Warum baut man drei Jahre lang an einem Miniatur-Stadionmodell?

»Absolute Entspannung«

Holger Tribian und seine Frau Veronika bauen in ihrer Freizeit maßstabsgetreue Modelle von Fußballstadien. Für das Stadion des MSV Duisburg brauchten sie über drei Jahre. Inzwischen können Fans Dauerkartenplätze im Stadion erstehen. In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE stellen wir die Arbeiten vor. Ein Gespräch über ein außergewöhnliches Hobby.

Holger Tribian

Holger Tribian, Ihre Stadionmodelle sehen nach unglaublich viel Arbeit aus. Warum nehmen Sie das auf sich?
Eine kleine Macke haben wir schon, allerdings im positiven Sinne. Ich glaube, wir sind die Einzigen weltweit, die Fußballstadien so detailliert nachbauen. Ein solches Modell ist eine Heidenarbeit. Wir mussten 24.000 Mini-Sitzplätze originalgetreu an ihren Platz montieren.

Nachdem Sie mit dem Wedaustadion fertig waren, haben Sie sofort mit dem Millerntor angefangen. Das hat zum Glück weniger Sitzplätze.
Stehplätze sind auch nicht ohne. Versuchen Sie mal, millimetergenau Wellenbrecher zuzusägen. Mein Frau setzt jedes Geländer mit der Pinzette ein. Und davon gibt es 166 Stück allein auf der neuen Gegengerade am Millerntor.

Werden Sie nie ungeduldig?
Für mich ist das Ausgleich zum Beruf. Ich arbeite beim Wasser- und Schifffahrtsamt, nach Feierabend gehe ich in meine Dachgalerie und fange an zu sägen. Für andere mag das wie Wahnsinn wirken, aber für mich ist es absolute Entspannung. Manchmal sage ich zu meiner Frau: »Ich gehe nochmal fünf Minuten hoch, ein kleines Teil zurechtsägen.« Es kann vorkommen, dass ich erst sechs Stunden später wieder herunterkomme.

Wie passt ein derart aufwendiges Hobby in Ihren Alltag?
Eigentlich gar nicht. Wir nehmen uns die Zeit einfach. Für das Wedaustadion haben wir drei Jahre, zwei Monate und fünf Tage gebraucht. Es war unser erstes Großprojekt, davor haben wir das Stadion von Slovan Liberec gebaut. Für das benötigten wir etwa ein Drittel der Zeit: circa 2000 Arbeitsstunden.

Wieso Liberec?
Meine Frau kommt daher. Damals war ich noch Binnenschiffer und baute Modelle von Binnenschiffen. Mein Frau kam auf die Idee, Fußballstadien zu bauen. Das erste Modell bauten wir gemeinsam.

Drei Jahre Bauzeit sind lang. Hatten Sie nie einen Unfall oder sind mal auf das Modell gestolpert, sodass alles zusammen brach?
Zum Glück nicht. Aber wenn das mal passieren sollte, kann man es ja wieder reparieren. Das Modell ist so konzipiert, dass man es in weniger als zehn Minuten ab- oder aufbauen kann. Zusammen mit dem MSV-Archiv haben wir das Stadion bei einer Museumswoche schon während der Bauphase ausgestellt. An einem Wochenende kamen rund 2.500 Besucher – wir waren überwältigt. Es kamen sogar Modellbauer aus Bayern, um das Stadion in Natura zu bewundern.

Außerdem haben Sie eine Aktion geplant, die »Hall of Fans« heißt. Klären Sie uns auf.
Das ist unser Dauerkartenprojekt. Jeder Fan kann sich in unserem Modell gegen einen Obolus von 15 Euro verewigen. Die Fans schicken eine Beschreibung oder ein Foto von sich und meine Frau fertigt dann kleine Modellmännchen an, die den Fans nachempfunden sind. Die stellen wir dann an ihrem Stammplatz im Stadion. Wie im Original, passen 31.514 Zuschauer in das Modell. Banner und Fahnen sind natürlich auch erlaubt. Quasi eine lebenslang gültige Dauerkarte. Das war eine Idee der Duisburger Fanszene, um uns zu unterstützen.

Wie viel Geld haben Sie insgesamt in das Stadion investiert?
Für Materialien mit allem Drum und Dran haben wir in das Wedaustadion über 5000 Euro gesteckt.

Und wenn Sie Ihre Handarbeit einberechnen?
Das Modell von Profis schätzen zu lassen, kostet allein schon 1.000 Euro. Aber wir haben mal beim maritimen Museum Hamburg nachgefragt, die kennen sich auch aus mit Modellbau. Dort wurde das Modell ohne Figurenprojekt auf 75.000 bis 80.000 Euro geschätzt. Eine geeignete Vitrine, die wiederum etwa 5.500 Euro kostet, versuchen wir über Modell-Bandenwerbung zu finanzieren.

Könnten Sie es verkaufen?
Es steckt zu viel Herzblut darin, darüber habe ich bis jetzt noch nicht einmal nachgedacht.

Hier geht es zum Stadionmodell »Wedaustadion« in der Bildergalerie.
Weitere Informationen und Bilder sind zu finden unter stadionbau-tribian.de

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