Warum darf Barca weiter einkaufen?

»Nur eine Sperre light«

Barca verpflichtete illegal minderjährige Spieler, die FIFA brummte dem Klub eine Transfersperre auf. Trotzdem kauft der Klub weiterhin Spieler. Der Sportjurist Paul Lambertz erklärt, wie das geht.

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Paul Lambertz, für den FC Barcelona gilt derzeit eine Transfersperre. Am Montag präsentierte der Verein aber Neuzugang Aleix Vidal, als wäre nichts gewesen.
Barca hat offenbar alles richtig gemacht.

Das müssen sie erklären: Eine Sperre bedeutet doch, dass es nicht erlaubt ist, neue Spieler zu verpflichten?
Ich lese die Regeln der Fifa so: Die Sperre verbietet lediglich die Registrierung beim Verband. Die braucht es aber nur, um am regulären Spielbetrieb teilzunehmen. Neue Vertragsabschlüsse wie der Transfer von Vidal sind also weiterhin erlaubt.

Damit wird die Bezeichnung »Transfersperre« doch ins Lächerliche gezogen?
Das Verbot in seiner jetzigen Form ist wie ein zahnloser Tiger. Es unterläuft den Sinn und Zweck, den es meines Erachtens eigentlich haben sollte: Eine spürbare Bestrafung zu sein. »Sperre light« würde ich sagen. Die Spieler können weiterhin an den Verein gebunden werden, sie trainieren mit der Mannschaft, sie werden integriert, dürfen Freundschaftsspiele bestreiten und sogar wieder verliehen werden. Barcelona kann trotz der Sperre fast so weiter machen wie vorher. 

Hat die Sperre überhaupt einen Effekt?
Zumindest in Pflichtspielen dürfen die während der Sperre verpflichteten Spieler erst ab dem 1. Januar 2016 eingesetzt werden. Wenn sich aber Spieler wie Vidal finden, die ein halbes Jahr auf den Wettkampf verzichten wollen, dann dürfen sie auch zu Barcelona wechseln.

Barcelona bekam die Sperre, weil die Fifa zehn Fälle von Transfers minderjähriger Spieler zwischen 2009 und 2013 abmahnen wollte. Der jetzige Wechsel und das Buhlen um andere Spieler zeigt doch: Viel Unrechtsbewusstsein scheint in Barcelona nicht vorhanden zu sein.
Das ist von außen schwer zu beurteilen, aber eines steht fest: Der Kampf um immer jüngere Spieler wird zwischen den Klubs immer intensiver geführt. Manchmal übertreten die Vereine dabei auch die Fifa-Regeln, wie in Barcelona geschehen. Meines Erachtens sind die Verbände dazu aufgerufen, die Kinder zu schützen und diesem »Wettkampf um Talente« entschieden entegegen zu treten. 

Der FC Barcelona sah es ein, gegen die Fifa-Regeln verstoßen zu haben. Gleichzeitig betont Barca aber, dass es in der berühmten Fußballschule »La Masia« eine Ausbildung gebe, die den höchsten Standards in menschlicher, sozialer und schulischer Bedingung genügt. Eine plausible Verteidigung?
Es könnte eine PR-Maßnahme sein, um nach außen auszudrücken, dass man die Strafe nicht verstehen kann. Einige spanische Medien übernahmen diese Argumentation auch. Die Regeln aber verbieten Barcelonas Handeln. Den Verstoß kann der Verein nach dem derzeitigen Regelwerk auch nicht mit einer noch so guten Fußballschule rechtfertigen. Barca ist deshalb zurecht bestraft worden.

Die Strafe wurde im April 2014 ausgesprochen, Barcelona verzögerte den Beginn durch Einsprüche aber hinaus. Es blieb genug Zeit, um im vergangenen Sommer für 166 Millionen Euro Spieler wie Luis Suarez, Marc-André ter Stegen oder Ivan Rakitic zu kaufen.
Eigentlich sieht das Regelwerk der Fifa vor, dass die Transfersperre sofort hätte gelten müssen. Barca ging in Berufung und die Kommission entschied, dass der Antrag ausnahmsweise eine so gennante aufschiebende Wirkung hat. Der Fall sei so komplex, dass eine Entscheidung vor der nächsten Wechselperiode im Juli nicht möglich sei. Dadurch hatte Barca alles richtig gemacht und konnte trotz der Sperre noch wichtige Spieler verpflichten. Sollte künftig ein anderer Verein in der gleichen Situation einen solchen Antrag stellen, denke ich, dass sich die Berufungskommission schwer tun wird, den Antrag abzulehnen.

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