22.08.2013

Warum arbeiten Sie jetzt in der Schweiz, Michael Skibbe?

»Aus der Bundesliga gab es kein Angebot«

Seine glücklose Zeit bei Hertha BSC hat Spuren hinterlassen. Michael Skibbe selbst sagt: »Meiner weiteren Bundesligakarriere hat das geschadet.« Deshalb arbeitet er jetzt im Ausland, beim Grasshopper Club Zürich hat Skibbe eine neue Aufgabe gefunden. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Michael Skibbe, wie sieht Ihre persönliche Zwischenbilanz nach den ersten Wochen und Monaten als Trainer beim Grasshopper Club Zürich aus?
Sie ist positiv, wenn auch nicht durchweg positiv. Wir haben zuletzt in der Liga zweimal nur 0:0 gegen Teams vom Tabellenende gespielt. Und ich bin traurig, dass wir in der Champions League-Qualifikation gegen Olympique Lyon ausgeschieden sind. Da war mehr drin.

Ein Weiterkommen in der Champions League hätte den Namen Skibbe in Deutschland wieder stärker in den Fokus gerückt. Viele Beobachter in der Schweiz glauben, Sie wollen sich bei den Grasshoppers für neue Aufgaben in der Bundesliga empfehlen.
Ich verschwende derzeit keinen Gedanken an Deutschland. Gegen Lyon ist es nur darum gegangen, mit den Grasshoppers die Play-Off-Spiele für die Champions League-Gruppenphase zu erreichen – nicht, um sich damit in Deutschland wieder ins Gespräch zu bringen.

Was war für Sie ausschlaggebend, beim Grasshopper Club Zürich als Trainer anzuheuern.
Ich wollte sehr gerne im deutschsprachigen Raum arbeiten. Aus der Bundesliga gab es kein Angebot. In der Schweiz sind die Rahmenbedingungen ähnlich – auch wenn natürlich alles kleiner ist, deutlich weniger Geld im Fußball fließt und auch deutlich weniger Zuschauer zu den Spielen kommen. Aber ich habe ein sehr gutes Umfeld bei den Grasshoppers vorgefunden. Der Verwaltungsrat, das Management – das passt alles. Der Präsident ist ein sehr angenehmer Mensch, aber auch die Trainingsbedingungen sind bestens.

In der Schweiz war man überrascht, wie gut Sie bei Ihrem Amtsantritt über GC und den Schweizer Fußball Bescheid wussten. Hatten Sie sich bei Ottmar Hitzfeld, den Sie aus Ihrer Zeit bei Borussia Dortmund kennen, schlau gemacht.
Nein. Ich verfüge über viele gute Kontakte in die Schweiz. Die stammen unter anderem aus der Zeit, als ich für den DFB im Nachwuchsbereich tätig war und in diesem Zusammenhang gut mit der Schweiz zusammen gearbeitet habe. Später habe ich dann auch Schweizer Spieler wie Schwegler in die Bundesliga geholt. Von daher war der Draht ins Nachbarland schon immer gut.

Angeblich gab es auch Angebote von türkischen Klubs – warum schreckten Sie vor einem erneuten Engagement in der Türkei zurück.
Viele  Vereine dort leben dort auf deutlich größerem Fuß, als es Ihnen gut tut. Ich musste diese Erfahrung sowohl bei Eskisehirspor als auch bei Karabükspor machen. Sportlich gesehen hat es bei Eskisehirspor gepasst. Aber die Spieler und ich haben über Monate hinweg kein Geld bekommen.  Daher wollte ich aus der Türkei weg.

Und nahmen das Angebot bei Hertha BSC an – was in einem Debakel endete. Nach fünf Niederlagen in fünf Spielen wurden Sie innerhalb kürzester Zeit wieder entlassen.
Im Nachhinein weiß ich, dass ich die Entscheidung, das Angebot von Hertha anzunehmen, zu rasch getroffen habe. Ich hatte mich zu wenig über die Situation, die Hintergründe dort informiert. Aber wie gesagt, angesichts der finanziellen Schwierigkeiten bei Eskisehirspor wollte ich den Verein auf jeden Fall verlassen. Es  gab vorher schon ein anderes Angebot aus der Bundesliga, das ich aber abgelehnt hatte, weil es ja sportlich gesehen bei Eskisehirspor gut lief. Das zweite Angebot aus der Bundesliga wollte ich dann nicht platzen lassen.  Was ich aber in den wenigen Wochen bei der Hertha erlebt habe habe, war eine ganz unangenehme Geschichte. Für meine weitere Bundesligakarriere hat mir das sicherlich auch geschadet.

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