Wir haben bereits Anfang Dezember mit unseren Recherchen begonnen und Kostas' Weg außerdem über die Jahre verfolgt. Deswegen waren wir über unsere Rechte im Bilde. Kostas war gegen Ende des vergangenen Jahres bei Borussia Dortmund im Gespräch. Er hat dann irgendwann Mitte Dezember seinen Vertrag bei Piräus vorsorglich verlängert. Spätestens da haben wir in Erwägung gezogen, dass es zu einem Wechsel kommen und dieser auch Auswirkungen für uns haben könnte.

Wann werden Sie erfahren, ob sich Ihr Verein auf eine Finanzspritze freuen darf?
Das wird noch einige Tage dauern. Wir haben einen Anwalt eingeschaltet, schließlich sind wir ein kleiner Verein, der mit Transferangelegenheiten in solchen Dimensionen bisher überhaupt keine Erfahrung gesammelt hat. Unser Anwalt wird den Kontakt zum FC Fulham aufnehmen und dadurch auch erfahren, für welche konkrete Summe Kostas nach England transferiert wurde. Wenn wir das wissen, sind wir einen Schritt weiter.

Konnten Sie mittlerweile auch klären, wie viele Jahre Konstantinos Mitroglou bei Ihnen im Verein gespielt hat? Angeblich gab es da Ungereimtheiten.
Das war uns im Verein immer klar. Er hat bereits weit vor der D- bis zum Ende der C-Jugend bei uns gespielt, bevor er im Jahr 2003 zum MSV Duisburg wechselte.

Es hieß, dass seine Vereinszugehörigkeit in der D-Jugend eventuell nicht verbrieft sei und Sie mit einer Einladung zur Kreisauswahl aus der damaligen Zeit bei der entsprechenden Passstelle vorstellig geworden sind, um den Beweis zu erbringen.
Dieses Dokument haben wir nur zusätzlich an die Passstelle unseres Fußballverbands geleitet, um das Verfahren zu beschleunigen. Letztlich ging es nur darum, von der Passstelle die genauen Angaben über die einzelnen Spielzeiten zu erhalten, die Kostas bei uns verbracht hat. Dass diese dort hinterlegt sind, daran gab es keinen Zweifel. Und mittlerweile sind auch alle Details geklärt.

Glauben Sie, dass Konstantinos Mitroglou etwas von dem Wirbel mitbekommt, den sein Transfer bei einem seiner ehemaligen Jugendvereine ausgelöst hat?
Das glaube ich schon. Kostas ist in fußballfreien Zeiten oft hier, denn seine Eltern wohnen immer noch in Neukirchen. In der Sommerpause sieht man ihn ab und an seine Runden auf unserer Sportanlage am Klingerhuf drehen. Im Übrigen war er im vergangenen Jahr auch bei einem Training unserer ersten Mannschaft als Gast anwesend.

Konstantinos Mitroglou ist über die Stationen MSV Duisburg und Borussia Mönchengladbach, wo er nur in der U23 eingesetzt wurde, in Piräus gelandet und dort zum Profi und Nationalstürmer Griechenlands gereift. Haben Sie eine solche Entwicklungs schon damals vorhergesagt?
Sein Potenzial war immer sichtbar. Er wollte hoch hinaus. Klar, es gehört auch immer Glück dazu, sich als Profi zu behaupten, aber dass er es geschafft hat, überrascht bei uns im Verein niemanden. Es ist eher ein Ansporn für unsere jungen Fußballer, weiter hart an sich zu arbeiten. Vielleicht schafft es ja irgendwann nochmal einer in den Profibereich.

Gibt es in der aktuellen ersten Mannschaft des SV Neukirchen Spieler, die damals noch mit Mitroglou zusammen gespielt haben?
Ja, die gibt es. Vier Spieler standen mit Kostas in einem Kader: Daniel Haak, der heute Co-Trainer ist, sowie Andre Apitzsch, Marcel Eich und Jaques Wichert. Und der Kontakt zwischen den Spielern besteht immer noch. Als Kostas mit Olympiakos Piräus in dieser Saison in der Champions League bei Paris Saint Germain angetreten ist, haben ihn ein paar Jungs besucht.

Sollte der Wechsel von Konstantinos Mitroglou nach England Ihrem Verein tatsächlich einen Betrag im sechsstelligen Bereich bescheren – wie wird der SV Neukirchen das Geld anlegen?
Darüber machen wir uns erst Gedanken, wenn das Geld bei uns auf dem Konto angekommen ist. Unsere Recherchen stimmen uns positiv, aber ich glaube erst an den Geldsegen für unseren Verein, wenn die Sache wirklich abgeschlossen ist.

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