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Dieses Special wird präsentiert von: 
Holsten Pilsener

Warum ein HSV-Fan von München nach Hamburg wandert

»Vielleicht grätsche ich ins Ziel«

Eine Bahnfahrt von München nach Hamburg dauert sechs Stunden, ein Flug weniger als eine Stunde. HSV-Fan Volker Keidel läuft die 800 Kilometer lieber – auf dem selbst ernannten Ditmar-Jakobs-Weg. Warum nur?

Volker Keidel

Volker Keidel, weiß der ehemalige HSV-Spieler Ditmar Jakobs, dass er Namenspatron Ihres Pilgerweges ist?
Kann gut sein. Ich blogge ja seit Beginn meiner Tour täglich auf hsv.de meine Berichte. Spätestens beim ersten Heimspiel am 30. August, wenn der HSV gegen Paderborn spielt, werde ich ihn hoffentlich kennenlernen. Ich werde dann nämlich ins Stadion einlaufen.
 
Warum das alles?
Der HSV hat sich in den vergangenen Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zuletzt ächzte er sich mit lächerlichen 27 Punkten über die Ziellinie. Ich habe natürlich ordentlich gemeckert. Irgendwann sagte ich mir aber: Ein Fan sollte nicht immer nur pöbeln, sondern auch mal was zurückgeben. Also habe ich den Ditmar-Jakobs-Weg erfunden. Die Strecke verläuft vom Münchener Marienplatz bis zum Hamburger Volksparkstadion. Am 31. Juli startete ich die Tour, ich habe also 30 Tage für knapp über 800 Kilometer einkalkuliert. Im Gepäck habe ich ein kleines Meisterschalenimitat, das ich beim ersten Heimspiel ins Stadion tragen werde.
 
Es soll am Marienplatz einen ordentlichen Medienrummel gegeben haben. Hat Sie das überrascht?
Ich hatte nicht damit gerechnent, dass große Medien wie die »dpa« oder »Sat.1« kommen würden. Ein Reporter der »tz« ist sogar die ersten zwölf Kilometer bis zur Stadtgrenze mitgelaufen. Ich habe getan, als sei das alles kein Problem, in Wahrheit war ich innerlich ganz schön am Schnaufen. Keine Minute nach seinem Abschied habe ich mich erst einmal hingesetzt und wollte nicht mehr aufstehen.
 
Haben Sie denn genügend Puffer, um mal richtig auszuruhen?
Einen Ruhetag habe ich nicht eingeplant. Ich muss also jeden Tag circa 30 Kilometer abreißen. Am Anfang habe ich gedacht, das sei alles kein Problem, schließlich muss ich ja einfach nur geradeaus laufen, das bekomme ich schon hin. Die ersten vier Tage ging es gut, allerdings bin ich kein erfahrener Wanderer und daher gespannt, was noch kommt. Jetzt regnet es zum Beispiel in Strömen, und ich muss zwangsweise pausieren.

Wo erreichen wir Sie denn gerade?
Im Altmühltal, bei der Gemeinde Kinding. Das liegt 120 Kilometer von München entfernt. In drei Tagen will ich in Erlangen sein. Das sind noch 93,7 Kilometer.
 
Wen treffen Sie auf dem Weg?
Unter den Wanderern gibt es ziemlich lustige Typen. Gestern habe ich eine Seniorengruppe kennengelernt, die mir Schnaps andrehen wollten, als ich nach Wasser fragte. Ein anderes Mal begleitete mich ein Wanderer 30 Kilometer und fuhr später mit der Bahn in seinen Heimatort zurück. Wenig später bekam ich eine SMS: »Übrigens: Mit der Bahn geht’s schneller. Sind nur 17 Minuten!« Ein mieser Scherz.
 
Erkennt man Sie als den Ditmar-Jakobs-Pilgerer?
Einige haben die Berichte gelesen oder gesehen, daher grüßen mich viele Leute. Ich bin auch erstaunt, wie viele HSV-Fans es in Bayern gibt. Bislang dachte ich, ich sei ein ziemlicher Exot.
 
Sie tragen jeden Tag ein anderes HSV-Trikot. Welches haben Sie heute an?
Ein originales Bernd-Hollerbach-Trikot vom Champions-League-Spiel gegen Deportivo La Coruna. Das kommt mir momentan sehr zugute, denn es regnet in Strömen und ich kämpfe ein wenig mit meinem inneren Schweinehund. Vielleicht grätsche ich die letzten Kilometer ins Ziel.
 
Was fehlt Ihnen am meisten?
Die Kioske auf dem Weg. Die Kondition auf den letzten zehn Kilometer. Die sind echt übel.
 
Und beim HSV?
Natürlich eine Meisterschaft. Das ist mein großer Traum: Einmal noch zu Lebzeiten auf dem Rathausplatz stehen und die Meisterschale feiern.